Spielbericht

Spiel gegen Darmstadt gedreht: Der VfL Bochum atmet auf

Ausgleich: Lukas Hinterseer trifft, Patrick Fabian gratuliert.

Ausgleich: Lukas Hinterseer trifft, Patrick Fabian gratuliert.

Bochum.  Nach dem Ausgleich sind die Fans voll da: Der VfL Bochum feiert einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf. 2:1 gegen Darmstadt. Dank fremder Hilfe.

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„O wie ist das schön“, sangen die meisten der 14.500 Fans im Ruhrstadion am Ende. „So was hat man lange nicht geseh'n.“ Ein Klassiker, der vorzüglich passte: Mit dem 2:1 im Duell der Sorgenkinder gegen Darmstadt 98 hat der VfL einen kleinen, aber immens wichtigen Sieg gefeiert im Kampf gegen den Absturz, im Kampf um die Stimmungswende im gesamten Verein, bei den Anhängern.

Es war der erste Heimsieg seit zwei Monaten, seit dem 2:1 gegen Union Berlin. Und es fielen die ersten VfL-Tore in diesem Jahr nach zuvor drei Pleiten ohne ein Erfolgserlebnis.

Nur eine Änderung in der Bochumer Startelf

Zwei Tage nach der Trennung von Sportvorstand Christian Hochstätter, für den Sebastian Schindzielorz übernahm, und Trainer Jens Rasiejewski sollte gegen Darmstadt die Wende her.

Heiko Butscher, der Interimstrainer, der voraussichtlich schon nächste Woche mit einem neuen Chef zusammenarbeiten wird, änderte seine Startelf im Vergleich zum 0:2 gegen Dresden nur auf einer Position. Für Stefano Celozzi, den Kapitän, kam etwas überraschend Robert Tesche ins Spiel, erstmals seit September durfte der Routinier damit von Beginn an ran.

Im Kader gab es weitere Änderungen: Winterneuzugang Janni Serra, Vitaly Janelt und Görkem Saglam durften auf der Bank Platz nehmen. Weichen mussten Maxim Leitsch (Adduktoren-Probleme), Luke Hemmerich und Thomas Eisfeld. Bei Eisfeld läuft im Sommer der Vertrag aus – die Zeichen stehen, nicht erst seit gestern, auf Abschied.

Tesche rückt ins Team - Celozzi muss weichen

Heiko Butscher setzte im Nervenkrieg namens Abstiegskampf also auf Erfahrung - und auf ein 4-2-3-1 mit der Doppelsechs Tesche/Losilla. Bloß keine verwirrenden Experimente - so lief dann aber leider auch die Partie. Sicherheitsfußball in Reinformat, keiner wollte auch nur einen Schritt riskieren, und beiden Teams merkte man die völlige Verunsicherung der letzten Nackenschläge an. Darmstadt steht ja jetzt noch mehr mit dem Rücken zur Wand als der VfL, hat nun vier Punkte Rückstand auf Bochum.

Eine Stunde lang deutete sich das keinesfalls an. In der ersten Halbzeit notierte man einen harmlosen Kopfball von Bochums Lukas Hinterseer hier (8.) und einen Kopfball neben das Tor von Darmstadts Ji dort (37.). Mehr „Gefahr“ in Tornähe gab es nicht, stattdessen biederste Magerkost in der Offensive, hohe Bälle in den Himmel. Entsprechend fehlte auch ein Funken, der vom Rasen ins nur halbvolle Rund hätte überspringen können.

Keine Pfiffe nach der ersten Halbzeit

Viele Anhänger in der Ostkurve gaben sich ja redlich Mühe, die lautstarke Fraktion der Ultras aber setzte ihre Protest-Schweigestunden seit der Ausgliederung unverändert fort. Den Hauptunterschied zum letzten Heimspiel gegen Bielefeld hörte man daher beim Pausengang: Es gab keine Pfiffe. Und keine Hochstätter-Raus-Rufe.

Und: Als Darmstadt nach einer Ecke, die Roman Bregerie vollendete, zum 1:0 traf, feuerte die Mehrheit im Stadion ihr Team an - mit Erfolg.

Jetzt ging ein Ruck durch die Mannschaft, der sich schnell übertrug auf alle Anhänger. Und umgekehrt.

Jetzt legten die Bochumer die Angst ab, ins offene Messer laufen zu können, jetzt attackierten sie energischer, jetzt griffen sie beherzter an. Janni Serra, der neue junge Stürmer vom BVB II, kam bei seinem Debüt für Losilla, auch Trainer Heiko Butscher setzte also umgehend ein Zeichen nach dem Rückstand. Einen starken Freistoß von Kevin Stöger, der sich nun zum Matchwinner aufschwang, fischte Daniel Heuer-Fernandes, der Ex-Bochumer im Darmstädter Tor, noch aus dem Winkel (65.). Kurz danach aber passierte Erstaunliches: Bochum schoss ein Tor.

Der Ausgleich wirkt für den VfL befreiend

Tim Hoogland bediente außen Stöger, der durch den Strafraum tanzte. Seinen Schuss kratzte Kevin Großkreutz noch von der Linie, doch Hinterseer schnappte sich den Ball. Und vollstreckte. Das 1:1. Ein Tor. Welch eine Befreiung; eine Erlösung, die kein Trainer-, kein Managerwechsel bewirken kann.

Denn Bochum legte nach, die Sicherheit kehrte zurück, die Fans waren nun unüberhörbar da. Hinterseers nächsten Versuch kratzte Fabian Holland noch vor der Linie weg, ehe Holland zum Unglücksraben wurde. Eine scharfe Flanke von Stöger verwandelte der Darmstädter mit einem herrlichen Flugkopfball ins eigene Tor. 2:1 Bochum - Spiel gedreht in drei Minuten.

Jetzt war Musik drin, Stimmung auch auf den Rängen: „Das ganze Stadion hüpft, ole, ole.“ Darmstadt probierte es zwar nochmal, doch die besseren Chancen hatte am Ende der VfL. Serra und Wurtz scheiterten. Egal: Bochum atmet auf.

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