Bobsport

Sie lassen ihre Winterberger Pilotin nicht fallen

Vor der Selektion ist ihre Bobwelt noch in Ordnung: Anna Köhler, Bobpilotin des BSC Winterberg, wird von ihren Anschieberinnen (von links) Lena Zelichowski, Leonie Fiebig und Erline Nolte aus Spaß getragen.

Vor der Selektion ist ihre Bobwelt noch in Ordnung: Anna Köhler, Bobpilotin des BSC Winterberg, wird von ihren Anschieberinnen (von links) Lena Zelichowski, Leonie Fiebig und Erline Nolte aus Spaß getragen.

Foto: Marcel Tully

Altenberg.  Die Winterberger Bobpilotin Anna Köhler durchlebt derzeit eine schwere Phase. Wer ihr Mut zuspricht und wie sie sich selbst neu aufstellen will.

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Es sind Bilder, die Anna Köhler das Herz zerreißen müssen. In Lake Placid bereiten sich die deutschen Bobfahrerinnen auf den ersten Weltcup vor und posten via Social Media lustige Fotos oder Trainingsvideos. Zur Reisegruppe in den USA gehören Leonie Fiebig, Erline Nolte und Lena Zelichowski – die eigentlich Köhlers Anschieberinnen sind, oder: gewesen sind.

„Für sie tut es mir unglaublich leid“, erzählt Erline Nolte, die mit Köhler 2018 sogar bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang startete, „das mit Anna war schon ziemlich hart.“ Die Pilotin des BSC Winterberg verpasste auf Grund eines grippalen Infekts zu einem ungünstigen Zeitpunkt den Sprung ins Weltcupteam und musste anschließend nicht nur ihre Anschieberinnen, die zu den besten Deutschlands gehören, abgeben, sondern auch ihren Bob. „Das waren sportliche Entscheidungen, die emotional nicht einfach waren“, sagt sogar Chef-Bundestrainer René Spies.

Glorreiche Vergangenheit

„Spies brachte die 26-Jährige als Trainer in die Weltspitze, jubelte mit ihr über Rang sieben bei der WM in Whistler in der vergangenen Saison und über die Teilnahme an den Olympischen Spielen. „Aber in dieser Saison können wir ihr irgendwie nichts anbieten“, sagt er.

Zwar absolviert die zuletzt angeschlagene Köhler heute von 9 Uhr an beim zweitklassigen Europacup in Altenberg wohl ihr erstes internationales Rennen dieses Winters, aber sie selbst sagt vorab: „Es läuft etwas holprig.“ Die BSC-Pilotin muss sich an einen neuen Bob, ein älteres Modell als ihr bisheriger, gewöhnen, mit Tamara Seer an eine neue Anschieberin – und wie ihr Rennkalender im neuen Jahr aussieht, ist ungewiss.

Sie fährt in Altenberg, in Winterberg (13. bis 15. Dezember), vor Weihnachten am Königssee und wahrscheinlich Mitte Januar im lettischen Sigulda. „In der zweiten Saisonhälfte dürfen Senioren nur fahren, wenn noch Plätze frei sind“, erklärt Köhler, „und das hängt davon ab, welche Schlitten sich zwischen Weihnachten und Silvester für den Weltcup qualifizieren“.

Wer Anna Köhler Mut macht

Erstmals bittet Spies zu dieser Extra-Fahrt, „weil die Ergebnisse der Selektion vor der Saison so überraschend waren und es unfair gewesen wäre, dort eine endgültige Entscheidung zu treffen“. Neben Olympiasiegerin Mariama Jamanka startet Köhlers Vereinskollegin Laura Nolte sicher in der zweiten Weltcuphälfte, da sie trotz einer klasse Selektion auf Lake Placid verzichten musste. Stephanie Schneider und Kim Kalicki dürfen bei der Selektion in Altenberg um den dritten freien Platz fahren – Anna Köhler nicht.

„Wir lassen Anna nicht fallen“, sagt Spies über die Pilotin aus dem Sauerland, „sie bekommt nächstes Jahr eine neue Chance.“ In dieser Saison allerdings kann Köhler nicht mal um den Gesamtsieg im Europacup kämpfen, weil sie bereits die erste Station in Lillehammer/Norwegen verpasste.

„Ich bringe dafür mein Studium an der Fachhochschule in Dortmund voran“, sagt Maschinenbauerin Köhler. Und sie wird sich mit ihren Anschieberinnen Fiebig, Nolte und Zelichowski freuen, wenn diese Weltcupeinsätze in Übersee erhalten. „Ihr werdet es rocken“, gab Köhler ihnen mit auf den Weg – sowie den einen oder anderen Like zu den herzzerreißenden Fotos.

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