2. Bundesliga

VfL Bochum: Trainer Reis rückt auch die Fans in den Fokus

Will sein Team nach vorne peitschen beim Re-Start der 2. Liga: Trainer Thomas Reis.

Will sein Team nach vorne peitschen beim Re-Start der 2. Liga: Trainer Thomas Reis.

Foto: Udo Kreikenbohm / WAZ FotoPool

Bochum.  Von einer „Riesenverantwortung auch für unsere Fans“ spricht Bochums Trainer Thomas Reis vor dem ersten Geisterspiel des VfL gegen Heidenheim.

„Ich werde den Jungs sagen, dass wir auch eine Riesenverantwortung für unsere Fans haben.“ Thomas Reis, der Trainer des VfL Bochum, rückt auch die Anhänger in den Fokus, die an diesem Samstag (13 Uhr) nicht dabei sein dürfen im Ruhrstadion. Dort empfängt der Zweitliga-Fünfzehnte VfL den Zweitliga-Vierten FC Heidenheim zum ersten Geisterspiel in der Corona-Krise.

„Wir spielen in unserem Schmuckkästchen, leider ohne unsere tollen Fans“, sagt der einst mit dem VfL im Uefa-Cup aktive Ex-Profi. Die Anhänger würden „mit Sicherheit zuhause vor dem TV sitzen“, und „ich habe das Gespür, dass die Unterstützung riesengroß sein wird“. Zumal viele Anhänger den Klub etwa durch den Kauf von Sondertrikots auch in der spielfreien Coronazeit bestmöglich geholfen hätten.

Trainer Reis nimmt sich selbst in die Pflicht

Der 46-Jährige, der im September erstmals ein Profiteam als Chefcoach übernahm, lädt in dieser schwierigen Situation auch viel Druck auf seine eigenen Schultern: „Ich bin da als Trainer sehr gefragt, die Mannschaft auch mental und mit meiner Art nach vorne zu peitschen.“

Dass sie will, dass sie fit ist, daran ließ Reis keinen Zweifel aufkommen bei einer virtuellen Pressekonferenz vor laufender Kamera, wobei die Journalisten die Fragen vorab einreichten und bei der Aufzeichnung selbst nicht dabei sein konnten. „Die Jungs lechzen schon danach, morgen auf dem Rasen stehen zu können“, gab der Coach Einblick in die Stimmungslage. Mut mache ihm, wie sich sein Team in den vergangenen Wochen verhalten, wie diszipliniert es trainiert habe.

Reis: Die Partie wird „im Kopf“ entschieden

Dennoch bleiben natürlich Fragen offen, die erst ein absolviertes Geisterspiel klären kann. Reicht die Kraft für 90 Minuten nach zehn Wochen ohne Spiel? Vor allem: Wie stark ist das Team mental? Wie geht der Einzelne mit den neuen Regeln wie etwa einen Verzicht auf gemeinsamen Torjubel, vor allem aber mit der Geisterkulisse um? „Im Meisterschaftsbetrieb ist das für alle neu. Es wird Spieler geben, die mit Sicherheit auch mal befreiter sind, weil der Druck von den Rängen fehlt. Es wird Spieler geben, denen diese Kulisse fehlt“, meint Reis. Spielentscheidend werde sein, welches Team „im Kopf“ die Situation am besten annehme.

Sebastian Schindzielorz, der Sport-Geschäftsführer, erwartet daher eine fokussierte Vorbereitung: Jeder müsse sich mit der Situation im Vorfeld auseinandersetzen, um „nicht überrascht zu sein, wenn er ins Stadion einläuft. Dann könnte es zu spät sein, den Schalter umzulegen.“ Der VfL bewege sich einer tabellarisch „schwierigen Situation“, jeder müsse die Bereitschaft zeigen, „die Punkte hier zu behalten.“

Schindzielorz ist davon überzeugt, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann

Schindzielorz gibt sich vom Klassenerhalt überzeugt, und er rechnet auch fest damit, dass die Saison – notfalls bis in den Juli hinein – zu Ende gespielt wird. Verbandsrechtlich sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, auch am 30. Juni endende Verträge entsprechend verlängern zu können. Auch beim VfL laufen dann zehn Kontrakte aus, unter anderem von Danilo Soares sowie von den Leihspielern Manuel Wintzheimer (HSV), Jordi Osei-Tutu (Arsenal London) und Vasileios Lampropoulos (La Coruna). Letztlich beschäftige das Thema international alle Klubs. „Wir sitzen alle in einem Boot. Ich glaube, dass wir da solidarisch genug sind, dass jede Mannschaft die Saison auch in Vollbesetzung zu Ende spielen kann“, sagt Schindzielorz.

Zunächst gilt der Fokus dem Auftakt, und Schindzielorz setzt darauf, dass der VfL gar nicht erst in die Not kommt, auf einen Abstiegsplatz zu rutschen. Schindzielorz: „Wir wollen über dem Strich bleiben und möglicherweise noch verbessern. Das ist unser Anspruch.“

Trotz fehlender Fans sieht Trainer Reis einen Heimvorteil

Dass der Start daheim stattfindet, bleibt für Reis trotz leerer Ränge ein Vorteil. Gerade in der Coronazeit hat Bochum oft im leeren Stadion trainiert, hat oft elf gegen elf gespielt. Eine Simulation, die helfen kann für den Ernstfall.

Wer seine erste Elf sein wird, verriet Reis naturgemäß nicht. Klar ist, dass Saulo Decarli (Fußprobleme) und Vitaly Janelt (muskuläre Probleme) ausfallen. Vakant scheinen nur zwei Positionen zu sein: Auf dem rechten Flügel könnten Simon Zoller oder Jordi Osei-Tutu beginnen. Janelts Mittelfeldplatz könnte Robert Zulj einnehmen, der im Fitnessbereich gegenüber den Kollegen aufgeholt habe, erklärte Reis.

Seine Elf jedenfalls habe eine „Riesenmöglichkeit“, so Reis, „mit diesem ersten Geisterspiel in ein Geschichtsbuch zu kommen. Auch das sollte Ansporn sein. Ich bin heiß, die Mannschaft ist heiß. Wir wollen morgen möglichst einen guten Start hinlegen.“

So könnte der VfL Bochum spielen:

Riemann - Gamboa, Lampropoulos, Leitsch, Soares - Tesche - Losilla, Zulj - Zoller (Osei-Tutu), Ganvoula, Blum.

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