VfL im Trainingslager

VfL Bochum: Publikumsliebling Lee ist wieder topfit

In Bestform ist er nur schwer vom Ball zu trennen und dirigiert das VfL-Spiel mit: Chung-Yong Lee, hier beim 2:0 gegen Aue.

In Bestform ist er nur schwer vom Ball zu trennen und dirigiert das VfL-Spiel mit: Chung-Yong Lee, hier beim 2:0 gegen Aue.

Foto: firo Sportphoto/Ralf Ibing / firo Sportphoto

Jerez de la Frontera/Spanien.  Chung-Yong Lee ist wieder topfit - und hungrig. Ein Karriere-Ende ist kein Thema für Bochums Publikumsliebling. Ein Vereinswechsel schon.

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Chung-Yong Lee ist ein höflicher Mensch. Stets freundlich. Stets dankbar wirkend. Oft mit einem netten Lächeln auf den Lippen. Und er ist 31 Jahre, ein erfahrener 89-maliger Nationalspieler Südkoreas, der viele Höhen und manche Tiefen erlebt hat in diesem schnelllebigen Geschäft. Er ist routiniert genug, sich in keiner Sekunde aus der Reserve locken zu lassen. Lees Vertrag läuft nach dann fast zwei Jahren im Sommer aus beim VfL Bochum.

Ein Karriere-Ende ist kein Thema für ihn, betont der offensive Mittelfeldspieler im Gespräch mit der WAZ im Trainingslager im spanischen Jerez de la Frontera. „I love football“, „ich liebe Fußball“, sagt der bevorzugt auf englisch sprechende Publikumsliebling. Die Fans lieben das langgezogene „Leeeeee“, und Lee mag es, wenn die Fans seinen Namen rufen. „Vielen Dank an die Fans, das freut mich sehr“, sagt er.

Lee will sich voll und ganz auf die Rückrunde konzentrieren

Aber ob er in Bochum bleibt? „Ich bin voll fokussiert auf die jetzige Situation, auf das Trainingslager, auf die Rückrunde“, sagt Chung-Yong Lee. Ein Vereinswechsel also ist möglich, zumal der VfL Bochum auch auf Lees Position längst nach Verstärkung sucht – womöglich klappt ein Transfer noch in dieser Winterpause.

Der VfL hat eine schwierige Hinserie hinter sich, und das gilt auch für Lee selbst. „Ich bin enttäuscht über die Hinrunde, wir sind alle sehr enttäuscht“, sagt der Koreaner. „Aber das ist vorbei. Wir haben einiges geändert, wir denken positiv. Wir werden in der Rückrunde da sein und den Klassenerhalt schaffen.“

Verletzung bremste Lee in der Hinrunde aus

Und dazu will Lee viel beitragen, das spürt man auch in den Trainingseinheiten. Das Wichtigste: „Ich bin fit, ich habe keine Probleme mehr.“ Denn nach einer starken ersten Saison beim VfL Bochum (23 Einsätze, 1 Tor, sechs Torvorlagen), in denen Lee mit seiner Spielintelligenz, mit seiner Ballsicherheit, mit seiner Erfahrung und Technik ein nahezu unersetzlicher Mann war für den Zweitligisten, hat Lee in der Hinrunde nicht an diese Leistungen anknüpfen können.

Vor allem wohl aus Verletzungsgründen. Am Ende der vergangenen Spielzeit, beim FC St. Pauli, verdrehte er sich das Knie, verletzte sich. Nach der Sommerpause kehrte er aus Südkorea noch angeschlagen zurück. Und am dritten Spieltag, beim 0:1 beim Hamburger SV, verletzte er sich erneut am Knie, fiel zwei Monate aus, kehrte erst beim erlösenden 3:1 gegen Nürnberg, dem ersten Heimsieg der Saison, in die Startelf des VfL zurück Anfang November. Lee, der Stabilisator - es war sein wohl bestes Saisonspiel.

Abschluss zählt nicht zu Lees Stärken

Bisher hat er als offensiver Mittelfeldmann aber ebenso kein Tor erzielt und keinen Treffer vorbereitet wie etliche seiner Kollegen auf dieser Position, die auch deshalb vakant ist bisher, auf der sich etliche Spieler probieren durften, von Milos Pantovic über Sebastian Maier und Tom Weilandt bis zu Chung-Yong Lee. Der Abschluss zählte noch nie zu Lees Stärken. Als Stabilisator und beruhigender Faktor gefragt, ist er kein Mann fürs Tempo, fürs schnelle Umschaltspiel. Und doch eine Größe im Kader des VfL. Akzeptiert und anerkannt, auch als Teamplayer.

Die Tochter ist der Chef in der Familie Lee

Wohl fühlt er sich jedenfalls beim VfL, in Düsseldorf, wo er mit seiner Frau und seiner vierjährigen Tochter wohnt. „Sie ist der Chef“, erzählt Lee und lächelt. Großartig umstellen musste er sich nach neun Jahren in England, wo er bei den Bolton Wanderers und Crystal Palace hochklassig spielte, in Deutschland nicht, einzig die Sprache ist „very difficult“, sehr schwer - und Heimweh, ja, das hat er „immer ein bisschen“. Weil er seine Heimat Südkorea liebt wie den Fußball. Für seine Nationalmannschaft will er weiterhin spielen, wenn sie ihn ruft, und womöglich nach seiner Karriere zurückkehren. Welche Pläne er hat? „Das weiß ich noch nicht. Vielleicht Journalist“, sagt er - und lächelt schelmisch. Denn das Karriere-Ende ist für Lee ohnehin längst nicht in Sicht.

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