Handball

Handball-Spieler mit Masken: „Dümmer geht es einfach nicht“

Masken-Ball in Spanien: Spieler tragen einen Mundschutz.

Masken-Ball in Spanien: Spieler tragen einen Mundschutz.

Foto: J.Casares via www.imago-images.de / imago images/Agencia EFE

Essen.  In Spanien spielen Handball-Profis mit Mundschutz – ein Novum. Die Maßnahme wird für nötig gehalten in einem System, das den Kollaps fürchtet.

Die Sportwelt ist mittlerweile reich an Corona-Erlebnissen, die nachfolgenden Generationen ungläubiges Staunen entlocken dürften. Warum Olympische Spiele verschoben, Meisterschaften abgebrochen und Turniere abgesagt wurden, ist in der Historie außergewöhnlich, erscheint angesichts der Bedrohlichkeit des Virus jedoch logisch. Die Bilder aus der ersten spanischen Handball-Liga aber sind schwierig zu erklären, für Beobachter und für Beteiligte. „Es war unglaublich, einfach nur wie bei Idioten. Dümmer geht es einfach nicht“, wütete der frühere Bundesligaprofi Erwin Feuchtmann bei Sport1.

Was lässt den erfahrenen Rückraumspieler so fassungslos werden? Der 30 Jahre alte Chilene mit deutschen Wurzeln musste am Wochenende mit seinem Team Ademar León im Spiel einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Maßnahme war die Folge eines Beschlusses in der Region Kastilien und León, die mehr als 3200 Covid-19-Tote zu beklagen hat. Eine Maßnahme, die international Schlagzeilen machte – und deren Nachahmung in anderen Ländern gleich ein Riegel vorgeschoben wurde.

HBL-Chef Bohmann kann allenfalls darüber lachen

Frank Bohmann, Chef der Handball-Bundesliga, konnte den Bildern allenfalls ein düsteres Lachen abgewinnen. „Ein schlechter Witz“ und „völlig absurd“ sei das Ganze gewesen. „Für uns ist diese Art des Handballspielens natürlich keine Option.“ Der frühere Nationalspieler Holger Glandorf, zu aktiven Zeiten selbst äußerst widerstandsfähig auf dem Feld, pflichtete Bohmann bei. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, darunter Luft zu bekommen. Und man muss auch sehen, wie schnell die Masken feucht werden“, sagte der Weltmeister von 2007 und derzeitige Hygienebeauftragte des Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt.

Glandorf kann bei Interesse den Ex-Gummersbacher Feuchtmann fragen, wie es sich anfühlt, mit Spielern, Ball und Maske zu kämpfen. Die verharzten Hände, die das leichte Stück Stoff richten müssen, waren das geringere Problem. Den Handballern von León und BM Sinfin – das Spiel endete 31:23 für Léon – sei irgendwann die Luft weggeblieben, berichtete Feuchtmann, „denen wurde schlecht, die waren kurz vorm Kollabieren“. Die meisten hätten die Masken im Lauf des Spiels runtergezogen. „Scheißegal – sollen wir ersticken?“

Hallensportarten drängen auf höhere Auslastung

Ersticken, Kollaps – das sind Wörter, die die Lage im Handball und anderen weniger verwöhnten Ballsportarten beschreiben könnten. Handball, Eishockey und Basketball drängen auf eine höhere Auslastung der Sporthallen, weil es ums Überleben geht. Sie sind angewiesen auf Zuschauer, die das Geld bringen. Doch mit ihnen kann auch das Virus zurückkommen. Die Handball-Bundesliga testet derzeit ein Hygienekonzept. Der Deutschen Eishockey-Liga reicht eine niedrige Teilauslastung der Hallen nicht aus, der Saisonstart wurde abermals verschoben. Im Basketball soll die Liga am 6. November starten, natürlich mit Zuschauern. Doch nichts deutet derzeit auf eine Entspannung der Lage hin. Was ist also der Preis, den der Sport für die Fortsetzung bezahlen muss?

Handball ohne Maske oder eben kein Handball

In Spanien war er zu hoch. Die Mannschaft von Feuchtmann ist sich einig: Handball ohne Maske oder eben kein Handball. „Leute, die so etwas entscheiden, das derart an der Realität vorbeigeht, sind einfach nur Idioten“, sagt Feuchtmann. Notfalls werde seine Mannschaft die Spiele boykottieren. Nachfolgenden Generationen lässt sich jedenfalls schon jetzt erzählen, dass Handballer einmal mit Mundschutz gespielt haben. Das hätte auch niemand für möglich gehalten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben