Nachruf

Tusem-Ikone Stefan Hecker: Er war ein Handball-Poet im Tor

Stefan Hecker

Stefan Hecker

Foto: Matthias Graben

Einer der besten deutschen Handball-Torhüter und eine Ikone des Tusem Essen, ist mit 60 Jahren gestorben. Zum Tode von Stefan Hecker.

Stefan Hecker, einer der besten Torhüter der deutschen Handball-Geschichte, ist tot. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der 159-malige Nationalspieler bereits am 19. August im Alter von 60 Jahren gestorben. „Stefan hat sich seiner Krebserkrankung in den letzten Jahren gestellt und gekämpft. Bis vor wenigen Wochen ging es ihm damit auch ziemlich gut, doch letztendlich hatte er keine Chance“, teilte seine Ehefrau Claudia am Freitag unserer Redaktion mit. Auf Stefan Heckers eigenen Wunsch hin wurde er bereits am Freitag in Essen im engsten Familien- und Freundeskreis beigesetzt. Stefan Hecker hinterlässt auch einen 29-jährigen und einen siebenjährigen Sohn.

Kein Mann für die große Show

Der letzte Wille ist typisch für ihn. Hecker wollte immer mit seiner Leistung im Tor glänzen. Die große Show abseits des Parketts war nicht sein Ding. Deutschlands Handballer des Jahres 1990 ist immer ein Individualist gewesen. „Ich stehe noch neben mir, weil ich erst von euch die traurige Nachricht erfahren habe“, sagte Bob Hanning, der Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes, der mit Stefan Hecker bei Tusem Essen in den 90er-Jahren als Torwarttrainer arbeitete. „Stefan war ein so unfassbar lebensbejahender Mensch und war im positiven Sinn mit allen Wassern gewaschen. Er ist immer ein Vorbild gewesen. Ich erzähle noch heute unseren Torhütern Geschichten von ihm.“

Stefan Heckers früherer Trainer sowohl in der deutschen Nationalmannschaft als auch bei Tusem Essen, Petre Ivanescu, hat ihn einen Poeten im Tor genannt. Stefan Hecker las die Aktionen der gegnerischen Angreifer, er erahnte den Weg des Balles und brachte dadurch auch noch so gefürchtete Rückraumschützen zur Verzweiflung. Experten waren sich sicher, dass er mit seinen ungewöhnlichen Paraden auch im Fußball einer der ganz Großen geworden wäre. „Stefan ist so oft unsere halbe Miete gewesen“, lobte ihn Petre Ivanescu. „Weiß der Kuckuck, wie er das macht.“

21 Jahre lang spielte Stefan Hecker für Tusem Essen. Auch durch seine unglaublichen Reflexe hat sich der Verein in Deutschland und Europa in die Spitze gespielt. Dreimal (1986, 1987 und 1989) ist der Torwart mit dem Klub von der Essener Margarethenhöhe Deutscher Meister und dreimal (1988, 1991 und 1992) DHB-Pokalsieger geworden. 1989 gewann er den Europapokal der Pokalsieger und 1994 den Euro-City-Cup.

Er brachte die Halle zum Kochen

Mit Spielern wie Thomas Happe, Jochen Fraatz, Piet Krebs und Peter Quarti hat er Tusem Essen groß gemacht, er hat die Grugahalle zum Kochen gebracht. Das Publikums-Interesse war so groß, dass das normale Fassungsvermögen von 6000 Zuschauern mit zusätzlichen Tribünen erweitert wurde.

Nach einem Streit verließ Stefan Hecker Essen im Jahr 2000. Aber er ging mit 41 Jahren immer noch nicht in den Ruhestand. Bis 2004 stand er noch für den VfL Gummersbach zwischen den Pfosten, nach 561 Bundesligaspielen hörte er auf.

„Ein Jahr hänge ich noch dran“, sagte er dieser Zeitung so manches Mal. Auch wenn ihn viele Methusalem oder Denkmal des Handballs nannten, „Heckel“ brachte immer seine Leistung. Aus Gnade stand er nicht im Kasten. Motivationsprobleme habe er nie verspürt, sagte er. Er sei vor jedem Spiel so aufgeregt, als wenn es sein erster Einsatz sei. Entweder mache er etwas richtig oder gar nicht, lautete sein Motto. Als er 40 wurde, sagte er, der Handball habe ihn jung gehalten, weil er fast nur mit jungen Leuten zusammen sei.

Ein tolles Duo mit Hexer Thiel

In der Nationalmannschaft konnte er trotz 159 Länderspielen nicht die ganz großen Erfolge feiern. Es wurmte ihn mächtig, dass er nie für Olympische Spiele nominiert wurde. Mit Andreas Thiel, dem „Hexer“, bildete er aber über ein Jahrzehnt lang das deutsche Torhüter-Duo. „Wir waren nicht so wie Oliver Kahn und Jens Lehmann im Fußball verfeindet“, sagte Hecker bei einem seiner letzten Interviews mit uns. „Wir waren erbitterte Rivalen und trotzdem sehr gut befreundet.“

Am Freitagabend legte Tusem Essen in seinem Zweitligaspiel gegen den TuS Ferndorf eine Schweigeminute zu Ehren der Torhüter-Legende ein. Nicht nur in Essen ist die Trauer um einen der bedeutendsten deutschen Handball-Torhüter groß.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben