Regionalliga

Warum dem KFC Uerdingen der nächste Absturz droht

Düsterer Blick in die Zukunft : Präsident und Investor Mikhail Ponomarev (links) hört im Sommer auf, Geschäftsführer Nikolas Weinhart sucht nach einer Rettung.

Düsterer Blick in die Zukunft : Präsident und Investor Mikhail Ponomarev (links) hört im Sommer auf, Geschäftsführer Nikolas Weinhart sucht nach einer Rettung.

Foto: getty Images

Krefeld.  Der Drittligist finden keinen neuen Investor. Ohne sportliche Heimat ist der KFC Uerdingen aktuell auch kein attraktives Investment.

Am Ende flossen bei Mikhail Ponomarev sogar Tränen. Es war der skurrile Abschluss einer denkwürdigen Veranstaltung, die womöglich das Aus des KFC Uerdingen im Profifußball besiegelt hat. Der finanziell angeschlagene Drittligist findet offenbar keinen neuen Investor. Es droht der Sturz in die Regionalliga.

Ursprünglich wollten die Verantwortlichen des KFC virtuell bei ihren Mitgliedern dafür werben, dass die Anteile von Präsident und Geldgeber Ponomarev an einen neuen Investoren verkauft werden sollen. Doch der Verwaltungsratsvorsitzende Andreas Galland hatte schlechte Nachrichten: „Wir hätten heute Abend gerne von positiven Gesprächen mit zwei Investoren berichtet, die so gut wie abgeschlossen sind. Leider hat sich die Sache nicht so positiv entwickelt.“

 

Beim KFC Uerdingen fehlen Millionen

Anfang Dezember hatte Ponomarev angekündigt, spätestens am Ende dieser Saison sein Engagement bei den Krefeldern zu beenden. Zunächst schien die Suche von Geschäftsführer Nikolas Weinhart nach einem Nachfolger von Erfolg gekrönt: Gerüchte um armenische Geschäftsleute, die beim KFC einsteigen wollten, machten die Runde. Doch die Hoffnung wich nun der bitteren Realität, die Ponomarev auch mit Blick auf die katastrophalen Trainingsbedingungen und die fehlende sportliche Heimat aufgrund des Umbaus der Grotenburg mitteilte: „Der KFC ist kein attraktives Investment. Was haben wir schon? Eine Drittliga-Lizenz. Das ist alles.“

Sollte nicht doch ein neuer Geldgeber gefunden werden, dürfte auch die Lizenzerteilung ins Wanken geraten. „Dann wird der KFC in der kommenden Saison nicht mehr in der dritten Liga spielen, sondern in der Regionalliga“, sagte der 46-Jährige. Vier bis fünf Millionen Euro koste eine Mannschaft für den Klassenerhalt in der 3. Liga, für den Aufstieg wären acht bis neun Millionen Euro nötig. Der KFC ist auf Investoren angewiesen. Der Klub kassiert rund eine Million Euro TV-Gelder, den Rest bezahlt Ponomarev.

Nach dem steilen Aufstieg des ehemaligen Bundesligisten könnte es im Sommer wieder ähnlich schnell bergab gehen. Seit Juli 2016 ist Ponomarev der KFC-Präsident, zwei Jahre später gelang der Durchmarsch von der Oberliga in die 3. Liga. Doch der Russe polarisierte mit seinem Führungsstil. Uerdingen holte namhafte und teure Spieler wie Weltmeister Kevin Großkreutz, immer wieder mussten Trainer gehen. Auch Stefan Effenberg gab als Sportvorstand ein kurzes Intermezzo, das dem Klub immerhin Schlagzeilen sicherte. Nachhaltig handelte der Verein nie. Für Kritik zeigte sich der Alleinherrscher nicht empfänglich, auch die Zahlungsmoral erschien zuletzt mindestens zweifelhaft. Es schwelen mehrere Rechtsstreitigkeiten mit Ex-Spielern, erst kürzlich bekam Großkreutz fast 450.000 Euro zugesprochen.

Vereinslegende Matthias Herget verzweifelt

Eine traurige Entwicklung, die Matthias Herget aber nicht überrascht. „Es war alles nur eine Frage der Zeit – leider. Es war klar, dass das mal alles vor die Wand gefahren wird“, sagt die Vereinslegende, die 1985 mit Bayer Uerdingen DFB-Pokalsieger wurde. „Wenn man sich in die Hände eines Investors begibt und der sportliche Erfolg plötzlich ausbleibt, dann passiert so etwas.“

Beispiele für das Risiko eines Vereins, sich von einem Mäzen abhängig zu machen, gibt es zuhauf. Der TSV 1860 München musste 2017 von der 2. Bundesliga in die Regionalliga absteigen, weil der Boss Hasan Ismaik die Zahlungen für die 3. Liga verweigerte. Um Weihnachten herum schien Uerdingens Liga-Konkurrent Türkgücü München vor einem Scherbenhaufen zu stehen, als Klubboss Hasan Kivran aufhören wollte. Der Verein stieg zuletzt drei Mal in Folge auf, besitzt nicht mal ein eigenes Stadion und ist nicht gleichmäßig mit der sportlichen Entwicklung gewachsen. Am vergangenen Wochenende machte Kivran einen Rückzug vom Rückzug: Die Saison scheint für Türkgücü gesichert.

Eine ähnliche Aktion ist vom Uerdinger Boss nicht zu erwarten. Bis zu seinem Ausstieg im Sommer aber wolle Ponomarev alles dafür tun, einen zahlungsbereiten Investoren zu finden.

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