Fußball

Fortuna Düsseldorf trauert um Atli Edvaldsson

Box-Legende Muhammed Ali (Cassius Clay) im Sparring mit Atli Edvalsson im Rheinstadion am 15. September 1984.

Box-Legende Muhammed Ali (Cassius Clay) im Sparring mit Atli Edvalsson im Rheinstadion am 15. September 1984.

Foto: HORSTMüLLER

Düsseldorf.  Atli Edvaldsson ist im Alter von 62 Jahren an einem Krebsleiden gestorben. Der isländische Nationalstürmer spielte von 1981 bis 1985 für Fortuna.

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Die Fußballwelt trauert um Atli Edvaldsson. Der langjährige isländische Fußball-Nationalspieler ist im Alter von 62 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Der 1,90 Meter große Stürmer und Mittelfeldakteur bestritt von 1980 bis 1988 insgesamt 224 Spiele in der Bundesliga und erzielte 59 Tore. Er trug die Trikots von Borussia Dortmund, von Fortuna Düsseldorf und von Bayer Uerdingen. Mit den Krefeldern (heute KFC Uerdingen) wurde er Bundesliga-Dritter und zog mit ihnen ins Halbfinale um den Europacup der Pokalsieger ein. Nach seiner Karriere als Profi wechselte er erneut zu einem Düsseldorfer Verein und schloss sich dem Amateurclub TuRU an.

Mit dem Namen Edvaldsson verknüpfen Fortuna und ihre Anhänger insbesondere ein herausragendes Ereignis: In der letzten Erstliga-Begegnung der Saison 1982/83 gegen Eintracht Frankfurt schoss der Torjäger alle Düsseldorfer Treffer zum 5:1-Sieg. Trainer der Mannschaft aus Flingern war Willibert Kremer. Damit war Edvaldsson der erste ausländische Akteur, dem in der höchsten deutschen Klasse ein Fünferpack glückte. Einen Tag später erzielte er im Nationalteam gegen Malta einen Treffer. Mit einem Privatjet war er damals zum Länderspiel geflogen.

1981 zu Fortuna Düsseldorf

Nach einem Jahr in Dortmund mit Trainer Udo Lattek wechselte er 1981 zur Fortuna, für die er in vier Spielzeiten 122 Mal in der Bundesliga zum Einsatz kam (38 Tore). In Düsseldorf habe er seine schönste Zeit als Profi erlebt, sagte er einmal. „Bei meiner Liebe Fortuna“, betonte er. „Die Stadt liegt mir am Herzen.“ In der Saison, die er im Rheinstadion mit seiner großartigen Torgala gegen Frankfurt abschloss, war lediglich der Bremer Rudi Völler, heute Sportchef von Bayer Leverkusen, mit 23 Treffern noch um zwei Tore besser als der Isländer. Mit Edvaldsson spielte zwei Jahre lang auch noch ein Landsmann von der Insel im Nordwesten Europas für Fortuna in der Bundesliga: Petur Ormslev. Beide waren später ebenfalls gemeinsam für ein Unternehmen der Versicherungsbranche tätig.

„Die Fortuna-Familie trauert um einen verdienstvollen, beliebten und liebenswerten Menschen, der die Fans bis zuletzt nicht nur auf dem Platz zu begeistern wusste“, sagte Fortunas Vorstandsvorsitzender Thomas Röttgermann. Reinhard Rauball, Präsident von Borussia Dortmund, wird in der Erinnerung an den verstorbenen Torjäger auf der Homepage seines Klubs mit den Worten zitiert: „Atli Edvaldsson war ein toller Fußballer und ein ganz feiner Kerl.“ Für den BVB ging Edvaldsson auf Torjagd an der Seite von Manfred Burgsmüller, der am 18. Mai dieses Jahres gestorben ist.

Isländischer Nationaltrainer

Bevor Atli Edvaldsson, in Islands Hauptstadt Reykjavik geboren, den Sprung in die deutsche Eliteklasse wagte, wollte er in der Heimat noch seine Ausbildung zum Diplom-Sportlehrer abschließen. Auch in seiner Düsseldorfer Zeit erlebte man Fortunas „Wikinger“, wie Edvaldsson gern genannt wurde, als einen Mann, dessen sympathisches Auftreten irgendwie typisch war für die Menschen von der Insel. Freundlich und bescheiden. Dank seiner Körpergröße war der athletische Offensivspieler auch ein überragender Kopfballspezialist. In seinem Land gewann er zweimal die Meisterschaft im Volleyball. Durch diesen Sport habe er „ein gutes Timing für den Kopfball bekommen“, sagte er. Zudem war er ein sehr fairer Fußballer, bekam nie einen Platzverweis oder vier Gelbe Karten in einer Saison und war daher niemals gesperrt.

Dank seiner langjährigen Zeit in der Bundesliga, aber auch durch seine Einsätze in der Nationalmannschaft sowie durch die Arbeit als Nationalcoach (von 1999 bis 2003) und als Klubtrainer wurde Atli Edvaldsson, dessen Mutter eine gute Handballerin und sein Vater ein Fußball-Nationalspieler Estlands waren, ein herausragender Vertreter des isländischen Fußballs. Er bestritt 70 Länderspiele (acht Tore) und war auch Kapitän der isländischen Auswahl. Zudem war er im heimatlichen Verband in der Trainerausbildung tätig. Die im Land südlich des Polarkreises weit verbreitete Begeisterung für den Sport vermittelte er auch seinen Kindern Egill, Sif, Sara und Emil. Sif Atladóttir wurde Nationalspielerin, Emil Atlason spielte kurze Zeit für Preußen Münster.

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