„Alle gucken nach Deutschland“

Gelsenkirchen.   Erik Stoffelshaus macht in diesen Tagen eine unglaubliche Zeit mit. Über Mülheim, Schalke und Kanada hat es den 46-Jährigen mittlerweile nach Russland geführt. Zur Rückrunde wird der ehemalige Teammanager und Assistent von Schalke-Manager Andreas Müller neuer Sportdirektor des Erstligisten Lokomotive Moskau.

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Erik Stoffelshaus macht in diesen Tagen eine unglaubliche Zeit mit. Über Mülheim, Schalke und Kanada hat es den 46-Jährigen mittlerweile nach Russland geführt. Zur Rückrunde wird der ehemalige Teammanager und Assistent von Schalke-Manager Andreas Müller neuer Sportdirektor des Erstligisten Lokomotive Moskau.

Zum Interview (per Videoanruf) mit der WAZ kommt Stoffelshaus ein paar Minuten zu spät. Kein Wunder, der Mann ist im Stress. „Es ist aber angenehmer Stress“, sagt er. „Ich hatte gerade noch ein Gespräch mit dem Präsidenten und musste kurzfristig das Hotelzimmer wechseln“, erklärt er.

Als Trainer der U11-Jugend kam er 1998 nach Schalke. Ab Juli 2000 unterstützte er sechs Jahre lang den Leiter der Schalker Nachwuchsabteilung Bodo Menze. Im Juli 2006 wurde Stoffelshaus Teammanager der Schalker Lizenzspielerabteilung und Assistent des Vorstands. Allen voran unterstützte er Manager Andreas Müller bei seiner Arbeit. Zwei Monate nach der Beurlaubung von Müller im Mai 2009 war aber auch für Stoffelshaus auf Schalke Schluss.

2013 wagte er mit seiner damaligen Freundin, die er im August letzten Jahres geheiratet hat, den Sprung nach Kanada. Dort arbeitete er zunächst für den West Ottawa Soccer Club und anschließend als Technischer Direktor für den Fußballverband der Region York um Toronto. Im Dezember kam die Anfrage aus Moskau. „Man sollte sich generell erst einmal alles anhören“, sagt Stoffelshaus.

Von den Gegebenheiten vor Ort ist er beeindruckt. „Die Anlage ist absolut imposant, die Bedingungen sind fantastisch“, schwärmt Stoffelshaus. „Moskau hat ein kleines, enges Stadion, ist ein Traditions- und Arbeiterverein, vor dem Stadion steht eine alte Dampflokomotive – da fühlt man sich als Kind des Ruhrgebiets sofort wie zu Hause.“

Nach der Rücksprache mit der Familie – seit einem Jahr ist das zweite Kind auf der Welt – stand die Entscheidung fest. „Es ist doch absolut spannend, was in den nächsten Jahren fußballerisch in Russland passiert“, sagt Stoffelshaus und verweist auf den Confed-Cup in diesem Sommer und die Weltmeisterschaft 2018.

Dass er als Deutscher nun die Generalverantwortung bei einem der größten Klubs des Landes bekommt, ist für Stoffelshaus kein Wunder. „Spätestens seit der WM 2014 gucken doch alle ein Stück weit nach Deutschland“, sagt er.

Seine Vergangenheit in einer der besten Nachwuchsleistungszentren der Republik passt perfekt zu dem, was sein neuer Klub in Zukunft vor hat. Spieler wie Manuel Neuer, Benedikt Höwedes oder Mesut Özil kennt er aus seiner Schalker Zeit. „Das hilft mir unglaublich gut, um Talente einzuordnen“, erklärt Stoffelshaus.

Den langjährigen Schalker Nachwuchskoordinator Bodo Menze bezeichnet er als seinen „überragenden Mentor“ und sagt: „Alles, was Bodo Menze mir mit auf den Weg gegeben hat, ist wertvoller, als selbst 250 Bundesligaspiele absolviert zu haben.“

Die Arbeit in der Knappenschmiede wird freilich auch seine Arbeit in Russland beeinflussen. „Lok Moskau hat eine der besten Akademien Russlands und wir müssen diesen Spielern die Chance geben, in der ersten Mannschaft zu spielen“, gibt der neue Sportdirektor den Weg vor. Seinen neuen Arbeitgeber bittet er allerdings um Geduld. „Das ist ein Prozess von sieben bis zehn Jahren“. Er selbst hat in Moskau für zweieinhalb Jahre zugesagt.

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