Handball-WM

Nach der Offensive glänzt jetzt auch die deutsche Abwehr

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Die deutschen Abwehrspieler Julian Köster (vorn) und Christoph Steiner stemmen sich energisch dem Niederländer Kay Smits (M) entgegen.

Die deutschen Abwehrspieler Julian Köster (vorn) und Christoph Steiner stemmen sich energisch dem Niederländer Kay Smits (M) entgegen.

Foto: dpa

Kattowitz.  Beim 33:26-Sieg der Nationalmannschaft gegen die Niederlande bei der Handball-WM ist vor allem der Mittelblock spielentscheidend.

In Polen ist der Winter zurück, zwei Tage lang fiel reichlich Schnee. Besonders idyllisch ist die Szenerie in Kattowitz dennoch nicht, denn die Temperaturen sind wenig später wieder über den Nullpunkt gestiegen. Weiß sind lediglich noch die Bäume, auf den Straßen liegt nur noch Matsch. Die ostschlesische Industriestadt präsentiert sich grau in grau.

Immerhin: Weiß ist noch immer die Weste der deutschen Handballer, die derzeit in Kattowitz ihre Hauptrundenspiele der WM bestreiten. Mit dem 33:26 (15:12) gegen die Niederlande holte das Team von Bundestrainer Alfred Gislason am Samstag den fünften Sieg im fünften Spiel und feierte so vorzeitig den Einzug ins Viertelfinale.

Sonderlob des Handball-Bundestrainers für den Mittelblock

Er sei „extrem zufrieden, vor allem mit unserer Abwehr”, gab Bundestrainer Alfred Gislason zu Protokoll. Ein Sonderlob zollte der 63-jährige Isländer dem Mittelblock: „Johannes Golla, Julian Köster und Christoph Steinert haben eine phänomenale Leistung gezeigt.”

Viel war vor Beginn der Nachbarschaftsbegegnung über die Rivalität zwischen beiden Nationen gesprochen worden, die im Fußball seit Generationen elektrisiert, im Handball jedoch lediglich für ein Achselzucken sorgt. Wie signifikant das Interesse für diesen Sport im klassischen Handballland Deutschland und der langsam aufkommenden Nation in oranje ist, war am Tag vor dem Aufeinandertreffen bei der Pressekonferenz festzumachen: Gerade Mal ein holländischer Medienvertreter verirrte sich in die Runde, der verunsichert feststellte: „40 gegen einen, da habe ich doch keine Chance.”

„Wir waren eine Nummer zu klein”

Als der Ball dann flog und die Spieler das Kommando übernommen hatten, waren die Kräfteverhältnisse nicht ganz so deutlich verteilt. Dennoch wurde bereits früh klar, dass sich die deutsche Auswahl an diesem Abend von seinem Herausforderer nicht düpieren lassen würde. „Wir waren eine Nummer zu klein”, konstatierte Hollands schwedischer Trainer Staffan Olsson, der als Spieler für den THW Kiel jahrelang Weltklasse verkörpert hatte: „Deutschland hat für uns einfach zu schnell gespielt.”

Das war fein beobachtet, wobei einschränkend zu konstatieren galt, dass die Offensivkraft, die das deutsche Team in den Spielen zuvor ausgestrahlt hatte, nicht wie gewohnt griff. Das lag vor allem daran, dass Spielmacher Juri Knorr die Kreisläufer Johannes Golla und Jannik Kohlbacher nicht so wie bislang ins Spiel zu bringen zu vermochte.

Torhüter Andreas Wolff einmal mehr starker Rückhalt

Das Duo, bis dato bei den Titelkämpfen mit 35 Treffern das torgefährlichste Gespann auf dieser Position überhaupt, kam nicht wie zuvor ins Spiel und tat sich schwer, weil die Holländer das deutsche Angriffsspiel gut analysiert hatten und die Bodenpässe von Spielmacher Juri Knorr verhinderten. Die deutsche Offensive fand andere Lösungen und konnte zudem auf ihre Abwehr, allen voran Torhüter Andreas Wolff, bauen. Der Keeper vom polnischen Spitzenklub Kielce erwischte einmal mehr einen Sahnetag und erleichterte seinem Team mit insgesamt 20 Paraden – darunter drei parierten Siebenmetern – den Job erheblich.

Im Viertelfinale gegen Frankreich oder Spanien

Nun kommt es an diesem Montag (20.30 Uhr/ARD) zum Hauptrunden-Showdown zwischen Norwegen und Deutschland. Beide Nationen sind bislang ungeschlagen und damit vorzeitig für das Viertelfinale in Danzig qualifiziert. Fraglich ist lediglich, ob dort am Mittwoch Frankreich oder Spanien der Gegner sein wird. Dass es heute gegen die starken Norweger eine Begegnung geben wird, in der es kein Ausscheiden geben kann, macht das Leben für den rechten Rückraumspieler Christoph Steinert nicht signifikant leichter: „Spiel ohne Druck? Das gibt es für uns nicht. Wir gehen es wie immer so an, dass wir gewinnen wollen.”

Wie auch immer das letzte Spiel der Hauptrunde ausgehen und wer auch immer der Gegner im Viertelfinale sein mag, die Konkurrenz hat Deutschlands Handballer mit seinen bisherigen WM-Auftritten auf jeden Fall nachhaltig beeindruckt. Hollands Trainer Staffan Olsson antwortete nach der Partie auf die Frage, ob er vom deutschen Team nun eine Medaille erwarte, kurz und prägnant mit einem Wort: „Selbstverständlich.”

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