Hall of Fame

Zwölf starke Frauen ziehen in die DFB-Ruhmeshalle ein

Sieben Spielerinnen und Trainerin Tina Theune (2.v.r.)  waren am Samstag in Dortmund:  Steffi Jones, Renate Lingor, Nia Künzer, Inka Grings, Silvia Neid, Bettina Wiegmann und Silke Rottenberg.

Sieben Spielerinnen und Trainerin Tina Theune (2.v.r.) waren am Samstag in Dortmund: Steffi Jones, Renate Lingor, Nia Künzer, Inka Grings, Silvia Neid, Bettina Wiegmann und Silke Rottenberg.

Foto: Getty Images

Dortmund  Im Deutschen Fußballmuseum wurde die Gründungself der Frauen in die Hall of Fame aufgenommen. Wir stellen die Spielerinnen und ihre Trainerin vor.

Sie wurden gefeiert: Im Deutschen Fußballmuseum wurde am Samstagabend die Gründungself der Frauen in die Hall of Fame in Dortmund aufgenommen. Ein halbes Jahr nach der Einweihung durch die Männer nahmen Silvia Neid, Silke Rottenberg, Steffi Jones, Nia Künzer, Renate Lingor, Bettina Wiegmann, Inka Grings und Trainerin Tina Theune ihre Auszeichnungen aus den Händen des neuen DFB-Präsidenten Fritz Keller entgegen. Der setzte mit seiner Anwesenheit auch ein Zeichen: Die Reise zum Länderspiel der Männer nach Estland hatte er extra um einen Tag verschoben, um diesen besonderen Abend mit vielen verdienten Fußballerinnen zu verbringen. Wir stellen die elf geehrten Spielerinnen und ihre Trainerin vor:

Silke Rottenberg (Tor): Heute gibt sie ihre Erfahrungen an die deutschen Nachwuchs-Nationalmannschaften weiter. Und Erfahrungen hat Silke Rottenberg (47) etliche gesammelt: Zwischen 1993 und 2008 stand sie 126 Mal im Tor der Nationalmannschaft, wurde 2003 Weltmeisterin und Welttorhüterin. Auch 2007 gehörte sie zum Kader, der den WM-Titel holte, allerdings als Nummer Zwei hinter Nadine Angerer. Begonnen hatte Rottenberg als Spielerin auf dem Feld, erst als 16-Jährige riet ihr die damaligen Mittelrhein-Trainerin Tina Theune, von der Libero-Position ins Tor zu wechseln.

Doris Fitschen (Abwehr): 144 Länderspiele und vier EM-Titelgewinne - die 50-Jährige hat sich ihren Platz in der Ruhmeshalle verdient. Vor Ort sein konnte sie gestern allerdings nicht. Vor einigen Tagen hatte sie ihre Krebserkrankung öffentlich gemacht, bei ihr war ein Tumor im Oberarmknochen festgestellt worden. Mit der Nationalmannschaft gewann sie viermal die Europameisterschaft. Als Deutschland 1989 erstmals überhaupt den Titelgewinn feierte, war sie mit 20 Jahren die jüngste Spielerin des Turniers. Ihr Spitzname lautete damals „weiblicher Beckenbauer“.

Steffi Jones (Abwehr): Ihre Karriere als Bundestrainerin war kurz, doch als Spielerin war Stephanie Ann Jones ein Garant für Erfolg. Zwischen 1993 und 2007 stand die nur Steffi gerufene Abwehrspielerin in 111 Länderspielen auf dem Platz, dreimal feierte sie den Europameister-Titel – zuletzt 2005. Bitter verlief für sie die WM 2003: Bei Deutschlands erstem globalen Titelgewinn hatte sich Jones in der Vorrunde das Kreuzband gerissen. Nach dem Karriereende war die heute 46-Jährige unter anderem Präsidentin des Organisationskomitees für die Frauen-WM 2011.

Nia Künzer (Abwehr): Das Golden Goal im EM-Finale 1996 machte Oliver Bierhoff einst zur Legende. Bei den Frauen erzielte Nia Künzer den entscheidenden Treffer in der Verlängerung des WM-Finals 2003 gegen Schweden – seitdem ist auch sie ein Star, der Treffer wurde später gar zum Tor des Jahres gewählt. Die heute als TV-Expertin arbeitende 39-Jährige absolvierte 34 Länderspiele und erzielte dabei neben dem legendären WM-Treffer ein weiteres Tor. Verletzungen bremsten sie allerdings immer wieder aus – nach vier Kreuzbandrissen erklärte sie 2006 ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft.

Silvia Neid (Mittelfeld): Als Cheftrainerin stand sie für das weitere Gedeihen in der Blütezeit des deutschen Frauenfußballs, zwischen 2005 und 2016 wurde sie einmal Welt-, zweimal Europameisterin und 2016 Olympiasiegerin. Sie war an allen acht EM-Titeln der Nationalmannschaft beteiligt - als Co-Trainerin, Cheftrainerin – und als Spielerin. Sie war bereits beim ersten Länderspiel der bundesdeutschen Frauen-Nationalmannschaft 1982 gegen die Schweiz mit von der Partie.

