VfL-Analyse

Warum der VfL Bochum aus dem Remis Mut schöpfen kann

Nicht drin. Kiels Dominik Schmidt (Nr. 3) köpft den Schuss von Kevin Stöger vor der Torlinie weg. FotoS:Udo Kreikenbohm

Nicht drin. Kiels Dominik Schmidt (Nr. 3) köpft den Schuss von Kevin Stöger vor der Torlinie weg. FotoS:Udo Kreikenbohm

Bochum.  Unterm Strich waren sich alle einig nach dem 1:1 gegen Kiel: Es war ein gerechtes Remis. Eines, aus dem der VfL Bochum Mut schöpfen kann.

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Selten in dieser Saison sah man im Ruhrstadion nach dem Pausenpfiff so viele gut gelaunte Menschen, die sich noch ein Bier gönnten oder eine Wurst. Die Fans des VfL Bochum im Stadion waren zufrieden, die Stimmung im Stadion passte zur Frühlingsluft – denn die Spieler hatten die Vorlage geliefert.

Bochum führte nach einer guten Leistung mit Struktur und Kontrolle verdient mit 1:0. Kiel, die offensivstärkste Mannschaft der Liga, hatte keine große Torchance. Vielleicht, weil der Gast nicht seinen besten Tag hatte. Sicher, weil der VfL kompakt, geordnet, zweikampfstark zupackte. Bochum versäumte es lediglich, nach Soares’ erstem Versuch und Kevin Stögers frühem 1:0 seine Möglichkeiten drei (Kruse) und vier (Hinterseer) zu verwandeln.

Chance vertan.

Denn irgendwann nach der Pause nahmen die Sorgen wieder ihren Platz ein im Ruhrstadion. Kiel kam auf, Bochum drückte nicht mehr nach, war jetzt „10, 15 Meter tiefer postiert“, so Trainer Robin Dutt, sorgte nicht mehr „für die nötige Entlastung“, so Torwart Manuel Riemann. Zwar blieben Großchancen der Kieler die Ausnahme, doch eine Fehlerkette bestrafte der Zweitliga-Top-Torjäger Marvin Ducksch in höchster Qualität, und ein paar Mal warfen sich Tim Hoogland und Co. in höchster Not dazwischen. Beim 1:1 verlor Stefano Celozzi, ansonsten ein umsichtiger Kapitän, den Zweikampf im Mittelfeld, die aufgerückte Defensivreihe verpatzte das Umschaltspiel, Hoogland ließ Ducksch an der langen Leine ziehen.

Schmidt klärt zweimal auf der Linie

Geht es nach der Güte der Chancen, war aber selbst im durchwachsenen Durchgang zwei der VfL dem Sieg näher, weil Kiels Held des Tages, Dominik Schmidt, zweimal auf der Linie klärte: Erst gegen Bochums Stärksten Anthony Losilla, dann gegen Bochums Impulsgeber Kevin Stöger. Letzterer ließ nach der Pause nach, was noch mehr für die Flügelspieler galt. Vor allem Robbie Kruse, anfangs flott unterwegs nach vorne, tauchte ab, und bei Sidney Sam schwanden die Kräfte für seine in der 2. Liga außergewöhnlichen Tempodribblings. Damit war auch Stoßstürmer Lukas Hinterseer, diesmal nicht so präsent wie in Ingolstadt, praktisch aus dem Angriffsspiel genommen.

Unter dem Strich stand also ein Ergebnis, das von Spielern und Trainern beider Seiten als gerecht angenommen wurde. Und eine Leistung, die dem VfL weiterhin Auftrieb geben sollte, auch wenn sie ihn tabellarisch sogar einen Platz nach hinten manövriert hat. Bochum ist nun Fünfzehnter mit 31 Punkten. Fürth hat zwei mehr, Aue einen weniger - die beiden VfL-Tabellennachbarn treffen kommende Woche Montag im Erzgebirge aufeinander.

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass man mehr Punkte braucht als je zuvor“, ahnt acht Spiele vor Schluss nicht nur Celozzi. Der Kapitän musste nach 70 Minuten wegen Problemen in der Wadenmuskulatur ausgewechselt werden, dürfte aber in Sandhausen wieder dabei sein. Vom Ziel „40 Punkte“ sprach der diesmal selten geprüfte Manuel Riemann, und der Torwart spricht das Selbstbewusstsein aus, das sich sein Team erarbeitet hat unter Heiko Butscher und Robin Dutt. „Wir haben aus den letzten fünf Spielen acht Punkte geholt“, sagte Riemann. „Ich glaube nicht, dass wir mit dieser Leistung und dieser Mannschaft absteigen.“

Tesches Einsatz noch fraglich

Ein Sieg in Sandhausen wäre ein weiterer Schritt in diese Richtung. Definitiv fehlen wird Losilla nach seiner fünften Gelben Karte. Dafür könnte Robert Tesche zurückkehren, der gegen Kiel kurzfristig wegen Rückenproblemen passen musste. Für ihn spielte der junge Vitaly Janelt – nicht schlecht, aber nicht so souverän wie die Routiniers. Ob Tesche, Siegtorschütze in Ingolstadt, wieder dabei sein kann gegen die defensivstärkste Mannschaft der 2. Liga, vermochte Dutt noch nicht zu sagen. Fallen Losilla und Tesche aus, fehlt dem VfL das Mittelfeld-Herzstück an Stabilität der letzten Wochen. Dutt sagt: „Auch dann werden wir eine Lösung finden.“

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