Fußball

„Hoeneß knallte den Hörer auf“

Wolfgang Püttmann Mit Fotos, Autogrammkarten und Zeitungsartikel, die an den Werdegang von Joachim Benfeld erinnern.

Wolfgang Püttmann Mit Fotos, Autogrammkarten und Zeitungsartikel, die an den Werdegang von Joachim Benfeld erinnern.

Foto: Heinz-G. Lützenberger

Gevelsberg.  Bevor es zum Benfeld-Wechsel von Bayern München zum KV Mechelen kam, gab es zwei Telefonate von Ulrich Hoeneß mit Wolfgang Püttmann.

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„Hier, das Video“, sagt Wolfgang Püttmann und drückt auf die Fernbedienung. Bevor das Gespräch über ihn, Uli Hoeneß, dem ehemaligen Manager und Präsident des FC Bayern München, sowie Joachim „Wosab“ Benfeld beginnt, gibt es einen Beitrag aus einer belgischen Sportschau. Anfang der 1980er Jahre wurde der Beitrag gesendet.

Das Video flimmert, kein Breitband, immer wieder blitzen Streifen auf. Der Beitrag zeigt einen Portrait von dem Gevelsberger Benfeld in seiner neuen fußballerischen Heimat KV Mechelen als „Platini des KV Mechelen“. „Da“, ruft plötzlich Püttmann. „Hier hat er Jean-Marie Pfaff überwunden.“ Ein Fernschuss in den Winkel, was eines „Tor des Monats“ würdig gewesen wäre.

Viele Erinnerungen werden wach. An die Zeit, als Joachim Benfeld vom FC Bayern München zum abstiegsbedrohten Erstligisten KV Mechelen wechselte. Und während „Pütti“, wie Wolfgang Püttmann gerufen wird, erzählt, glänzen seine Augen.

Herr Püttmann, als am vergangenen Freitag die Ära Uli Hoeneß als Vorsitzender beim FC Bayern München zu Ende ging, wurden bei Ihnen die Erinnerungen wach an die Zeit, als Joachim Benfeld vom VfL Gevelsberg zum FC Bayern München wechselt?

Wolfgang Püttmann: In der Tat! Sofort musste ich an die Zeit denken. Aber auch an die Phase, als Joachim vom FC Bayern München zum KV Mechelen wechselte. Zweimal habe ich dabei mit Ulrich Hoeneß telefoniert.

Wann und wo? Wie verliefen die beiden Telefonate mit dem Bayern-Manager?

Joachim Benfeld und ich waren in Willingen im Weihnachtsurlaub. Joachim musste als Angestellter des FC Bayern München dem Verein mitteilen, wo er wie zu erreichen ist. Wir sind im Jahr 1981. Da gab es keine Handys. So schellte auf unserem Zimmer das Telefon. Ich war alleine da, Joachim in der Caféteria. Hoeneß wollte ihm mitteilen, dass er einen Verein in Belgien für ihn hätte. Als ich ihm sagte, dass er nicht im Raum sei, wollte er in einer halben Stunde erneut anrufen.

So kam das zweite Telefonat mit Ulrich Hoeneß zustande?

Stimmt. Doch Joachim Benfeld wollte nicht mit ihm sprechen. Ich sollte Hoeneß mitteilen, dass er nur im Paket mit Willi Reisinger, der seinerzeit ebenfalls Bayern-Profi war, gehen wolle. Hoeneß rief tatsächlich exakt eine halbe Stunde später an. Nachdem ich ihm das Ansinnen von Joachim mitgeteilt haben, wurde er lauter. Er sagte: Sehr geehrter Herr, wer immer Sie auch sind, Herr Benfeld ist Angestellter des FC Bayern München und hat meinen Anweisungen folge zu leisten.

Wie ging es weiter?

