Fußball-Bundesliga

Mr. Bundesliga: Friedhelm Funkel und sein 500. Spiel

Friedhelm Funkel als Fortunas Aufstiegstrainer nach einer Bierdusche in Dresden.

Friedhelm Funkel als Fortunas Aufstiegstrainer nach einer Bierdusche in Dresden.

Foto: Lutz Hentschel / imago

Düsseldorf.  Friedhelm Funkels Jubiläumsgegner war auch sein Premierengegner: Hertha BSC. Der Trainer von Fortuna Düsseldorf bleibt gelassen und bescheiden.

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Als Friedhelm Funkel das erste Mal in der Fußball-Bundesliga auf der Trainerbank sitzt, ist der ICE gerade mal seit sechs Tagen auf Deutschlands Schienen unterwegs, der Bundestag hat seinen Sitz noch in Bonn und Roter Stern Belgrad hat soeben den Europapokal der Landesmeister gewonnen. Es ist der 8. Juni 1991. Funkel verliert am vorletzten Spieltag mit 1:2 gegen Hertha BSC. Sein Team Bayer 05 Uerdingen verschießt dabei zwei Elfmeter und kassiert das entscheidende Tor in der 89. Minute. Am kommenden Freitag, mehr als 28 Jahre danach, wird Funkel zum 500. Mal in der Bundesliga auf der Trainerbank sitzen (20.30 Uhr). Wieder geht es gegen Hertha BSC. Den Uerdinger Trainingsanzug hat er nicht mehr an, sondern den von Fortuna Düsseldorf. Und in Berlin geht es für ihn vor allem um drei Punkte. „500 ist eine tolle Zahl, das interessiert mich aber recht wenig, das ist nur eine Randerscheinung“, sagt der 65-Jährige.

Nun, mehr als eine Randerscheinung ist Funkel in der Bundesliga mittlerweile auf jeden Fall. Und das ist eine beachtliche Entwicklung. Über weite Strecken seiner Karriere galt er vor allem als verbissener Grantler, der seine Erfolge meist unansehnlicher Defensivtaktiken zu verdanken hatte. Doch dieses Bild hat sich gewandelt. Mittlerweile gilt der gebürtige Neusser als Elder Statesman der Bundesliga. Als einer, dem man gerne zuhört, dem die Sympathien bundesweit zufliegen. Es scheint so, als wäre die Symbiose zwischen Fortuna und Funkel eine klassische Win-Win-Situation – mit sportlicher Erfolgsgarantie.

Viel gelassener

Funkel sagt über sich: „Ich bin gelassener geworden. Ich mache mich nicht mehr so verrückt wie früher, weil ich jede Situation im Fußball schon erlebt habe.“ Diese Gelassenheit strahlt er aus. Und er gießt sie in Worte, ohne dabei über Konsequenzen nachzudenken. Funkel hat sich quasi indirekt proportional zum Fußballgeschäft entwickelt. In der bis ins kleinste Detail durchkommerzialisierten Fußballwelt sorgen zahlreiche PR-Berater für glattgebügelte Aussagen, wo man nur hinhört. Der Fan sehnt sich längst wieder nach kernigem Fußballersprech. Funkel bedient diese Nische, die häufig mit dem Label Authentizität beklebt wird. Auch, weil er es nie anders kannte.

Nicht nur die Fans, auch die Pro­tagonisten sprechen mit Hochachtung über Funkel, den Rekord-Aufstiegstrainer, der sechs Mal den Sprung von der zweiten in die erste Liga schaffte. „Als Trainerkollege habe ich höchsten Respekt davor, was er geleistet hat“, sagt Ante Covic, der am Freitag mit Hertha sein erst siebtes Spiel als Bundesligatrainer begleiten wird. Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz nennt Funkel „einen feinen Kerl“, der seit Jahrzehnten ohne Unterbrechung im Fußballgeschäft arbeitet. „Das ist eine Wahnsinnsmarke“, ergänzt Preetz: „Er ist ein wahnsinnig erfahrener Trainer.“

Klare Meinung, immer mit Respekt

Diese Lobhudeleien folgen einer einfachen Weisheit: Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es wieder heraus. Denn: Auch wenn Funkel mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält, wahrt er doch immer Respekt vor seinen Mitmenschen. Nicht selten gilt ein großer Teil seiner Worte bei den wöchentlichen Pressekonferenzen dem gegnerischen Trainer und seinen beachtenswerten Leistungen.

Wenn Funkel am Freitag ins Olympiastadion gehen wird, werden in ihm nach eigener Aussage viele Erinnerungen hochkommen: vor allem der Pokalsieg 1985 als Spieler mit Uerdingen. Aber auch die verlorenen Finalspiele mit Duisburg (1998) und Frankfurt (2006). „Es war die beste Entscheidung des DFB, aus Berlin das Wembley Deutschlands zu machen“, sagt Funkel. „Deshalb ist mein letzter Wunsch als Trainer: noch einmal ins Pokalfinale einziehen.“ (erer)

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