VfL Bochum

Schockstarre und Wut - kein schöner VfL-Abschied

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Bochum. Der Schockstarre folgte die große Wut: Durchgeknallte VfL-Anhänger stürmten den Rasen, wollten den Spielern an die Wäsche. Und während die Polizei, durchaus wahl- und unterschiedslos, mit Reizgas antwortete, feierte auf der anderen Seite alles, was in Rot gehüllt war: Der VfL Bochum hatte sich gerade mit einem sportlichen Offenbarungseid aus der Bundesliga verabschiedet – zum sechsten Mal bereits; Hannover 96 dagegen war noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen.

„Da bist du als Trainer Luft.“ Dariusz Wosz hatte nach der desaströsen 0:3-Niederlage gegen die Niedersachsen die undankbare Aufgabe, Stellung beziehen zu müssen für einen VfL-Auftritt, der das komplette Elend dieser vermaledeiten Spielzeit wie in einem Brennglas bündelte. Da dilettierte eine Mannschaft vor sich hin, die diese Bezeichnung seit längerem nicht mehr verdient hatte, da stocherten Spieler auf dem Rasen herum, die sich innerlich bereits verabschiedet hatten von diesem Klub. Nichts war zu sehen von dem versprochenen unbedingten Willen, das Schicksal noch zu wenden.

Hannover 96 genügte eine Halbzeit, um diese lose Ansammlung führungsloser Egomanen in Trümmer zu legen. Arnold Bruggink, Mike Hanke und Sergio Pinto gelang das spielend leicht, der Rest war für die Gäste professionelle Routine und Wachsamkeit. Natürlich war Mirko Slomka, an dem Hannovers Chef Martin Kind trotz der sechs Startniederlagen festgehalten hatte, grenzenlos erleichtert, und natürlich lobte er seine Schützlinge: „Ich habe größten Respekt vor diesem Team, vor dieser Einheit.“

VfL zu keinen Transfers gezwungen

Das klang wie eine Verhöhnung des Gegners, der nach dem Abstieg vor einer tiefen Zäsur steht. Spieler wie Anthar Yahia, Stanislav Sestak, auch Mergim Mavraj, der sich beinahe mit einem der verrückten Platz-Stürmer geprügelt hätte und der den VfL seit Monaten in den Vertragsverhandlungen hinhält, wird man dem dahinschwindenden Publikum vielleicht nicht mehr präsentieren können. Andere, wie der österreichische Nationalspieler Christian Fuchs, der immerhin Herzblut und eine ansprechende Laufleistung zeigte beim Liga-Abgesang, wird man nicht halten können. Und wieder andere, wie Diego Klimowicz und Vahid Hashemian, haben die Pensionsgrenze erreicht.

Spieler aus purer Not müsse man nicht verkaufen, sagte Finanzvorstand Ansgar Schwenken, ein erstes Zweitligajahr sei so kalkuliert, dass man zu keinen Transfers gezwungen sei. Aber man werde „auf jeden Fall nicht mit der Mannschaft in die Zweite Liga gehen, die gegen Hannover auf dem Platz stand“, fügte Sportvorstand Thomas Ernst hinzu. Und „wer nicht gewillt“ sei, „eine schlechte Saison wieder gut zu machen“, so Schwenken, müsse sich an die Gepflogenheiten der Fußball-Branche halten. „Verträge werden nur gegen einen wirtschaftlichen Anreiz aufgelöst“, sagte der „Finanzminister“ des Absteigers.

Thomas Ernst,steht im Fokus der Kritik

Thomas Ernst, der besonders im Fokus der Kritik steht, räumte nach einer unruhigen Nacht eigene Fehler ein. „Wir haben bei der Nachfolgeregelung für Marcel Koller nicht richtig gelegen.“ Das zielte auf Heiko Herrlich ab, nicht jedoch auf das Vorhaben, künftig stärker den Nachwuchs zu fördern und einzubeziehen. „Wir haben uns von einer Person verabschiedet, nicht von unserem Grundgedanken“, so Ernst, der es „völlig normal“ findet, dass ihm nach dem Abstieg der „Gegenwind“ kräftig ins Gesicht bläst. „Bei dem Ergebnis gibt es immer Leute, die ein neues Gesicht sehen wollen“, sagte der 42-Jährige.

Was nicht heißen soll, dass er die Brocken hinzuwerfen gedenkt. Ernst schaut nach vorne und ist „willens, den Neuaufbau voranzutreiben“ – inklusive der Trainersuche, die Priorität genießt. Und die Aufgabe ist nicht einfach: Es gilt, den richtigen Mann zu finden, der den in seinen Grundfesten erschütterten Klub ein weiteres Mal direkt zurück in die Bundesliga zu führen versteht.

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