Coronakrise

VfL Bochum: Kaenzig und Experte erwarten fallende Preise

Geschäftsführer Ilja Kaenzig vom VfL Bochum hofft, dass die Show im Fußball nach der Coronavirus-Krise nachlässt, alles „demütiger“ werde.

Geschäftsführer Ilja Kaenzig vom VfL Bochum hofft, dass die Show im Fußball nach der Coronavirus-Krise nachlässt, alles „demütiger“ werde.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum.  Ilja Kaenzig, Geschäftsführer des VfL Bochum, sieht im Fußball der Zukunft weniger Kommerz und sinkende Kosten. Ein Experte gibt ihm Recht.

Beim VfL Bochum rechnen sie derzeit alle Verträge rauf und runter, ehe Ende März auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga Tacheles geredet werden soll: Wie lange kann der VfL ohne Zweitliga-Fußball überleben? Die Frage, die sich vielen Profiklubs stellt, ist noch ungeklärt. Doch trotz aller düsteren Szenarien im Falle einer noch lange andauernden Coronavirus-Epidemie hat Bochums Geschäftsführer Ilja Kaenzig auch mögliche positive Folgen der globalen Krise ins Spiel gebracht.

„Wir waren auf dem besten Weg, dass Fußball zum Entertainment wird und nicht mehr Sport ist, dass die Show über allem steht. Jetzt wird automatisch eine Rückbesinnung kommen, alles etwas demütiger“, sagte der Schweizer der ARD-Sportschau.

Kaenzig warb schon vor anderthalb Jahren für den „Volkssport“ beim VfL Bochum

Schon im Januar 2019 hatte Bochums Sprecher der Geschäftsführung ähnliche Töne angeschlagen, was den Kommerz angeht: „Uns unterscheiden von Dortmund und Schalke, die für mich eher Unterhaltungskonzerne sind, dass wir hier an der Castroper Straße Volkssport repräsentieren“, sagte er damals der Bild-Zeitung und wünschte sich einen „VfL als ewigen Gegenentwurf zur grellen Fußball-Epoche aus Glamour, Geld und Entertainment“. Anderthalb Jahre später muss man freilich feststellen, dass in Bochum Kommerz zwar eine deutlich geringere Rolle spielt als in Dortmund oder auf Schalke, dass aber auch der VfL ohne ihn kaum überlebensfähig wäre.

VfL Bochums Geschäftsführer: Die Etats der KLubs werden sich reduzieren

Nach der Coronavirus-Krise rechnet Kaenzig damit, dass der Transfermarkt in Zukunft überschaubarer wird. „Die Summen, die für Spieler gezahlt werden, werden geringer. Gerade für durchschnittliche Spieler“, meinte Kaenzig im Sportschau-Interview. „Ich glaube auch, dass sich die Etats der Klubs reduzieren werden“, so der 46-Jährige. Als direkte Folge werde „diese ganze Show, dieses Drumherum“ reduziert: „Das wird zum Teil wegfallen, das wird dem Rotstift zum Opfer fallen. Aber das ist ja nicht schlecht. Die Faszination des Fußballs ist ja ungebrochen.“

Sportökonom Breuer: Preise für die Spieler der zweiten Kategorie werden fallen

Ähnliche Töne schlägt Dr. Christoph Breuer, Sportökonom an der Deutschen Sporthochschule Köln an. Breuer erwartet, dass für Spieler der zweiten Kategorie wohl erstmal nicht mehr die (überhöhten) Preise gezahlt werden wie zuletzt. Auch nicht aus England, dem reichsten Fußballmarkt. „Die Preise für die Topspieler werden vermutlich nicht so stark einbrechen“, sagte der Sportöknomen der Deutschen Presse-Agentur.

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