Kommentar

Dritte Liga: Der DFB schadet dem Fußball

Die 3. Liga soll am 26. Mai den Spielbetrieb wieder aufnehmen.  

Die 3. Liga soll am 26. Mai den Spielbetrieb wieder aufnehmen.  

Foto: via www.imago-images.de / imago images/MaBoSport

Duisburg.  Einen fairen Wettbewerb wird es bei einer Fortsetzung der 3. Liga nicht mehr geben. Ein Kommentar.

Fairness? Gibt es nicht mehr. Die Gesundheit der Spieler? Nebensächlich. Corona-Verordnungen? Lästige Hindernisse von Landesfürsten, die ohnehin im Verdacht stehen, gemeinsame Sache zu machen mit den Klubs, die auf einen Klassenerhalt am grünen Tisch hoffen.

Nein, es ist unsäglich, wie der Deutsche Fußball-Bund die Saison in der 3. Liga gnadenlos durchziehen will. Und die DFB-Funktionäre geben dabei ein schwaches Bild ab.

Ab dem 26. Mai stehen für die 20 Vereine elf Spiele in 36 Tagen an – und das mit den coronabedingten Trainingsrückständen. Mediziner, die das für gesund halten, mögen sich gerne melden. Am Ende wird die Mannschaft Geistermeister, die die größten Kraftreserven hat. Wem die Luft ausgeht, hat Pech gehabt. Und dass Spieler wie der Magdeburger Sören Bertram ihre Angst äußern, an Corona zu erkranken und beklagen, nur eine Marionette zu sein, bleibt bei den Entscheidern ungehört. Hauptsache, der Ball rollt.

Und das wird er unter irregulären Bedingungen. Das, was sich demnächst abspielen soll, wird mit fairen Wettkampfbedingungen nichts zu tun haben. Die Mannschaften bewegen sich nicht auf einem einheitlichen Trainingsniveau. Jena, Halle und Magdeburg droht der Verlust ihres Heimvorteils.

Die Rechnung der Vereine

Der eng getaktete Spielplan kann dazu führen, dass Teams sich zwischendurch auf dem Spielfeld eine Auszeit nehmen, um für die wichtigeren Partien besser aufgestellt zu sein. Und auch in der Relegation wird es keinen fairen Vergleich geben: Der Zweitliga-Klub wird dann zwei Spiele weniger bei längeren Ruhepausen auf dem Rücken haben als der Drittligist.

Der DFB mahnt immer wieder, dass die Fortsetzung der Saison für die Drittligisten existenziell wichtig sei. Ist das wirklich so? Zahlreiche Klubs – und nicht nur die aus der „Abbruchfraktion“ – haben in den letzten Wochen Rechnungen aufgestellt, dass sich die finanzielle Situation durch Geisterspiele verschärfen würde. Wer kann da nicht rechnen?

Rechtliche Konsequenzen

Nun zum Vorwurf, der DFB übe „unerträglichen Druck auf Politik und Vereine aus“ (Reiner Haseloff, Ministerpräsident Sachsen-Anhalt). DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius dementierte dies umgehend. Es steht Aussage gegen Aussage. Aber Curtius ist zumindest in einem Punkt zu widerlegen. Es habe keine Androhung von Konsequenzen gegenüber den Vereinen gegen, teilte er in einer Erklärung mit. Ein Blick in die Mediathek des MDR genügt: DFB-Vize Erwin Bugar drohte am vergangenen Freitag explizit mir rechtlichen Konsequenzen.

Zur Politik des DFB gehört auch, dass der Verband öffentliche Diskussionen nicht mag. Peter Frymuth, ebenfalls Vizepräsident beim DFB und zugleich Präsident des Fußball-Verbandes Niederrhein, beklagte im vergangenen Monat, dass die öffentliche Diskussion schädlich für die gesamte Liga gewesen sei. Hätten die kritischen Stimmen schweigen sollen?

Nein, Herr Frymuth. Es ist umgekehrt. Der DFB schadet aktuell dem Fußball.

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