Bettina Wiegmann (Mittelfeld): Ihr letztes Spiel war auch ihr größter Triumph: Nach dem siegreichen WM-Finale 2003 beendete Bettina Wiegemann ihre DFB-Laufbahn, in der sie auch vier Europameister-Titel gefeiert hatte. 2004 wurde Wiegmann zur ersten Ehrenspielführerin des DFB ernannt. Heute trainiert die 48-Jährige die deutschen U15-Mädchen.

Renate Lingor (Mittelfeld): Sie war für ihre gute Ballbehandlung, ihre präzisen Pässe und für gefährliche Standards bekannt. 1995 gab Renate Lingor ihr Debüt in der Nationalelf und gewann in den Folgejahren drei Europameisterschaften und zwei Weltmeisterschaften. 2008 trat die heute 44-Jährige nach 149 Spielen und 35 Toren aus dem DFB-Team zurück. Heute arbeitet sie als Teammanagerin der deutschen Mädchen-Nationalteams.

Martina Voss-Tecklenburg (Mittelfeld): Wenn die aktuelle Bundestrainerin spricht, hören ihre Spielerinnen zu. Denn Martina Voss-Tecklenburg (51) spricht aus Erfahrung. Zwischen 1984 und 2000 absolvierte die Mittelfeldspielerin 125 Spiele für Deutschland, in denen sie 27 Tore erzielte. Vier Europameistertitel sowie die Vize-Weltmeisterschaft 1995 durfte sie feiern. Vor dem Engagement beim DFB trainierte die gebürtige Duisburgerin bereits die Schweizer-Frauen, die sie 2015 erstmals in deren Geschichte zu einer Weltmeisterschaft führte.

Birgit Prinz (Sturm): Sie ist eine Legende, die nie eine sein wollte. Als große Freundin von Ehrungen und medialer Präsenz galt Birgit Prinz nie. Dafür als beste Offensivspielerin Deutschlands. Für die Nationalmannschaft traf sie in 214 Spielen 128 Mal und ist damit geschlechterübergreifend Rekordspielerin und erfolgreichste Torschützin des DFB. Achtmal wurde Prinz zu Deutschlands Fußballerin des Jahres gewählt, dreimal war sie zudem Weltfußballerin. Die 41-Jährige ist Ehrenspielführerin des Nationalteams. Nach dem Karriereende als titeldekorierte Profifußballerin startete die Frankfurterin ein neues Kapitel, als studierte Psychologin war sie im Juni im Betreuerstab des Frauenteams bei der WM in Frankreich.

Inka Grings (Sturm): Als Stürmerin war sie kompromisslos, erzielte in 96 Spielen zwischen 1996 und 2012 stolze 64 Tore für die Nationalmannschaft. 2005 und 2009 holte Grings mit dem Team den Europameistertitel, bei beiden Turnieren wurde Grings Torschützenkönigin. Auch für den Bundesligisten FCR Duisburg traf die heute 40-Jährige wie am Fließband, sechsmal wurde sie Torschützenkönigin. Trotz vieler Verletzungen ist sie mit 353 Treffern in 271 Spielen die erfolgreichste Torjägerin der Bundesliga. Heute ist sie Trainerin: Als erste Frau übernahm sie vergangenes Jahr ein Männer-Regionalligateam, derzeit spielt ihr SV Straelen in der Oberliga.

Heidi Mohr (Sturm): Stürmerin mit unglaublicher Trefferquote: Zwischen 1986 und 1996 schoss Heidi Mohr in 104 Länderspielen 83 Tore. Lohn waren drei Europameistertitel und eine Vize-Weltmeisterschaft. Fünfmal in Folge, von 1991 bis 1995, war Mohr Torschützenkönigin der Bundesliga mit durchschnittlich 27 Treffern pro Saison. 1999 wurde sie zu „Europas Fußballerin des Jahres" gewählt. Sie starb im Februar mit 51 Jahren an Krebs.

Tina Theune (Trainerin): Ach, was waren das für Zeiten: Von ihrem ersten Spiel als Bundestrainerin druckte die Fachzeitung Kicker nicht mal das Ergebnis. Als sie aufhörte, kam allerdings keine Zeitung in Deutschland um eine Bilanz herum: Tina Theune (zwischenzeitlich Theune-Meyer) ist die bislang erfolgreichste Bundestrainerin, zwischen 1996 und 2005 führte die 65-Jährige ihr Team zu drei Europameistertiteln und 2003 zum WM-Gewinn. Auch nach ihrem Rücktritt blieb die Pfarrerstochter aus Kevelaer dem DFB als Sportlehrerin in verschiedenen Aufgabenbereichen erhalten.

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