Impfpass-Affäre

Gefälschter Impfpass: Verdacht gegen Markus Anfang erhärtet sich

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Neue Ermittlungen: Offenbar erhärtet sich der Verdacht, dass der frühere Werder-Trainer Markus Anfang einen gefälschten Impfpass benutzt haben soll.

Neue Ermittlungen: Offenbar erhärtet sich der Verdacht, dass der frühere Werder-Trainer Markus Anfang einen gefälschten Impfpass benutzt haben soll.

Foto: dpa

Bremen.  Neue Ermittlungen belasten Ex-Werder-Trainer Markus Anfang schwer. Der Verdacht der Fälschung des Impfausweises erhärtet sich.

Es waren deutliche Worte, die der Bremer Oberstaatsanwalt Frank Passade am Montagnachmittag in Sachen Markus Anfang fand. Die Behörde ermittelt seit einigen Tagen gegen den ehemaligen Trainer des Zweitligisten SV Werder Bremen, weil sie ihn verdächtigt, dem Gesundheitsamt einen gefälschten Impfpass vorgelegt zu haben – und hat nun neue Hinweise vorliegen.

Ermittler: Chargennummer des Impfstoffs wurde nie verimpft

In dem Dokument sind zwei Corona-Impftermine im Kölner Impfzentrum eingetragen. Die dafür zuständige Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein habe den 47-Jährigen aber gar nicht in ihrem System erfasst. „Das heißt, er wurde nicht in Köln geimpft“, sagte Passade der Bild-Zeitung. „Auch die Chargennummer, die in seinem Impfbuch steht, wurde nie in dem Impfzentrum verimpft. Der Tatverdacht, dass es sich um eine Fälschung handelt, hat sich erhärtet.“

Anfang war am Samstag als Werder-Trainer zurückgetreten, nachdem die Vorwürfe bekanntgeworden waren. Werders Finanzchef Klaus Filbry hatte nach Gesprächen mit der Polizei erklärt: „Wir haben durch den Besuch der Polizei eine sehr klare Indizienlage präsentiert bekommen.“ Deswegen habe sich der Klub auch mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen auseinandergesetzt, bevor Anfang ihm mit seinem Rücktritt zuvorkam. Dazu habe er sich „aufgrund der inzwischen extrem belastenden Lage für den Verein, die Mannschaft, meine Familie und auch mich selbst entschieden“, erklärte der Trainer.

Ex-Trainer Anfang schweigt zu den Vorwürfen

Kein Wort zu den Vorwürfen, kein Wort der Verteidigung. Wie es überhaupt zur Anzeige durch das Gesundheitsamt und zu den Ermittlungen gekommen war, blieb in den offiziellen Verlautbarungen ungeklärt. Das in Bremen sehr gut informierte Portal Deichstube berichtet, dass die Sache im August ihren Anfang nahm: Damals sei ein Werder-Spieler positiv getestet worden und alle Ungeimpften, die zuvor mit ihm im Flugzeug zu einer Auswärtsreise gesessen hatten, hätten in Quarantäne gemusst – auch Anfang. Bis sich der Test als falschpositiv herausstellt habe.

Als nun das Bremer Gesundheitsamt im November nach der Corona-Infektion von Abwehrspieler Marco Friedl routinemäßig die Kontakte überprüfte, wurde ein Mitarbeiter laut Deichstube stutzig: Denn in Anfangs Impfpass seien zwei Covid19-Impfungen eingetragen gewesen, eine für April, eine für Juli. Warum aber war er dann im August in Quarantäne gegangen, obwohl er das gar nicht mehr gemusst hätte?

Anfang war Hunderte Kilometer vom Impfort entfernt

Eine weitere Unstimmigkeit: Beim Amtsantritt im Juli hatte der 47-Jährige noch erklärt, ungeimpft zu sein. Der Termin der Zweitimpfung soll außerdem in die Zeit des Werder-Trainingslagers gefallen sein – da wäre Anfang Hunderte Kilometer vom Ort der Impfung entfernt gewesen.

Die Behörde habe nun genauer nachgeforscht – und dabei festgestellt, dass eine der Chargennummern, mit denen sich jede Impfung nachverfolgen lässt, gar nicht existiere. Das Gesundheitsamt stellte am Donnerstagabend Strafanzeige, seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Fotos zeigen Anfang bei 2G-Veranstaltung im Kölner Karneval

Anfang schien sich bis dahin seiner Sache ziemlich sicher zu sein: Am Montag tauchten auch Fotos auf, die ihn im Kölner Karneval zeigten – bei einer Veranstaltung, zu der nur Geimpfte und Genesene Zutritt gehabt haben sollen.

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