Fußball

MSV kann großen Schritt zur Herbstmeisterschaft machen

Lukas Boeder (rechts) ist gegen die Bayern wieder dabei.

Lukas Boeder (rechts) ist gegen die Bayern wieder dabei.

Foto: Selim Sudheimer / Getty Images

Duisburg.  Die Duisburger wollen ihre Spitzenposition in der 3. Liga untermauern. Am Sonntag geht es nach vielen Jahren wieder gegen die „kleinen“ Bayern.

Torsten Lieberknecht sucht das Vergessen. Die 0:1-Niederlage in Halle will der Trainer des Fußball-Drittligisten MSV Duisburg möglichst rasch aus allen Köpfen bekommen. Das Motto vor dem Heimspiel gegen die zweite Mannschaft von Bayern München: „Das, was wir in Halle liegen gelassen haben, wollen wir uns am Sonntag wiederholen.“ Um 14 Uhr treten die kleinen Bayern in der Schauinsland-Reisen-Arena an. Der MSV kann mit einem Sieg einen entscheidenden Schritt zur Herbstmeisterschaft gehen. Dafür gibt es zwar nichts, es tut aber dem Selbstbewusstsein gut.

Damit der Plan aufgeht, „müssen wir sehen, dass wir die Tormaschine wieder anwerfen“, sagt Lieberknecht. Das sonst so zuverlässige Gerät versagte in Halle zum ersten Mal komplett seinen Dienst. Und schon muss der Coach dann doch an die erste Niederlage nach fünf Siegen erinnern. Dass Ahmet Engin bei einer „Drei gegen Keinen“-Situation den Ball aufs Tor schoss, statt seine frei stehenden Kollegen zu bedienen, nannte Lieberknecht eine „Übersprungshandlung“. Übersetzt: zu viel Ehrgeiz im falschen Moment. „Verteufeln“ dürfe man den Mann aus dem eigenen Nachwuchs aber keineswegs. An den Pfostentreffer von Moritz Stoppelkamp und die beiden verpassten Kopfballgelegenheiten von Vincent Vermeij erinnert der Trainer ebenfalls.

Hoeneß-Sohn trainiert die Bayern

Seine Mannschaft könne sich für das viele Lob nach dem Halle-Spiel nichts kaufen, weil am Ende der Gegner die Punkte hatte. Auch das erwähnt der Fußballlehrer und spricht davon, die Gier zu wecken. Und natürlich, dass Terrence Boyd mit einem sensationellen Treffer die Partie entschieden hatte. Nein, abgehakt hat Torsten Lieberknecht die Niederlage noch lange nicht. Dazu braucht es den Dreier am Sonntag im letzten Heimspiel des Jahres. Auch wenn es kurz vor Weihnachten ist, die Punkte werden nicht in einem mit Schleife verzierten Päckchen unter die Tanne gelegt. Der Gegner kann was.

Zunächst, aufmunternde Neuigkeiten: Die Jung-Bayern, trainiert von Sebastian Hoeneß (Sohn von Dieter Hoeneß), haben auswärts erst acht Punkte geholt. In den letzten sechs Spielen gelang nur ein Sieg. Dann steht da noch die 2:3-Niederlage am Freitag vor einer Woche gegen Schlusslicht Jena auf der Anzeigetafel.

Indes, die Bayern haben Magdeburg (2:1), Braunschweig (2:0), Ingolstadt (2:1) und Halle (2:1) geschlagen. Große Nummer kann die Truppe, gespickt mit Talenten. Allein der Jungstar Michaël Cuisance hat einen Marktwert von zwölf Millionen. Der komplette MSV-Kader ist halb so viel Wert. Lieberknecht spricht von „Zockern“ (Pfälzerisch „Schnicker“), weil die Nachwuchsleute die Kugel keineswegs als Feind, sondern eher als Spielzeug betrachten. Der Trainer wünscht sich im Übrigen mehr Zuschauer und rührt die Werbetrommel: „Kalle Rummenigge hat in einem Interview seine Toptalente für die nähere Zukunft benannt. Das sind die, die wir am Sonntag sehen werden.“

Nur Respekt, keine Furcht

Fürchten muss sich nun niemand. Respekt habe man aber durchaus, so der Trainer. Seiner Mannschaft hat er als Marschroute mitgegeben: „Wir müssen mit dem Ball wie ein Tabellenerster spielen. Gegen den Ball, wie eine Mannschaft, die mit dem Rücken zur Wand steht.“

Beim MSV ist Lukas Boeder zurück im Team

Beim Blick auf die mögliche Aufstellung kommt dann doch noch mal Halle zur Sprache. Zwei Torhüter muss der Trainer dieses Mal nicht auf die Bank setzen. Lukas Boeder ist zurück und wird neben dem hochgelobten Vincent Gembalies die Innenverteidigung bilden. Marvin Compper steht zwar wieder auf dem Trainingsplatz. Ein Einsatz kommt aber nach sechs Wochen Verletzungspause zu früh. Der Konkurrenzkampf mit dem Eigengewächs Gembalies hebt wohl erst nach der Winterpause an. In jedem Fall darf Arne Sicker wieder auf seinen Stammplatz nahe der linken Auslinie.

Ob Ahmet Engin seinen Eigensinn daheim auskurieren darf, ist eher unwahrscheinlich. Lukas Daschner hat genug Schonung erfahren. Der Leistungsträger kann mal wieder von Beginn an ran. Bleibt ein kleines Fragezeichen hinter Vincent Vermeij. Der niederländische Mittelstürmer pausierte zwei Tage mit einer leichten Erkältung. Da muss man sehen, wie viel Kraft Vermeij ins Taschentuch geschnuft hat.

Zum Schluss noch ein bisschen Historie: Das letzte MSV-Spiel gegen die Zweite der Bayern war vor 32 Jahren, damals gewannen die Zebras mit 4:1 und damit die Deutsche Amateurmeisterschaft. Auf die Frage, was es am Sonntag zu gewinnen gibt, antwortete der Coach trocken: drei Punkte. Die können noch einmal richtig wertvoll werden.

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