Fußball-Reportage

Innen Fußballfan – außen Business-Man

Bekenner: Auch OB Thomas Kufen (rechts) trägt sein RWE-Trikot innen. Mit der Nummer fünf – als Libero!

Bekenner: Auch OB Thomas Kufen (rechts) trägt sein RWE-Trikot innen. Mit der Nummer fünf – als Libero!

Foto: Schüngelschwarz

Jörg Messerschmidt, Maßkonfektionär und Mode-Coach von „Harper & Fields“, macht Fußballfans mit Trikots im feinen Zwirn glücklich

Michael Meier, der Ex-Manager des BVB, prägte einmal den wundervollen Begriff „Kaschmir-Hooligan“. Gemeint war damit scherzhaft der Schalker Kollege Rudi Assauer, bisweilen etwas prollig im Fußballjargon auftretend, aber immer im feinen Tuch gekleidet. Diese Klientel hat eine textile Heimat: Zwischen Spargelfeldern und Streuobst-Wiesen, auf dem Weg von Schuir nach Kettwig. „Kaschmir-Hooligan – der Begriff gefällt mir“, meint Jörg Messerschmidt, Geschäftsführer der Harper & Fields-Filiale an der Meisenburgstraße, und grinst sein smartes Lächeln.

Im Frühjahr vergangenen Jahres kam dem Maßkonfektionär und Mode-Coach die zündende Idee. Ein Kollege aus London schickte ihm ein Foto eines Arsenal-Fans, mit Alexis Sanchez-Trikot als Futter in einem edlen Anzug. Da wusste Messerschmidt: Das ist es! Die Idee zu „Jersey meets Jacket“ war geboren. Die allererste Maßanfertigung aus der Essener Filiale – hier wird nur Maß genommen, gefertigt wird in London – war ein Jacket mit BVB-Innenleben, und Mats Hummels-Namenszug! Au weia, was daraus wohl geworden ist? Hummels verbesserte sich bekanntlich kurz darauf Richtung FC Bayern.

Das erste war das Hummels-Trikot

Dann kamen die anderen: Pizarro-Trikots aus Bremen, die Schalker, die RWE-Fans, auch andere Sportarten werden mittlerweile eingenäht. Die Kräfteverhältnisse sind eindeutig: „Von den Aufträgen sind knapp 50 Prozent mit BVB-Trikot, Schalke und Bayern jeweils zu 20 Prozent – der Rest verteilt sich“, so der 51jährige Modedesigner.

Für den ehemaligen Triathleten, der bis zu den finalen beiden Knie-OPs für den TRC Essen in der 2. Bundesliga an den Start ging, ist der Erfolg keine Überraschung. „Das hat einfach Charme, Sport ist cool“, sagt Messerschmidt. Und Coolness, das wird im weiteren Verlauf des Gesprächs deutlich, ist ihm wichtig. Er selbst gibt an, durch die James-Bond-Filme für seinen heutigen Beruf infiziert worden zu sein: „Wenn 007 total abgefranst in sein Hotelzimmer kam und erst einmal seinen Schneider anrief, um Maß nehmen zu lassen für Ersatzanzüge, das war cool, das war total stylish.“ Und Filme wie „American Gigolo“, na klar, sowieso. Wer wollte damals nicht sein wie Richard Gere?

Aber Fußball und feiner Zwirn, da wird eine andere Klaviatur gespielt. Das Kind im Manne, Sport als großes gesellschaftliches Bindeglied. „Egal, wo man in der Gesellschaft angekommen ist, jeder sehnt sich auch mal nach Bier, Stadion-Currywurst und Rumprollen“, ist er sich sicher. Schließlich kennt Messerschmidt seine Kundschaft, die meisten wollen aber unerwähnt bleiben: Ein Tagesschau-Sprecher sei darunter, Schauspieler wie Martin Lindow („Ob ich den nennen darf?“), Vorstandsherren aus Dax-Konzernen. Und für Triathlet Patrick Lange hatte er nicht nur einen Anzug für die Sportlerwahl maßgeschneidert, ihn berät er auch in Modefragen, bis hin zum passenden Einstecktuch.

Eine „Misch-Ehe“ mit dem BVB-Fan

Das Gespräch wird kurz unterbrochen, Kundschaft nähert sich: Wolfgang Schubert, ein „Exil-Franke“, längst heimisch geworden im Ruhrgebiet, will sein gutes Stück mit dem bayerischen Thomas-Müller-Innenleben begutachten. Die Augen strahlen kindliche Vorfreude aus. Der blaue Anzug ist die Idee und das Geburtstagsgeschenk seiner Gattin. Einem BVB-Fan! „Wir führen eine Misch-Ehe“, meint Schubert und lacht sich schlapp. Ein FC Bayern-Innenleben, initiiert von einem Dortmunder Fan – das nennt man wirklich „echte Liebe“. Und außerdem, mit Thomas Müller könnte sich sogar seine Frau anfreunden.

RWE ist Kooperationspartner

In diesem Jahr suchte die „Jersey meets Jacket“-Aktion einen Werbeträger und Kooperationspartner. BVB, Bayern, Schalke? Sich den Flair der Champions League einhauchen? Ganz falsch: Rot-Weiss Essen wurde es, Vorstand, Aufsichtsrat und Abteilungsleiter wurden mit dem feinen Tuch und dem roten Innenleben eingekleidet. Warum? „Ich bin Essener“, reagiert Jörg Messerschmidt fast schon empört auf die Frage. Und es folgt eine Eloge auf den Traditionsklub: „Ein sympathischer Verein, die Sache mit RWE ist ein echter Gewinn gewesen. Und der Michael Welling ist ein Super-Typ“, so Messerschmidt.

Um nicht zu sagen: cool.

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