Hoeneß wurde ruhiger, erkundigte sich, wie weit Willigen vom nächsten Flughafen liege. An diesem Tag endete um Mitternacht die Transferperiode. Hoeneß sagt, dass Herr Benfeld hat bis Mitternacht Zeit haben, um in Brüssel im Sheraton Hotel einen Vertrag mit Mechelen zu unterschreiben. Falls nicht, gebe es ernsthaften Konsequenzen. Danach knallte er den Hörer auf.

Das hat dann ja auch geklappt, Joachim Benfeld unterschrieb den Vertrag beim KV Mechelen. Es gab also keine Probleme mehr?

Von wegen. Es war früher Abend, der nächste Flughafen ist Düsseldorf. Ich musste außerdem Joachim überreden, mitzukommen. Das habe ich geschafft und ich fuhr mit ihm wie von der Tarantel gestochen von Willingen zum Flughafen.

Durchatmen also?

Nein, überhaupt nicht. Denn wir kamen nicht mehr ins Flugzeug nach Brüssel. Der Schalter machte direkt vor uns zu. Nichts zu machen. Es war mittlerweile fast 22 Uhr. Kurzum entschloss ich mich, es mit dem Auto zu versuchen. Wir schafften es tatsächlich, um kurz vor Mitternacht im besagten Hotel zu sein.

Es gab also ein Happy End in Sachen Wechsel von Benfeld von Bayern nach Belgien?

Das kann man so sagen. Im Hotel erwarteten uns aufgeregte Manager vom KV Mechelen mit dem Vertrag. Dieser kam mit einigen Zusätzen buchstäblich in letzter Sekunde zustande. Kurz zuvor hatte im übrigen sein Willi Reisinger beim KV Mechelen unterschrieben.

Haben Sie den weiteren Weg von Joachim Benfeld begleitet?

Ja, ich war regelmäßig dort und habe mir die Spiele angeschaut. Ich blieb dann immer ein paar Tage. Mechelen ist eine wunderschöne Stadt mit tollem Marktplatz und schönen Cafés. Da waren wir oft.

Joachim Benfeld galt bereits beim VfL Gevelsberg als großes Talent. Wäre er nicht auch ein Spieler für die Bundesliga gewesen?

Ich habe tatsächlich versucht, ihn in die Bundesliga zu vermitteln. Da haben ich meine Kontakte als Sport-Shop-Inhaber zu den großen Sportausrüster-Firmen genutzt, um die Kontakte herzustellen. Hannover 96 und FC Schalke 04 waren nur zwei von einigen Vereinen, die ich angeschrieben habe und die schließlich abgesagt haben. Christoph Daum als damaliger Trainer des 1. FC Köln hat sich bei mir für die Anfrage bedankt, musste mir aber mitteilen, dass sein Kader voll sei.

Also blieb Benfeld in Mechelen. Eine gute Entscheidung?

Er war der große Star von Mechelen. Eine Sportzeitung dort hat ihn als Platini von Mechelen bezeichnet. Er hatte eine super Technik. Als Benfeld und Reisinger ihre perfekte Premiere feierten, war Mechelen abstiegsbedroht. Erstes Spiel, erster Sieg und Joachim schießt ein Tor. Schließlich gab es in 1987 den Pokalsieg in Belgien und ein Jahr später den Sieg im Europapokal der Pokalsieger.

Alles gut also?

Kann man so sagen. Allerdings finde ich es schade, dass mit dem Talent, das Joachim Benfeld zweifelsohne hatte, nicht mehr geworden ist.

Gibt es heute noch Kontakte?

Während und nach seiner aktiven Zeit haben wir uns regelmäßig gesprochen und getroffen. Zusammen mit Reisinger hat er mich auch in Gevelsberg besucht. Doch zuletzt war er in der Badminton-Treff zum Oktoberfest. Das ist schon einige Jahre her. Seitdem ist der Kontakt eingeschlafen. Schade. Ich habe allerdings nicht seine neue Adresse, wo er derzeit lebt. ich würde mich freuen, ihn mal wieder zu sehen.

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