RWE-Kolumne

Stimmgewaltige RWE-Fans gibt es nur noch in der Anonymität

essen.   Uralt-Ultra-Fan Happo sorgt sich um die unterschiedlichen Welten im Stadion Essen und in den Sozialen Medien, wo anonyme Kritik geübt wird.

Nachdem ich mir die Hände einige Minuten im Kühlschrank aufgewärmt habe, kann es ja losgehen. Wer in der Regionalliga spielt, muss in den Wintermonaten mit Spielausfällen rechnen. Harte Realität, zu harte Rasenplätze. Das nutze ich eiskalt aus, um ein paar Gedanken über Rot-Weiss Essen loszuwerden, die mir nicht erst seit gestern durch den Kopf schießen. Vorweg: Ich kenne keinen RWE-Fan, dem die aktuelle Situation gefällt, der auch nur annähernd zufrieden damit sein kann, wie es um die „Roten“ bestellt ist.

Von den letzten Jahrzehnten ganz zu schweigen. Versuche, sich die Spiele schön zu trinken, sind zum Scheitern verurteilt und zudem droht am Ende der Aufenthalt in einer Entzugsklinik. Genaue Zahlen kennt man zwar nicht, doch die Dunkelziffer liegt wie immer höher, obwohl die meisten in der Regel „Helles“ bevorzugen. Vorsichtshalber weise ich darauf hin, keine Scherze auf Kosten von Suchtkranken machen zu wollen. Ist heutzutage besser, das zu erwähnen. Rot-Weiss Essen im Stadion und im Internet – das sind mittlerweile zwei Welten, auch was die Lautstärke angeht. Überspitzt formuliert: je leiser die Kulisse während des Spiels, umso lauter geht es in diversen Foren und Sozialen Medien zu. Anscheinend halten sich dort mehrere stimmgewaltige Fans auf, die im Stadion fehlen. Der Frust muss raus, die Tastatur ist stetig und jederzeit griffbereit.

Blanker Hass wird verbreitet, aber nicht offen gelegt

Kann ich in gewisser Weise nachvollziehen, bin auch kein Kind von Traurigkeit, was Häme und kritische Bemerkungen angeht. Zu oft, zu häufig trat man nach Spielen mit RWE-Beteiligung enttäuscht den Heimweg an. Außerdem ist jeder Mensch anders, was sich natürlich auch an den geschriebenen Wortbeiträgen bemerkbar macht. Was mich anwidert, abschreckt, sind die persönlichen Angriffe unterhalb der Gürtellinie gegenüber Spielern, Entscheidungsträgern und Mitarbeitern des Vereins.

Blanker Hass wird offen verbreitet, nicht jedoch offen gelegt, welche Person sich hinter diesem Gehetze verbirgt. Um eine entsprechende Grundstimmung zu schaffen, bedient man sich gleich mehrerer Nicknamen. Irgendwie schizophren oder was ich persönlich noch schlimmer finde, bösartig. Und feige! Nochmals, es geht nicht um Kritik an sich – da docke ich mich sofort an – nur Menschen vorsätzlich mit Worten nieder zu knüppeln, das geht gar nicht. Diese Auswüchse können eigentlich nur durch dauerhafte sportliche Erfolge zurückgedrängt werden. Von daher richte ich mich noch auf einen längeren Zeitraum ein, mit den Begleitumständen zu leben. Woher soll man als RWE-Fan auch Zuversicht hernehmen? Bei allem Ärger, bei allem Frust: Ein Leben ohne Rot-Weiss Essen ist möglich, aber sinnlos.

Der OB als Türöffner bei den Groß-Sponsoren

Also versuche ich erneut nach vorne zu schauen. Dem Wetter sei Dank, gewinnen die Verantwortlichen dadurch doch ein wenig Zeit, um z.B. die Trainerfrage zu lösen, mittlerweile mit der Einsicht, nicht auf „en Ochs“ zu setzen, sondern auf das richtige Pferd! Es müssen nicht immer die großen Namen sein – egal ob Trainer oder Spieler – auch No-Name Produkte besitzen Qualität. Was mit Herz und Leidenschaft möglich ist, bewies die Deutsche Eishockey-Nationalmannschaft eindrucksvoll. Wenn Essens Oberbürgermeister samt Mitarbeiterstab, auch Kufen-Cracks genannt, nur halb so erfolgreich bei der Türöffnung von Groß-Sponsoren ist, dann könnte es was werden mit RWE. Könnte. Die Wahrscheinlichkeit der Spielabsage für die Partie am Samstag in Wegberg-Beeck scheint allerdings ungleich größer.

Warmherzige Grüße,

der Happo

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