Medizin

Lars Burgsmüller: Vom Tennisprofi zum Lebensretter

Radiologie statt Tennisplatz: Lars Burgsmüller schlägt nun regelmäßig in der Klinik Essen-Mitte zur Arbeit auf.

Radiologie statt Tennisplatz: Lars Burgsmüller schlägt nun regelmäßig in der Klinik Essen-Mitte zur Arbeit auf.

Foto: Lars Heidrich

Duisburg/Essen.  Lars Burgsmüller zählte zu den besten Tennisspielern Deutschlands. Heute arbeitet der Duisburger als Arzt in einem Essener Krankenhaus.

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Natürlich hat Lars Burgsmüller die Tennis-Show zwischen Raffael Nadal und Roger Federer Anfang des Jahres bei den Australian Open verfolgt. Zu Hause in Duisburg vor dem Fernseher. Er hatte Glück, denn er hatte keinen Dienst. Es ist nicht lange her, da hat Burgsmüller selbst noch gegen die großen Namen gespielt. Gegen Andre Agassi in Wimbledon, gegen Rafael Nadal bei den French Open und gegen Roger Federer in Australien. Lars Burgsmüller gilt neben Karsten Braasch als erfolgreichster Tennisspieler des Ruhrgebiets. Er zählte in der ausklingenden Ära Becker/Graf zu den besten Spielern Deutschlands. Jahrelang reiste er als Profi um die Welt, ein Alltag aus dem Koffer und im Rampenlicht. Und heute, 15 Jahre nach seinen größten Erfolgen? Rettet er Leben – als Arzt in einem Essener Krankenhaus.

Zwölfmal Australian Open

Dr. med. Boris Becker? Schwer vorstellbar. Während sich die meisten seiner früheren Wegbegleiter für eine Karriere als Trainer entschieden haben oder in anderer Funktion nicht von ihrem Sport lassen konnten, hat sich Lars Burgsmüller von der großen Bühne verabschiedet und in aller Stille ein Medizinstudium durchgezogen. „Lars war schon immer ein kluger Kerl“, lobt der ehemalige Wimbledon-Sieger Michael Stich.

Kopfarbeit statt Vorhand cross, Lernen statt Laufen, Seminare statt Semifinals. Eines ist gleich geblieben: seine Disziplin. „Ich wollte keine Extrarunden an der Uni drehen. Weil ich erst mit 32 Jahren anfangen konnte, gehörte ich ohnehin zu den ältesten Studenten“, sagt Burgsmüller. Heute ist er 41, im vergangenen Jahr hat er seine Promotion über ein unfallchirurgisches Thema aus dem Roll- und Skaterhockey abgeschlossen.

Über 50 Länder hat er als Profi mit seinem Sportgepäck bereist, ist allein zwölfmal im Januar bei den Australian Open gestartet („Mein Lieblingsturnier“) und hat sich von dort vom Turnierkalender der ATP um die Welt lotsen lassen. Und plötzlich Tag für Tag der gleiche Schauplatz: die Hörsäle der Universität Duisburg/Essen. Ohne Applaus und Autogramme, ohne Preisgeld, ohne Interviews. „Das war eine große Umstellung. Auf der einen Seite war ich froh, zur Ruhe zu kommen. Auf der anderen Seite war es merkwürdig, am Schreibtisch Bücher zu wälzen.“

Aber nicht nur er selbst musste sich in der für ihn neuen Welt erst zurechtfinden, auch seine Frau Katja (41) musste sich umstellen: „Es war etwas anderes, keinen Tennisprofi mehr zu Hause zu haben, sondern einen Studenten. Ich habe die Reisen vermisst.“ Miami, Madrid, New York oder London – sobald Lars in einer attraktiven Stadt aufschlug, schaute Katja auf der Tribüne zu.

In diesen Tagen ist es genau 15 Jahre her, dass der Tennisspieler Lars Burgsmüller seine größten Erfolge gefeiert hat. Den Turniersieg beim ATP-Turnier in Kopenhagen gegen den Belgier Olivier Rochus und Platz 65 in der Weltrangliste, seine beste Einzel-Platzierung. Die großen Erfolge des Arztes Lars Burgsmüller lassen sich dagegen weder an Zahlen festmachen, noch werden sie mit Pokalen belohnt. Dafür mit Dankbarkeit. Wenn er einem Patienten helfen konnte. Beifall aber bekommt er heute allenfalls noch von seinen Söhnen Mika (7), Jonas (5) und Nicolas (1), wenn Papa ausnahmsweise mal pünktlich Feierabend macht.

„Das sind besondere Momente. Anders als auf dem Tennisplatz, aber auch schön.“ Der ehemalige Davis-Cup-Spieler bereut es nicht, sich zuerst auf den Center Courts und danach an der Uni von Erfolg zu Erfolg gekämpft zu haben. „Während meiner Tenniskarriere habe ich gelernt, mich durchzubeißen. Das war im Medizinstudium sicher von Vorteil.“

Gegner schütteln den Kopf

Wenn er heute in der Radiologie der Kliniken Essen-Mitte im Einsatz ist, dann ahnen die meisten Patienten nicht, mit wem sie es zu tun haben. Und was sagen die Gegner von früher? „Die meisten schütteln zuerst ungläubig den Kopf“, erzählt Burgsmüller. Tennis spielt er heute so gut wie gar nicht mehr. Alles zu seiner Zeit.

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