Handball-Nostalgie

Mit dem SC Phönix spielte Heinz Oberscheidt Bundesliga

Heinz Oberscheidt (Mitte) war vor rund  6 000 Zuschauern in der Grugahalle schneller als der Gummersbacher Heiner Brand und erzielte eines seiner sechs Treffer gegen den Nationaltorwart Klaus Kater.

Heinz Oberscheidt (Mitte) war vor rund  6 000 Zuschauern in der Grugahalle schneller als der Gummersbacher Heiner Brand und erzielte eines seiner sechs Treffer gegen den Nationaltorwart Klaus Kater.

Foto: Dieter Meier/FFS

Essen.  Am Dienstag wird der einstige Torjäger 70. Sein Höhepunkt war das Feldhandball-Finale gegen Dankersen vor 25000 Zuschauern in der „Roten Erde“.

Der Handball in Essen hat Tradition. Der SC Phönix spielte erstklassig, der Tusem ebenfalls. Und zu den besten Spielern, die diese Stadt hervorgebracht hat, gehörte Heinz Oberscheidt, der am Dienstag 70 Jahre alt wird. Das Talent wurde Oberscheidt in die Wiege gelegt. Mutter Anneliese, Vater Heinz und Onkel Gustel waren ausgezeichnete Feldhandballer. Auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Karriere gehörte der Essener zu den besten deutschen Handballern, auch wenn ihm der große Sprung auf die internationale Bühne versagt blieb.

Drei B-Länderspiele vor Olympia 1972

Zu Buche standen letztlich drei B-Länderspiele als Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1972. „Vielleicht war ich zu unbequem und habe meine Meinung häufig zu deutlich gesagt”, sagt Oberscheidt. Und ein bisschen Wehmut ist schon herauszuhören. Als er Vlado Stenzel vor zehn Jahren telefonisch zum 75. Geburtstag gratulierte, wusste der ehemalige Bundestrainer erst gar nicht, wer in der Leitung war. „Nach einigem Rätselraten hat er mich nach dem Stichwort „Ruhrgebiet” erkannt. Ich war mit Sicherheit nicht sein Lieblingsspieler aber er hat sich sehr gefreut und mir gesagt, dass sich noch nicht einmal der Deutsche Handballbund bei ihm gemeldet habe.“

Heinz Oberscheidt begann mit acht Jahren auf dem Aschefeld der „Eigenen Scholle” in Frohnhausen beim SC Phönix. Seinem Talent verdankte er es, dass er schon mit 18 Jahren in der ersten Mannschaft spielen durfte. Seine Entwicklung bekam einen gewaltigen Schub, als Trainer Petre Ivanescu verpflichtet wurde. Der dreimalige rumänische Weltmeister, der als Spielertrainer den SC Phönix zu einer der herausragenden Mannschaft formte, wurde zum Lehrmeister. Nachdem die Frohnhauser im ersten Jahr knapp am TV Oppum scheiterten, stiegen sie 1969 durch einen Sieg über Hildesheim in die Hallenhandball-Bundesliga auf - mit Heinz Oberscheidt als Torjäger, Peter Fischer, Rüdiger Hillebrand, Klaus Kirschner und Vater Heinz als Trainer.

Deutsche Feldmeisterschaft vor 25.000 Zuschauern

Ein Jahr später wechselte er zum Bundesligisten TuS Wellinghofen, wo er auch noch auf dem Großfeld agierte. „Nach dem Aufstieg in die Bundesliga mit dem SC Phönix war mein zweiter sportlicher Höhepunkt das Endspiel um die Deutsche Feldmeisterschaft vor 25 000 Zuschauern im Stadion „Rote Erde” in Dortmund, das wir leider gegen GW Dankersen verloren“, erinnert sich Oberscheidt. Nach der Rückkehr zum SC Phönix, wo er unter Vlado Stenzel trainierte, zog es ihn zum Tusem. Es blieb jedoch bei einem einjährigen Gastspiel. Es folgen fünf Jahre beim Zweitligisten DSC Wanne-Eickel.

Schließlich wurde Oberscheidt auch Trainer: 1985 übernahm er den Dortmunder Vorortclub TuS Borussia Höchsten als Spielertrainer. Den HSV Dümpten, SC Phönix und die HSG Hallo betreute der Familienvater (drei Söhne, alles Fußballer) aber nur noch von der Bank aus. Seit einigen Jahren genießt Heinz Oberscheidt seinen Ruhestand. Er bereist die Welt, bleibt jedoch weiter bodenständig: „Der Sport hat mir sehr viel gegeben. Ganz wichtig sind mir jedoch meine umfangreichen sozialen Kontakte“, sagt er und setzt sich wieder an den Schreibtisch. Er bereitet das Treffen mit dem Team für den kommenden März vor, das vor 30 Jahren den Aufstieg in die Bundesliga feierte.

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