VfL Bochum

Beim VfL Bochum gesucht: eine „andere Mentalität“

Ingolstadts Trainer Jens Keller jubelt, Danilo Soares und Robbie Kruse sind enttäuscht.

Ingolstadts Trainer Jens Keller jubelt, Danilo Soares und Robbie Kruse sind enttäuscht.

Foto: dpa Armin Weigel

Ingolstadt.   Die Kommentare waren eindeutig, beschönigen mochte auf Bochumer Seite niemand, was da am Samstag bei der 1:2-Niederlage in Ingolstadt passiert war.

Die Kommentare waren eindeutig, beschönigen mochte auf Bochumer Seite niemand, was da am Samstag in Ingolstadt passiert war. „Erneut komplett neben der Spur“ sei seine Mannschaft anfangs gewesen, sagte Robin Dutt. Tim Hoogland sprach von einem „pomadigen“ Auftritt und vielen „verlorenen Zweikämpfen“, und Danilo Soares forderte, bezogen auf die erste Halbzeit, künftig eine „andere Mentalität“ ein - die VfL-Akteure suchten nicht nach Ausreden. Vermutlich hätten sie nach dem 1:2 auch gar keine gefunden.

Ingolstadt ohne Ex-Bochumer Mavraj

Der Sieg des FC Ingolstadt, dem trotz dieses Erfolges nach dem Spieltag immer noch das Wasser bis zum Halse steht, war ein Sieg des Willens, nicht der Fußballkunst. FCI-Trainer Jens Keller musste den erst im Winter geholten und kurzfristig erkrankten Ex-Bochumer Mergim Mavraj ersetzen, der eigentlich als Schlüsselfigur im Abstiegskampf gilt. Doch Mavrajs Vertreter, Benedikt Gimber, biss sich wie alle Ingolstädter, derart intensiv in seine Aufgabe hinein, dass die Bochumer, wie der enttäuschte VfL-Trainer später sagte, „sehr, sehr oft zweiter Sieger“ waren. Das war der Schlüssel zum Erfolg für die Gastgeber gegen eine Bochumer Mannschaft, die sich weder richtig wehrte gegen die Vehemenz des Gegners, noch ihren eigenen Spielstil durchzudrücken vermochte. Niemand konnte so richtig einen Ball festmachen, längere Ballstaffetten, Kombinationen gar, kamen überhaupt nicht zustande. Ein ruhiger und geordneter Spielaufbau war unmöglich, der offene Schlagabtausch erinnerte mehr an ein Tennismatch, in dem Robbie Kruse, Sidney Sam und andere stets den Kürzeren zogen.

Hinzu kamen einmal mehr Abstimmungsprobleme und individuelle Patzer auf Seiten der Gäste. Dass der VfL durch Sonny Kittels Tor in Rückstand geriet, war eine Sache, dass Sebastian Maier bei Simon Zollers Rückpass zu tief stand und zu spät reagierte, die andere. Nur Sekunden später führten die Hausherren mit 2:0, weil auch Manuel Riemann keine gute Figur machte, als Schlitzohr Kittel von der linken Seite das kurze Eck anvisierte. Einen ähnlichen Treffer hatte Riemann vor Jahren schon einmal in Kaiserslautern kassiert.

Janelt erzielt Bochumer Anschlusstreffer

Robin Dutt ging dann ein Risiko ein, setzte in der zweiten Halbzeit auf Überzahl im Mittelfeld und bewies mit der Einwechselung von Tom Weilandt und Vitaly Janelt für Sidney Sam und Sebastian Maier immerhin ein glückliches Händchen gegen nun allerdings deutlich nachlassende Ingolstädter. Die Gastgeber hatten bis dahin alles rausgehauen, was ihnen möglich war, und nach dem Seitenwechsel sozusagen ihr Pulver verschossen. Doch mehr als das 1:2 durch Vitaly Janelt, der einen schlecht abgewehrten Ball direkt mit links im FCI-Tor unterbrachte, gelang dem VfL - trotz guter Chancen für Weilandt und Zoller - nicht mehr. Immerhin, Janelts Treffer war vielleicht auch ein Fingerzeig für die Zukunft. Um ein Tor erzielen zu können, muss man dem Gehäuse des Gegners ja erst einmal nahe kommen. Janelts relative Zurückhaltung in dieser Angelegenheit war in der Vergangenheit nicht gerade karrierefördernd gewesen.

Nun darf man gespannt sein, wie sich der VfL demnächst formieren wird. Es gibt einiges zu tun. Von Maier, der ja eine relativ lange Pause hinter sich hat, darf man sicher mehr erwarten, Dominik Baumgartner sollte rasch lernen. Chung-Yong Lee wird seine Müdigkeit bald überwinden, und Simon Zoller muss besser eingebunden werden.

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