Luftgewehr

BSV-Trainer Pawelke: „Der Kopf darf nicht faul werden“

BSV-Trainer Frank Pawelke weiß genau, wie er Leila Hoffmann (l.) und ihre Teamkollegen motivieren kann.

BSV-Trainer Frank Pawelke weiß genau, wie er Leila Hoffmann (l.) und ihre Teamkollegen motivieren kann.

Foto: Thomas Gödde

Gelsenkirchen.   Der BSV Buer-Bülse ist in der Luftgewehr-Bundesliga auf Finale-Kurs. Trainer Frank Pawelke motiviert, beruhigt oder fordert seine Athleten.

Die Sportschützen des BSV Buer-Bülse haben am vergangenen Wochenende zwei wichtige Siege in der Luftgewehr-Bundesliga eingefahren. Durch die Erfolge gegen SG Mengshausen und SV Olympia 72 Börm/Dörpstedt rangiert das Team von Trainer Frank Pawelke weiter auf dem zweiten Tabellenplatz. Eine gute Ausgangsposition für das große Ziel: die Deutsche Meisterschaft. In dieser Saison soll es im dritten Anlauf endlich mit dem Titel klappen.

Im vergangenen Jahr haben sie das Finale der vier besten Mannschaften erreicht, sind dann aber direkt im ersten Wettkampf gescheitert. Wie schätzen Sie die Chancen Ihres Teams dieses Mal ein?

Unser großer Traum ist es natürlich, das Finale zu gewinnen. Momentan sieht es so aus, dass wir die Qualifikation für die Endkämpfe auch schaffen. Und wenn man dann mal einen Blick auf den Ringschnitt wirft, also, wie viele Ringe ein Team im Durchschnitt pro Wettkampf erreicht, dann sind wir die besten in der Nord-Liga. Und nur eine Mannschaft der Süd-Liga ist besser. Da können wir wohl nicht abstreiten, dass wir zumindest zum erweiterten Favoritenkreis zählen.

Mit Istvan Peni haben Sie unter anderem einen Olympiasieger und ehemaligen Weltranglistenersten in den eigenen Reihen. Aber die Konkurrenz steht Ihnen da in Nichts nach. Viele internationale Top-Leute schießen in der deutschen Bundesliga. Warum?

Eine vergleichbare Liga zu der Bundesliga in Deutschland gibt es eigentlich nicht. Die Besten brauchen diesen Druck im Eins gegen Eins. Das kann man im Training nicht üben. Dafür braucht man die Wettkämpfe gegen andere Top-Leute.

In der Bundesliga schießen herausragende Schützen, die fast immer die 10 treffen. Was können Sie denen noch beibringen?

Technisch haben die Jungs und Mädels alles drauf, da sind sie sehr, sehr gut. Als Trainer versuche ich dann auf die mentale Komponente einzuwirken. Beim Schießen ist die Konzentration und die Fokussierung ja entscheidend. Und da versuche ich meine Schützen immer passend abzuholen. Jeder braucht da eine andere Herangehensweise. Mal muss ich nur motivieren, andere wieder aufbauen, einige brauchen nur den berühmten Tritt in den Hintern.

Was macht Sie als Trainer aus?

Ich beschäftige mich sehr viel mit meinen Sportlern, denn nur, wenn man den Menschen hinter dem Sportler versteht, dann kann man auch das richtige Coaching für denjenigen finden. Eine meiner Sportlerinnen war bei Wettkämpfen immer sehr nervös. Da habe ich ihr zum Beispiel geraten, ihr Tagebuch zu lesen, weil ich gemerkt habe, dass sie das unheimlich beruhigt. Das hat ihr sehr geholfen.

Sie haben die mentale Komponente in Ihrem Sport angesprochen. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, einen Psychologen ins Team zu holen?

Ja, wir haben mal überlegt, uns von einem Mental-Coach unterstützen zu lassen. Ich habe mich da auch informiert. Aber im Prinzip mache ich ja schon genau das. Und ich kenne meine Sportler natürlich besser.

Haben Sie als Trainer denn eine Unterstützung?

Ja, Dominik Stader ist hier im Trainerteam meine rechte Hand und auch eine Art Scout. Wir sind im ständigen Austausch und diskutieren viel. Er ist ein ganz wichtiger Part in der Mannschaft.

Was unterscheidet im Schießsport einen guten Athleten von einem herausragenden?

Gut schießen können sie alle. Aber die Top-Athleten wollen immer den perfekten Schuss. Manchmal trifft man die 10 aber der Schuss war nicht einwandfrei. Einige sind dann damit zufrieden, weil ja die 10 getroffen wurde. Aber der Kopf darf nicht faul werden! Und den Besten gelingt das. Die überlegen nach jedem Schuss, wie sie den nächsten noch besser machen können. Und das ist auch meine Aufgabe als Trainer. Bei einem Ergebnis von 399 Ringen zu fragen: Warum nicht 400?

Am Schießstand herrscht also Perfektionismus. Ist Ihr Alltag auch perfekt? Glänzt die Küche, hat jede Büroklammer ihren Platz?

Nein. (lacht) Der Perfektionismus beschränkt sich auf den Sport. Aber ich bin ein sehr kontrollierter Mensch.

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