Kolumne Freistoss

Vor genau zehn Jahren war Schalke in Hochstimmung

Im Jahr 2010 hatte Felix Magath als Trainer und Manager des FC Schalke 04 noch Grund zu guter Laune - wie hier beim Interview mit dieser Redaktion.

Im Jahr 2010 hatte Felix Magath als Trainer und Manager des FC Schalke 04 noch Grund zu guter Laune - wie hier beim Interview mit dieser Redaktion.

Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool

Felix Magath hatte eine gute erste Saison als Trainer und Manager auf Schalke. Am 27. März 2010 erlebte der Verein etwas Besonderes. Eine Kolumne

Heute schreiben wir ausnahmsweise mal wieder über ein Fußballspiel. Leider nicht über ein aktuelles, aber über ein im Nachhinein historisches. Dieses Spiel fand am 27. März 2010 statt, vor zehn Jahren also. Bayer Leverkusen empfing in der Bundesliga Schalke 04, es war der 28. Spieltag der Saison 2009/2010.

Felix Magath war zu Beginn jener Spielzeit als Meistertrainer vom VfL Wolfsburg zum FC Schalke gekommen, der ihn mit einem komfortablen Vierjahresvertrag als Trainer und Manager in Personalunion ausstatte – mit dem Auftrag, den Königsblauen in diesem Zeitraum den ewigen Traum vom Meistertitel zu erfüllen.

Die Bayern hatten vorher gegen Stuttgart verloren

Es lief ganz gut in seinem ersten Jahr, das Team erwies sich als überraschend schlagkräftig. An jenem Tag schickte Magath folgende Elf auf den Leverkusener Rasen: Neuer, Rafinha, Bordon, Höwedes, Matip, Westermann, Kluge, Rakitic, Farfan, Kuranyi, Edu. Im Laufe der Partie wurden noch Schmitz, Hao und Moritz eingewechselt.


Es handelte sich um das sogenannte Top-Spiel am Samstagabend. Am Nachmittag hatte Tabellenführer Bayern München gegen den VfB Stuttgart mit 1:2 verloren. Die diesmal ganz in Weiß gekleideten Schalker fühlten sich dadurch zusätzlich motiviert, und tatsächlich boten sie eine blitzsaubere Leistung. Bereits zur Halbzeit führten sie 2:0. Zweimaliger Torschütze: der damals bereits ehemalige Nationalspieler Kevin Kuranyi. In der elften Minute besorgte er per Rechtsschuss nach einer Flanke von Benedikt Höwedes das 1:0, in der 27. Minute legte er mit einem Kopfball das 2:0 nach, diesmal hatte Jefferson Farfan geflankt.

Die große Freude hielt genau eine Woche an

Schalke erwies sich als stabil, die von Jupp Heynckes trainierten Leverkusener hatten wenig zu bieten. Es blieb beim 2:0 für Schalke. Rund 5000 mitgereiste Fans feierten ausgelassen. „Spitzenreiter, Spitzenreiter“, riefen sie unaufhörlich. Ja, ihr Team hatte tatsächlich die Tabellenführung übernommen.


Die Freude darüber hielt genau eine Woche an, dann kam der FC Bayern nach Gelsenkirchen und siegte 2:1. Damit hatte sich das Thema Tabellenführung für Schalke schon wieder erledigt. Am Saisonende wurden die Bayern Meister – mit fünf Punkten vor den Schalkern, für die der damals unerwartete zweite Platz schon eine feine Sache war.

Die Ambitionen stiegen - bis das System zusammenkrachte

Natürlich wurden dadurch die Ambitionen des Klubs weiter angestachelt. 14 neue Spieler kamen, darunter der Top-Torjäger Huntelaar und der Gigant Raúl. Es sollte steil bergauf gehen. Doch das System Magath krachte zusammen, der unerbittliche Alleinentscheider hatte Mannschaft und Verein gespalten. Im März 2011 kam es zur Trennung im Krach.

Ein Jahr zuvor hatte Magath Schalke immerhin mal an die Tabellenspitze geführt. Danach ist dies nie wieder gelungen, ein Jahrzehnt ist seitdem vergangen. In der Hinrunde der aktuellen Saison hatte die Mannschaft zwischenzeitlich mal die Chance, sie verpasste sie.

Wird Schalke 04 jemals wieder auf Platz eins der Bundesliga stehen können? Wer weiß das schon. Vorher wird leider erst die bedeutendere Frage beantwortet werden müssen, ob die Bundesliga und ihre Vereine überhaupt weiterhin so existieren können, wie wir sie jetzt kennen.

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