MSV Duisburg

Stadion, Personalien, Finanzen: Klartext von MSV-Chef Wald

Trotz Baustellen blickt Ingo Wald optimistisch nach vorn.

Trotz Baustellen blickt Ingo Wald optimistisch nach vorn.

Foto: firo Sportphoto / Volker Nagraszus

Duisburg.  Im Interview äußert sich der Vorsitzende Ingo Wald zu den Perspektiven und Baustellen des MSV Duisburg. Stadiondach ist „wesentliche Baustelle“.

Der MSV Duisburg ist sportlich – ungeachtet der jüngsten Niederlage in Mannheim – auf einem guten Weg. Das stimmt Ingo Wald zuversichtlich. Wäre da nicht das kaputte Stadion-Dach. Im Interview mit Hermann Kewitz sagt der Vorsitzende des Fußball-Drittligisten: „Das ist unsere wesentliche Baustelle.“

Beginnen wir mit den erfreulichen Dingen. Wie sehen Sie den Saisonstart der Zebras?

Ingo Wald: Wir können alle recht zufrieden sein. Wir haben uns nach der schwierigen letzten Saison neu aufstellen müssen. Dabei waren wir uns von Anfang an sicher: Der neue Kader wird das Umfeld und die Fans begeistern. Wir waren immer überzeugt, dass die Einstellung und der Einsatz stimmen. Dass wir aber auch spielerisch so schnell überzeugen können, das hatten wir erhofft, ohne es wirklich erwarten zu können.

Haben Sie einen Lieblingsspieler?

Eigentlich gefällt mir das ganze Team. Die Fans und wir alle können uns wieder mit der Mannschaft identifizieren. Was ich sagen kann: Joshua Bitter imponiert mir. Yassin Ben Balla spielt exzellent.

Und was ist mit ihrem Königstransfer, Marvin Compper?

Marvin Compper ist von seiner Persönlichkeit immens wichtig. Er ist mit seiner Erfahrung ein Spieler, an dem sich unsere jungen Leute ausrichten und orientieren können. Seine Bedeutung für das Team ist nicht zu unterschätzen.

Inwieweit helfen Ihnen die guten Ergebnisse auch finanziell?

Dieser Auftakt tut uns auch in finanzieller Hinsicht gut. Für die Lizenzierung haben wir einen Schnitt von 14.000 Zuschauern pro Spiel angesetzt. Das haben einige als sehr optimistisch eingeschätzt. Dank der guten Leistungen sind wir bereits jetzt nahe an diesem Schnitt. Das hilft uns bei der Nachlizenzierung im November. Das Erreichen der zweiten Pokalrunde hilft ebenfalls enorm.

Und doch auch der Run auf das KöPi-Trikot . . .

Die Fans haben sich seit vielen Jahren dieses Trikot gewünscht. Das ist eine lohnende und positive Verbindung zwischen Schauinsland-Reisen, König-Pilsener und dem MSV Duisburg. Wir haben durch die Kombination der beiden Trikotsponsoren insgesamt den Ertrag erzielt, den wir auch über einen anderen Sponsor erreicht hätten. Dadurch kommt also nicht mehr Geld in die Kasse. Entscheidend ist aber, dass wir mit dieser Konstellation die Verkaufszahlen des Trikots deutlich steigern können und die Menschen erreicht haben. Das hilft uns, die Ziele, die wir beim Merchandising angesetzt haben, zu erreichen.

Was ist mit der Ablöse für Joseph-Claude Gyau?

Wir haben eine Ablöse im unteren Bereich erzielen können. Wir haben jedoch eine Option vereinbart, die uns an möglichen Weiterverkäufen beteiligt.

Reicht der finanzielle Segen, um im Winter noch mal beim Kader nachlegen zu können?

Wir können nur dann auf dem Transfermarkt tätig werden, wenn wir entsprechende Mehreinnahmen erzielen. Ivo Grlic und Torsten Lieberknecht haben den Etatrahmen von 4,5 Millionen Euro für die Mannschaft voll ausgeschöpft. Wir haben Spieler geholt, die für Drittliga-Verhältnisse gutes Geld verdienen. Wir hätten auch mit 28 Spielern in die Saison gehen können. Dann hätten wir, was die Qualität angeht, uns ein Regal tiefer bedienen müssen. Das wollten wir nicht.

Bei aller Freude, wie groß sind die Probleme, die das defekte Stadiondach macht?

Das Stadiondach ist in der Tat derzeit unsere wesentliche Baustelle. Wir setzen darauf, dass die Stadionprojektgesellschaft eine Lösung findet. Fakt ist, wir sind auf ein betriebsfähiges Stadion abgewiesen. Viele Alternativen dazu gibt es nicht.

Kann am 21. September gegen 1860 in der Arena gespielt werden?

Wir gehen stark davon aus. Die Stadionprojektgesellschaft hat uns signalisiert, dass wir die Partie gegen München in der Arena austragen können.

Und wenn nicht?

Dazu kann ich seriös im Moment nichts sagen. Ich glaube nicht, dass der DFB einer weiteren Verschiebung zustimmen wird. Wir brauchen also ein Ausweichstadion. Da ist die Auswahl so groß nicht.

Werden Sie Walter Hellmich auf Schadenersatz verklagen?

Klage einreichen kann nur der Eigentümer. Und wir sind nicht der Eigentümer, sondern die Stadionprojektgesellschaft. Die ganze Geschichte ist einfach nur ärgerlich für alle Beteiligten. Es liegt mir dabei fern, Schuldzuweisungen auszusprechen. In jedem Fall sind Fehler gemacht worden. Es darf sicher nicht passieren, dass nach 15 Jahren solche Schäden auftreten. Das ist schwer vermittelbar, und ich habe mir das auch nie vorstellen können.

Sie haben auch noch eine andere Baustelle. Sie brauchen einen neuen Geschäftsführer. Wie weit sind sie da?

Ich möchte zunächst Dirk Broska danken, dass er sich für die Übergangszeit als Geschäftsführer des MSV zur Verfügung gestellt hat. Er ist derzeit besonders gefordert, weil er auch Geschäftsführer der Stadionprojektgesellschaft ist und in dieser Funktion wesentlich zur Lösung des Stadionproblems beitragen will. Den neuen Geschäftsführer des MSV wollen wir im November vorstellen. Das war unsere Vorgabe, und die hoffen wir auch einhalten zu können. Wir haben den Kandidatenkreis auf drei eingegrenzt und sind in intensiven Gesprächen. Alle drei verstehen etwas von Fußball.

Und dann fehlt ihnen auch noch ein Vorstandsmitglied, nachdem Bernard Dietz zurückgetreten ist . . .

Was die Neubesetzung des Vorstandspostens angeht, stehen wir nicht ganz so unter Druck. Das kann laut Satzung frühestens zur Mitgliederversammlung im kommenden Jahr geschehen. Wir haben verschiedene Optionen. Idealerweise bringt der Kandidat Sportsachverstand mit und sollte im zwischenmenschlichen Bereich mit den Gremien harmonieren.

Fehlt Ihnen Bernard Dietz?

Ich vermisse ihn als Mensch und ich vermisse auch seine Ratschläge. Bernard Dietz wird immer das Gesicht des MSV sein. Sein Ausscheiden hat jedoch keinen direkten Einfluss auf das Tagesgeschäft. Udo Steinke, Robert Phillips und ich arbeiten kontinuierlich zusammen, treffen uns wie bisher zur regelmäßigen Vorstandssitzung und nehmen an den Treffen der Gremien teil.

Wo wir gerade bei Personalfragen sind: Der Vertrag von Sportdirektor Ivica Grlic läuft zum Ende der Saison aus. Werden Sie mit ihm über eine weitere Beschäftigung verhandeln?

Wir werden in jedem Fall Gespräche mit Ivo führen. Wir haben uns aber darauf verständigt, dass wir uns nicht vor dem Jahreswechsel zusammensetzen werden.

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