Eishockey Oberliga

Moskitos fanden die Gönner auf dem weißen Schimmel

Eine Spendenaktion der Fans auf Facebook macht es möglich: Thomas Zuravlev stürmt ab sofort für die Moskitos Essen, schon am Sonntag daheim gegen die Hamburger Crocodiles.

Eine Spendenaktion der Fans auf Facebook macht es möglich: Thomas Zuravlev stürmt ab sofort für die Moskitos Essen, schon am Sonntag daheim gegen die Hamburger Crocodiles.

Foto: Klaus Pollkläsener

essen.   Chris Höke, Stefan Schuetz und Fabian Henn organisierten eine Spendenaktion und machten die Verpflichtung von Angreifer Thomas Zuravlev möglich.

Mit einer Bierlaunen-Idee am Samstag fing es an – und am Mittwoch kurvte plötzlich Thomas Zuravlev beim Training der Wohnbau Moskitos über die Eisfläche am Westbahnhof. Der 26-Jährige kommt vom Erzrivalen Herner EV, um die durch die Kreuzbandverletzung von Carsten Gosdeck entstandene Lücke im ESC-Angriff zu schließen. Und das gerade rechtzeitig, schließlich ist das Transferfenster seit Donnerstagabend geschlossen.

Eine Last-Minute-Verstärkung in der heißen Phase der Saison: klingt erst einmal nicht bemerkenswert. Ist sie aber: Denn die Umstände, unter denen der Wechsel zustande kam, suchen ihresgleichen. Zuravlev wurde nicht etwa vom Verein oder einem Sponsor finanziert, sondern in erster Linie von Chris Höke, Stefan Schuetz und Fabian Henn - drei eingefleischte Anhänger der Mücken. Sie starteten einen Spendenaufruf, um Ablöse und Gehalt Zuravlevs zu stemmen. Aufgrund der Transfer-Deadline war es allerdings nicht mehr möglich, das Ergebnis der Aktion abzuwarten. Kurzerhand entschlossen sich die drei, das erforderliche Geld vorzustrecken.

Fan Höke sah die Pressekonferenz und reagierte

Aber von vorne: Nach Bekanntgabe der Diagnose der Gosdeck-Verletzung am vergangenen Freitag berichtete ESC-Teamchef Frank Gentges auf einer Pressekonferenz, dass er einen Ersatzmann an der Angel habe, diesen aber nicht finanzieren könne, da der Mannschaftsetat bereits ausgeschöpft sei. Spaßeshalber hoffte Gentges daher auf den „Gönner, der auf dem weißen Schimmel angeritten kommt.“

Und der sollte kommen. Fan Chris Höke sah die Pressekonferenz. „Da dachte ich mir, vielleicht können wir ja Geld dafür bei den Fans einsammeln.“ Seine Idee gab er anschließend in einer Facebook-Gruppe preis und erntete viel Zuspruch, besonders von Stefan Schuetz und Fabian Henn. Sie suchten das Gespräch mit Torsten Schumacher, Präsident der Moskitos. Der hatte erwartungsgemäß nichts gegen einen Gratisspieler einzuwenden.

Öffentlicher Spendenaufruf hatte Erfolg

Also starteten die Moskitos am Mittwoch einen öffentlichen Spendenaufruf – ebenfalls über Facebook. Mit großem Erfolg: Mithilfe von 35 Unterstützern kam bis zum Freitagnachmittag bereits ein vierstelliger Betrag zusammen. „Anfangs hatten wir Zweifel, aber die Resonanz war überragend“, berichtet Höke. „Von Schulmädchen bis hin zu Senioren war alles mit dabei. Und das trotz Schneechaos.“ Mit-Initiator Schuetz ergänzt: „Das ist ein überragendes Gefühl, dem Verein, den wir lieben, so eine große Hilfe zu sein.“

Zumal der Deutsch-Russe Zuravlev, der im Heimspiel am Sonntag gegen die Hamburger Crocodiles (18.30 Uhr) debütieren wird, mit bislang 26 Scorerpunkten in die Kategorie Erste-Reihe-Stürmer passt. „Ein Spieler, der uns hoffentlich weiterhelfen kann und eine tolle Aktion“, freut sich ESC-Boss Schumacher. „Da sieht man, wie groß der Zusammenhalt im Verein ist. Ich habe noch nie von etwas Vergleichbarem gehört.“

Damit die Drei jedoch nicht auf dem von ihnen vorgestreckten Betrag sitzen bleiben, wurde die Aktion verlängert und läuft noch bis zum Derby gegen Herne am kommenden Freitag. Spenden sind im Rahmen der beiden kommenden Heimspiele in der Eissporthalle oder online (Paypal: fabianhenn89@gmail.com) möglich.

Abgesehen davon machte Ende der Woche eine weitere aus Moskitos-Sicht positive Personalie die Runde: Förderlizenzspieler Julian Lautenschlager vom Erstligisten Iserlohn Roosters wird den Essenern mit Beginn der Playoff-Zeit uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Die Rückkehr des quirligen Stürmers, der schon zwischen 2016 und 2018 für den ESC auflief, ist für Trainer Gentges eine „erfreuliche“: „Recht herzlich möchte ich mich bei allen Gönnern bedanken, die uns diese beiden Optionen möglich gemacht haben.“

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