Wintersport

Karriereende: Warum diese Winterberger Biathletin aufhört

Wintersportlerin Johanna Hartmann strebt nun den Beruf als Lehrerin an und wird keine Profisportlerin im Biathlonsport.

Wintersportlerin Johanna Hartmann strebt nun den Beruf als Lehrerin an und wird keine Profisportlerin im Biathlonsport.

Foto: Archiv

Winterberg.  Um Profi-Biathletin zu werden, ist viel nötig: Fleiß, großes Talent, Willen, Glück. Die Winterbergerin Johanna Hartmann (19) hat nun umgesattelt.

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Der Traum vom Profidasein ist geplatzt: Johanna Hartmann (19), Biathletin des Skiklubs Winterberg, hat ihre Laufbahn beendet. Das Wintersport-Talent studiert mittlerweile im hessischen Marburg auf Lehramt – und kann daher den großen Aufwand, den ihr Lieblingssport mit sich bringt, nicht weiter stemmen. Hartmanns Entschluss, das Studium ihrem Sport vorzuziehen, beeinflusste sowohl die Wintersportlerin als auch ihren Trainer.

Günther Lehmann, Landestrainer Biathlon beim Westdeutschen Skiverband (WSV) und bislang Coach von Johanna Hartmann, muss erstmal durchschnaufen. „Als Johanna mir gesagt hat, dass sie sich für ein Studium in Marburg eingeschrieben hat, war ich erschrocken. Sie wollte zunächst nach Winterberg pendeln und das Ganze so hinbekommen, aber ich habe versucht, sie davon zu überzeugen, das nicht zu machen. Ich wollte ihr vom Studium abraten und hätte ihr zum Beispiel zu einem Fernstudium geraten, das ja viele Sportler angehen“, sagt Lehmann im Gespräch mit dieser Zeitung.

Die Ursachen der Entscheidung

Johanna Hartmann erlebte 2017/2018 ihre erfolgreichste Saison als Biathletin. „Sie hat 4800 Kilometer im Training abgespult – das ist das Pensum eines Vollprofis“, erklärt Günther Lehmann. Hartmann wurde bei der Deutschen Jugendmeisterschaft im Sprint Zweite und erreichte im Einzel den vierten Platz. Der damaligen Abiturientin wurde im Frühjahr 2019 dann auch die entsprechende Würdigung zuteil: Hartmann landete bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres 2018 auf Platz drei und wurde bei der 22. HSK-Sportgala ausgezeichnet. In der Konzerthalle in Olsberg verriet sie, dass sie „eine echte Frostbeule“ sei, ihr aber „während eines Wettbewerbes warm wird“.

Freilich war dies für Johanna Hartmann nicht der Grund, um den in ihrem Sport ganz besonders harten Weg in Richtung Profidasein einzuschlagen. „Im Biathlon ist es sehr schwierig, in die nationale Spitze zu kommen. Die jungen Nachwuchsleute drücken stark nach oben und die Trainingsumfänge sind sehr hoch“, bekräftigt Timo Drebs, Sportwart des SK Winterberg.

Studium und Profisport

Laut Hartmanns Trainer Günther Lehmann habe das Biathlon-Talent den großen Wunsch verspürt, „dass sie nicht nur den rein körperlichen Profisport betreibt, sondern sich eben auch für den Kopf weiterbildet und eine Ausbildung macht“. In Marburg – dort sind kaum Trainingsmöglichkeiten für Wintersportler geboten – versickerte die früher angestrebte Profi-Laufbahn Hartmanns dann jedoch. Günther Lehmann: „Johanna hat für den Biathlon gelebt, war sehr diszipliniert und hat fleißig trainiert. Ein Vollzeit-Studium neben oft zwei Mal täglich Biathlonsport – das funktioniert aber leider einfach nicht.“

Er habe mit seiner Athletin „viele Diskussionen geführt“, doch den grundsätzlichen Gedanken, dass der Weg schon in die nationale Biathlon-Spitze ein steiniger und deshalb bedenkenswert ist, könne er nachvollziehen, so Lehmann: „Es ist schwieriger als früher, Mitglied des C-Kaders zu werden. Und auch, ob man zum Beispiel in der Landespolizei oder beim Zoll arbeitet und verbeamtet wird.“ Für den WSV-Trainer war der Abgang Hartmanns „menschlich und sportlich ein großer Verlust. Sie hat hier super hineingepasst“. Wenn Johanna Hartmann in der Heimat zu Besuch sei, trainiere sie noch beim SK Winterberg mit.

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