Serie Laufen

Laufen reinigt den Kopf und die Gedanken von Bochumer

Dirk Schemberg aus Bochum läuft jede Woche bis zu 50 Kilometer. Hier dehnt er sich nach seiner Einheit im Weitmarer Holz.

Dirk Schemberg aus Bochum läuft jede Woche bis zu 50 Kilometer. Hier dehnt er sich nach seiner Einheit im Weitmarer Holz.

Foto: Hendrik Steimann

Bochum-Weitmar.   Dirk Schemberg ist einer von vielen Hobbyläufern aus Bochum. Er erzählt über seine Leidenschaft und die Gefühle auf der Joggingstrecke.

Gleichmäßig läuft Dirk Schemberg die letzten Meter durch das Weitmarer Holz. Nach seiner Einheit dehnt er seine Beine und joggt nach Hause. Er ist Hobbyläufer, wie so viele in Bochum. Denn das Laufen ist zu einem Trend geworden – nicht nur im Sommer.

Eine genaue Zahl, wie viele Bochumer regelmäßig laufen, gibt es nicht. Laut Experten läuft jeder Vierte, wobei viele Hobbyläufer nicht erfasst sind, weil sie keinem Verein angehören. Dirk Schemberg von der BSG Springorum ist einer der Fleißigen. Viermal pro Woche läuft er. Am Wochenende legt er bis zu 30 Kilometer zurück, unter der Woche zehn bis zwanzig.

Vom Fußball zum Laufen

Der Lindener entdeckte das Laufen mit 26 Jahren für sich, nachdem ihn beim Fußball dauernd Verletzungen zurückwarfen. „Das nervte mich, also bin ich umgestiegen“, erzählt er. Zuvor kickte er 20 Jahre lang, bei Blau-Weiß Weitmar, Post Altenbochum und TuS Wiemelhausen (heute: Concordia Wiemelhausen).

Durch den Fußball verfügte der Bochumer über eine gute Grundlagenausdauer und hat seit dem Einstieg als Läufer alle Distanzen bis zum Marathon ausprobiert.

Bei jedem Wetter auf den Beinen

Die ganz langen Strecken läuft der 53-Jährige heute aber selten, am liebsten ist er auf zehn Kilometern unterwegs. „Je kürzer die Strecke ist, desto besser bin ich im Verhältnis zu den Zeiten. Es kann passieren, dass jemand schneller einen Halbmarathon läuft, ich aber auf fünf Kilometern gewinnen würde“, sagt der Läufer.

Auf seinen längeren Strecken lässt der Läufer seinen Gedanken freien Lauf. „Der Kopf wird frei, die Gedanken gereinigt. Doch wenn man Probleme hat, löst das Laufen sie nicht. Ich spule beim Laufen oft den abgelaufenen Tag noch einmal ab. Manchmal mache ich mir auch Gedanken über Aufgaben, die mir bevorstehen“, verrät Schemberg, der übrigens bei jedem Wetter läuft. „Wenn es aus Kübeln gießt, geht das meiste daneben“, scherzt er.

Gerne in der Gruppe unterwegs

Gerne ist der Versicherungsmakler in Gesellschaft unterwegs – im Weitmarer Holz etwa mit den Kollegen der BSG Springorum. Mit einer kleinen Gruppe läuft er an den Wochenenden auch mal neue Strecken. „Man lernt die Stadt dabei aus neuen Perspektiven kennen“, sagt Schemberg. Dabei geht er auch mal nach dem „Brieftauben-Prinzip“ vor: „Wir lassen uns an einem Ort absetzen und laufen von dort wieder nach Hause.“

Laufen bedeutet für Schemberg mehr als nur Sport, er betrachtet es als eine Philosophie. „Man achtet auf sich selbst, den Körper, die Gesundheit“, beschreibt er sie. Er hat festgestellt, dass sich die Laufszene verändert hat und es viel mehr Läufer gibt als vor 30 Jahren. „Läufe sind für die breite Masse geöffnet worden. Bei meinem ersten Marathon 1988 lag der Zielschluss noch bei 4:30 Stunden. Heute kommen viele erst nach fünf Stunden ins Ziel“, weiß der Hobbyläufer.

Ihm fehle mittlerweile die Zeit, um für einen Marathon zu trainieren. Doch auf das Laufen möchte er nicht verzichten, auf die Runden durch das Weitmarer Holz.

>>> Marathon über die Chinesische Mauer

  • Die Bestzeit von Dirk Schemberg auf fünf Kilometern sind 18:30 Minuten, gelaufen im Dortmunder Stadion Rote Erde.

  • Einen Marathon über die chinesische Mauer legte der Bochumer 2004 zurück. Er überwand 20 000 Stufen und 2000 Höhenmeter in 4:26 Stunden.

  • 2006 nahm er beim Médoc-Marathon in Frankreich teil. Dabei können die Starter zwischendurch anhalten und an einer Weinprobe teilnehmen.

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