VfL Bochum

VfL entwickelt mehr und mehr Freude an der Defensivarbeit

Auch Armel Bella-Kotchap (l.) und Robert Tesche (r.) verteidigten über weite Strecken sehr konzentriert gegen Dimitrios Diamantakos und den FC St. Pauli.

Auch Armel Bella-Kotchap (l.) und Robert Tesche (r.) verteidigten über weite Strecken sehr konzentriert gegen Dimitrios Diamantakos und den FC St. Pauli.

Foto: Oliver Hardt / Bongarts/Getty Images

Hamburg.  Der VfL Bochum bleibt auf dem Relegationsplatz der 2. Liga. Das 1:1 bei St. Pauli werteten sie beim VfL als Schritt in die richtige Richtung.

Als ob am Millerntor, der Spielstätte des FC St. Pauli, nicht so schon genug Spektakel wäre. Das Spiel des VfL Bochum in der 2. Bundesliga fand am Freitag im Schatten des Winterdoms statt. Das ist das größte Volksfest des Nordens. Es produzierte schöne Bilder. Direkt hinter der Anzeigetafel des Stadions drehte sich das Riesenrad, über die Tribüne der Gegengeraden schaute immer mal wieder der Pendelarm des Fahrgeschäftes Infinity ins Stadion. Und wieder eine neue Fahrt hieß es auch auf dem Platz. Dort versuchten die VfL-Profis erneut zu zeigen, dass sie verstanden haben, wie sie langfristig aus dem Tabellenkeller kommen.

Mit zwei Szenen machte Simon Zoller das deutlich. Die eine ist inzwischen zu seinem Markenzeichen, seiner ureigenen Jubelpose geworden. Trifft er, zieht er den linken Trikotärmel hoch und spannt dann den Bizeps an. Dreimal durfte er inzwischen so jubeln. Er markierte das 3:2 beim 3:3 gegen Arminia Bielefeld, das 1:0 beim 3:2 in Heidenheim, jetzt wieder das 1:0. „Und das als Rechtsaußen“, sagte er später am Freitagabend in der Mixedzone des Millerntores mit einem leichten Lächeln. „Nicht falsch verstehen. Aber ich werde immer als Stürmer gesehen. Aber ich bin nicht der klassische Mittelstürmer.“ Derzeit ist er eher der fleißige Arbeiter entlang der rechten Außenbahn. In der Offensive und der Defensive.

Zoller setzt ein Zeichen

Im DFB-Pokalspiel gegen die Bayern unterstützte er Stefano Celozzi bei der Defensivarbeit gegen Kingsley Coman. Gegen Nürnberg war er noch vor Dauerläufer Anthony Losilla der Spieler mit den meisten gelaufenen Metern. Genau das hilft dem VfL enorm.

So war die zweite Zoller-Szene fast noch wichtiger als sein Tor. Spät in der zweiten Hälfte startete St. Pauli über Daniel Buballa einen schnellen Gegenstoß. Jordi Osei-Tutu wäre der erste gewesen, der ihn hätte verfolgen und dann am besten hätte stoppen müssen. Der Rechtsverteidiger aber konnte es sich erlauben, sich in diesem Laufduell an der Außenbahn etwas zurückzuhalten. Zoller lief Buballa ab, der Ball trudelte ins Toraus. Zoller feierte das mit zwei geballten Fäusten direkt vor den VfL-Fans. Die drei waren direkt auf die mit 2500 VfL-Fans gefüllte Gästetribüne zugelaufen.

Riemann ohne Chance

Zoller zeigte, auf was es beim VfL in dieser Situation und in dieser Tabellenregion besonders ankommt: auf den unbedingten Willen zur und Freude an der Defensivarbeit. „Ich mache das gerne“, sagte Zoller dazu. „Und ganz ehrlich: am Ende ist doch auch egal, wer vorne das Tor macht.“

Über weite Strecken verteidigten die Bochum gegen St. Pauli diszipliniert und konzentriert. Das Team von Thomas Reis ließ nur wenige Chancen zu. Eine der ersten nutzte Buballa zum 1:1. Dabei sahen Chung-Yong Lee und Robert Tesche nicht gut aus. Buballa reichte für beide jeweils eine Körpertäuschung. Manuel Riemann im VfL-Tor war ohne Abwehrchance.

Zufrieden mit dem Punkt

Der war hernach dennoch zufrieden mit seinen Vorderleuten. „Wir haben das gut gemacht. So ein Gegentor ist ärgerlich und natürlich würde ich auch gerne mal zu Null spielen. Aber wir haben jetzt verstanden wie es geht. Mit dem Punkt können wir zufrieden sein.“ Eben auch, weil die Bereitschaft zur Abwehrarbeit stimmte, die Viererkette überzeugte. Insbesondere Rechtsverteidiger Jordi Osei-Tutu.

Wobei die Körpersprache des jungen Engländers immer etwas leicht Aufreizendes hat. Er weiß, dass er schnell ist. Er weiß, dass er damit so manches Defensivproblem lösen kann. Aber er darf sich halt nicht nur darauf verlassen. Trainer Reis lobte ihn für seine Leistung gegen St. Pauli, kündigte aber auch an, weiter mit ihm zu arbeiten. „Er hat enorme Qualitäten“, sagte Reis. „Wir müssen ihm helfen, dass er sie nun dauerhaft zeigt.“

Gamboa kehrt zurück

Wobei fraglich ist, ob Osei-Tutu nach der Länderspielpause und im Heimspiel gegen den VfL Osnabrück erster Kandidat für den Posten rechts in der Viererkette sein wird. Cristian Gamboa wird dann seinen Muskelfaserriss überwunden haben. Auch Stefano Celozzi, der zunächst für Gamboa ins Team gerückt war, ist dann wieder einsatzbereit.

Reis hat dann wieder mehr Möglichkeiten. Wobei er gegen St. Pauli darauf verzichtete, sein Wechselkontingent auszuschöpfen. Erst ganz kurz vor dem Ende brachte er Manuel Wintzheimer für Zoller. Es blieb der einzige Wechsel. Den Rest des Teams ließ Reis durchspielen. Damit setzte er ein deutliches Zeichen in sein Team hinein. Einerseits stärkte er seine nun offensichtlich zunächst gefundene neue Stammformation mit Tesche im defensiven und Lee im offensiven Mittelfeld. Zum anderen machte er den potenziellen Wechselspielern deutlich, um es mal halbwegs positiv auszudrücken, dass sie sich werden steigern müssen, um wieder eine Chance zu bekommen.

Die Zeit der Reservisten

Immerhin können sie sich in dieser Woche mal wieder über ein komplettes Spiel zeigen. Der VfL testet am Donnerstag (14.) um 15 Uhr gegen Fortuna Köln. Da schlägt die Zeit der Reservisten.

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