Fußball

Fortunas Okoye: „Ob Brasilien oder Wattenscheid, ist egal“

Maduka Okoye trifft mit Fortuna II auf Wattenscheid.

Maduka Okoye trifft mit Fortuna II auf Wattenscheid.

Foto: Thorsten Tillmann

Düsseldorf.  Maduka Okoye hat sein Debüt für die nigerianische Nationalmannschaft gefeiert. Nun steht mit Fortunas Regionalliga-Team wieder der Alltag an.

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Die Geschichte beginnt an einem kalten Tag im Winter. Vor etwa 15 Jahren, so genau weiß das Maduka Okoye selbst gar nicht mehr. „Ich war vier oder fünf Jahre alt“, sagt er. Beim inzwischen längst aufgelösten SC Flingern 08 jagt Okoye in seinen Anfängen als Stürmer dem Ball nach. Bis jener Tag kommt, der im Nachhinein zu einer wichtigen Marke auf seinem Lebensweg wird. „Unserem Torwart sind die Finger abgefroren. Da war ich der erste, der gesagt hat: ,Ich versuche es mal.‘ Und dann wollte ich da nicht mehr raus.“ Inzwischen ist Okoye kein Knirps mehr, spielt zwar noch in Flingern – nun aber als Keeper für Fortunas Regionalliga-Fußballer.

Am vergangenen Wochenende muss die „Zwote“ jedoch auf seine Dienste verzichten. Mit der nigerianischen Nationalmannschaft weilt er in Singapur. Für ihn persönlich wird es eine besondere Reise. Unverhofft. Der 20-Jährige erlebt den vorläufigen Höhepunkt seiner noch jungen Karriere. Im Test-Länderspiel gegen Brasilien (1:1) kommt Okoye am Sonntag nach etwas mehr als einer Stunde für den verletzten Stammkeeper Francis Uzoho auf das Feld und feiert sein Debüt.

Nach dem Spiel geweint

„Nach dem Spiel habe ich geweint“, berichtet er. „Ich habe zuerst mit meinem großen Bruder telefoniert. In mir ging so viel ab.“ Dass er unbedingt einmal das Trikot seines Vaterlandes – seine Mutter ist Deutsche, aufgewachsen ist Okoye in Oberbilk – tragen will, steht früh fest. „Natürlich bin ich ein Düsseldorfer Junge“, sagt er. „Aber ich fühle mich zu Nigeria hingezogen. Für das Vaterland zu spielen, war schon immer mein Traum.“ Nun ist er in Erfüllung gegangen, und dafür ist der 20-Jährige unendlich dankbar.

Okoye gilt als bodenständiger Mensch, getrieben von Fleiß und Ehrgeiz. Das beste Beispiel dafür liefert der Torwart selbst. „Ich bin am Dienstag wieder gelandet und erstmal ins Fitnessstudio gegangen“, erzählt er. „Ich will das Beste aus mir herausholen, mich weiterentwickeln, noch mehr arbeiten.“ Diese Eigenschaft schätzt auch Nico Michaty an ihm. Der Trainer der „Zwoten“ arbeitet nun schon seit knapp anderthalb Jahren mit Okoye zusammen und kennt ihn bestens. „Maduka hat sich bereits hervorragend entwickelt, auch wenn er sein ganzes Potenzial noch nicht ausgeschöpft hat. Leider hatte er immer wieder mit Verletzungen zu tun“, sagt Michaty.

Feste Größe in der Fortuna-Reserve

Im Regionalliga-Team ist der 20-Jährige längst eine feste Größe. Wenn er nicht gerade auf Länderspielreise oder angeschlagen ist, steht er zwischen den Pfosten. „Seine Ausstrahlung, seine Persönlichkeit, seine Konstitution und seine Körpergröße – Maduka bringt viel mit, um auch den Sprung in den Profifußball zu schaffen“, so Michaty.

Vorerst bewegt sich der Keeper jedoch weiter zwischen zwei Welten: der internationalen Bühne und der Regionalliga. Denn für Okoye und die „Zwote“ geht es am Samstag (14 Uhr, Lohrheidestadion) mit der Partie gegen die SG Wattenscheid weiter. Ihm macht das nichts aus. „Ich kann es kaum erwarten, mich weiter auszuzeichnen. Ob Brasilien oder Wattenscheid, ist egal“, sagt er.

Aus Singapur hat der Keeper übrigens ein Andenken mitgebracht: sein Trikot. „Das werde ich meinem Vater geben“, berichtet Okoye. „Er ist aber zurzeit in Nigeria.“ Mit ihm hat er am Sonntag nach der Partie ebenfalls telefoniert, seinen Emotionen noch einmal freien Lauf gelassen. „Erst habe ich ihn aber gar nicht erreicht. Ganz Nigeria hat versucht, ihn anzurufen.“ Dann schmunzelt Okoye. Über diese Anekdote. Doch er freut sich noch mehr über die vergangenen Tage und ist stolz. Zu Recht. (td/erer)

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