SV Hansa Scholven

Als die 19er das viele Geld der 07er nach Buer schleppten

 

 

Foto: SV Hansa Scholven

Scholven.  Wegen einer Verwechslung spielten die Scholvener vor 2500 Zuschauern in Mülheim beim Spielverein 07. Einnahme wurde – wie vereinbart – geteilt.

Klar: Zu einem 100. Geburtstag gehört immer auch ein Blick in die Vergangenheit. Und das war auch schon vor 65 Jahren so, als Willy Bernsmann der Auserkorene war, der etwas zur Chronik des SV Hansa Scholven niederschreiben sollte. Er tat es, und was er so alles zu Papier brachte, ist auf der Homepage des Klubs ausführlich zu lesen und empfehlenswert. Die vielleicht schönste Passage, die der einstige Geschäftsführer für das Heftchen zum 35. Geburtstag im Jahr 1954 schrieb, liest sich in Ausschnitten wie folgt:

„Fast alle in den Jahren 1919/20 gegründeten Fußballklubs nahmen zunächst den Namen Ballspielverein an. Das war für den zunehmenden Verkehr der Vereine untereinander aber nicht nur eintönig, sondern die Namensgleichheiten führten manchmal zu – allerdings meist harmlosen – Verwechslungen. Eine Verwechslung war es auch, die uns den Verlust des Namens Ballspielverein 1919 kostete. Und diese ganz besondere und eigenartige Verwechslung war so komisch, dass sie nicht nur vereinsgeschichtlich wichtig, sondern auch hochinteressant ist.

Anreise mit der Eisenbahn und nicht per Super-Luxusbus

Umso lieber erzähle ich sie:

Wir hatten soeben die B-Klassenmeisterschaft errungen (1921 oder 1922), und unsere erste Elf war für Freundschaftsspiele schon ein etwas gefragter Gegner. Wir folgten damals einer Einladung eines Mülheimer Vorortvereins, er mag Mülheim-Broich 48/96 oder so ähnlich geheißen haben. Wie das damals so üblich war, reisten wir mit sämtlichen Mannschaften und Schlachtenbummlern per Eisenbahn. Übrigens noch jeder auf eigene Rechnung bezüglich Reisekosten und Kosten der Verpflegung und nicht – wie es heute allgemein üblich ist – per Super-Luxusbus.

Köbes Skoruppa verschuldet Mülheimer Handelfmeter

In Mülheim wurden wir am Bahnhof empfangen und zu einem Vereinsheim geleitet. Dieses übertraf all unsere Erwartungen. Noch schöner war aber der Sportplatz mit gepflegter Rasenspielfläche, und sogar eine Tribüne war vorhanden. Einen noch größeren Eindruck machte die ungewöhnlich zahlreiche Zuschauermenge (etwa 2500) auf uns. Unser Kassierer schmunzelte ganz groß, denn die finanzielle Vereinbarung lautete auf 50:50 der Einnahme. Er fand es darum wenig tragisch, dass unsere unteren Mannschaften vorweg mit haushohen Packungen versehen wurden. Es sollten noch zwei dicke Überraschungen folgen.

Die erste Sensation: Unsere erste Elf lag bei Halbzeit mit 2:0 in Führung. Dann stellte sich aber heraus, dass wir bei diesem Verein buchstäblich an die falsche Adresse geraten waren. Unser Gegner war gar nicht der Verein, gegen den wir spielen sollten, sondern der Spielverein Mülheim 07, dessen erste Mannschaft eine führende Rolle in der Niederrhein-Liga hatte. Aber das Spiel musste weitergehen, wenn auch mit großen Hemmungen unsererseits. Mülheim erzielte erst wenige Minuten vor Schluss nach einem Handelfmeter – verschuldet von Köbes Skoruppa, der darüber beinahe richtiggehend geweint hat – den Ausgleich.

Auflage des Verbandsgerichts, den Namen zu ändern

Nun die nächste Sensation: Unser verpasster Gegner (Mülheim 48/96?) hatte – auch irrtümlich – einen falschen Gegner empfangen, der auch Ballspielverein hieß und auch aus Buer war, aber die Jahreszahl 07 führte. So waren die Rollen der beiden Ballspielvereine aus Buer vertauscht worden! Dass wir die besseren Ergebnisse, sowohl finanziell als auch sportlich, erzielt hatten, wurde von den Verbandsbehörden ebenso bestaunt wie auch belacht. Wir hatten einen überragenden Erfolg und eine – für unsere Begriffe – schwere Kasse mit nach Hause genommen.

Ich muss aber hervorheben, dass der damalige Vorstand des großen BV Buer 07 über diese Angelegenheit nicht kleinlich und rücksichtslos dachte und handelte, sondern großzügig und sportlich. Aber das Verbandsgericht legte uns auf, sehr bald unseren Vereinsnamen zu ändern. Das haben wir dann auch in einer besonderen Generalversammlung besorgt.“

Damit war der Spielverein Hansa Buer-Scholven geboren.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben