Hamburg scheitert an sich selbst

Die Tragödie des Hamburger SV lässt sich auf eine Feststellung zuspitzen. Die beiden größten Fußballer der Stadt in den vergangenen 30 Jahren haben niemals für den HSV gespielt, obwohl ihr Können erstens offensichtlich und ihr Talent zweitens bundesweit bekannt war.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Tragödie des Hamburger SV lässt sich auf eine Feststellung zuspitzen. Die beiden größten Fußballer der Stadt in den vergangenen 30 Jahren haben niemals für den HSV gespielt, obwohl ihr Können erstens offensichtlich und ihr Talent zweitens bundesweit bekannt war.

Andreas Brehme zog es damals von Barmbek nach Saarbrücken, Kaiserlautern, Bayern München und Inter Mailand, Stefan Effenberg vom SC Victoria nach Mönchengladbach, Bayern München und AC Florenz.

Lieber ließ sich Hamburg von den zwischenzeitlichen Erfolgen blenden, die ihnen Söldner für ein Millionengehalt brachten. Ja, der Hamburger SV stand mal im oberen Tabellendrittel der Bundesliga, zog in die Champions League ein und durfte, als das neue Stadion stand, vom großen Fußball träumen. Was alle aber in Hamburg übersahen: Kein Titel kam seit 1987 dazu, und für dieselben Geldsummen kamen später nicht mal Söldner, die zumindest professionell ihren Job taten und Luft nach unten verschafften.

Stattdessen kamen diejenigen, die anderswo keinen Platz fanden. Andre Hahn. Aaron Hunt. Mergim Mavraj. Und viele mehr. Die Jungs der eigenen Ausbildung haben da rechtzeitig das Weite gesucht. Heung-Min Son. Jonathan Tah. Hakan Calhanoglu. Kerem Demirbay. Auch Fiete Arp wird wohl wechseln.

So verlor der HSV über die falsche Einkaufs- und Spielerpolitik, was man im Fußball Identität nennt, und setzte lieber Trainerfragen auf die Agenda statt Strategiethemen. Der Schalker Sportvorstand Christian Heidel erzählte mal, wie der HSV von ihm eine Vereinsphilosophie erwartet habe. Er war darüber amüsiert. Normalerweise ist es umgekehrt – der Klub nennt eine Leitlinie und schaut, ob der Kandidat passt.

Aber dem HSV fehlte jede Philosophie. Darum ist es egal, dass jetzt der Vorstandsvorsitzende und sein Sportchef gehen müssen. Es ändert sich nichts. Es ist ja nichts da, was beim HSV noch kaputtgehen kann.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik