Fußball-Landesliga

Ein Derby als Symbol für die Gelsenkirchener Misere

Comeback nach langem Auslandsaufenthalt: Nicolas Hoffmann von Horst 08 (rechts) behauptet sich gegen Berke Güner.

Comeback nach langem Auslandsaufenthalt: Nicolas Hoffmann von Horst 08 (rechts) behauptet sich gegen Berke Güner.

Foto: Olaf Ziegler

Horst.  Viktoria Resse beendet die 397-minütige Torflaute, verliert aber das Duell beim SV Horst 08 nach einer schwachen Partie am Schollbruch mit 1:2.

Dass es in dieser Saison für fast alle überregional spielenden Gelsenkirchener Amateurmannschaften nicht nach Wunsch läuft, ist kein Zufall. Der SV Horst 08 und Viktoria Resse hätten die aktuelle Misere im Landesliga-Derby nicht besser verkörpern und symbolisieren können. Der Westfalenliga-Absteiger gewann die Partie mit 2:1, aber wahrscheinlich nur deshalb, weil er an diesem Sonntag mit den Ressern einen Gast hatte, der noch schlechter war.

08-Trainer Jens Grembowietz freute sich darüber, dass sein Team mit drei Pflichtspielsiegen innerhalb einer Woche wohl zumindest ergebnismäßig den Turnaround geschafft hat. Aber auch er verschloss die Augen nicht. „Es war letztlich ein schwieriges Spiel für uns“, räumte er ein. „Wir waren die bessere Mannschaft, hatten eine gute Anfangsphase, haben uns dann aber nach etwa 20 Minuten dem Niveau angepasst.“

Murat Berberoglu trifft mit seinem sechsten Saisontor zum Horster 1:0

Das Niveau von Viktoria Resse sah über weite Strecken so aus: reagieren statt zu agieren, mutlos nach vorne zu spielen und meistens schon an der Mittellinie den Ball zu verlieren. Die erste Halbzeit erinnerte deshalb an vergangene Kindheitstage auf dem Schulhof, als Sturm gegen Verteidigung gespielt wurde. Die Horster griffen an, aber sie taten das zu wenig zielorientiert. Dass es nur 1:0 für den Gastgeber dank des sechsten Saisontreffers von Murat Berberoglu stand, war aus Resser Sicht das mit Abstand Beste an der ersten Halbzeit.

Nach der Pause waren die Kräfteverhältnisse nicht mehr ganz so einseitig, was aber weniger an den Ressern, sondern mehr an den nachlassenden Horstern lag. Aber trotzdem erhöhten sie durch den spielenden Co-Trainer Norman Seidel zwölf Minuten vor Schluss auf 2:0. Alles gelaufen? Hätte man annehmen können angesichts der bis dahin gezeigten Vorstellung des Tabellenvorletzten aus Resse. Nach dem zweiten Gegentor legten die Gäste jedoch ihre Zurückhaltung ab, sie griffen früher an und kamen auch mal in aussichtsreiche Positionen. Nach einer Flanke von Lukas Tomanek erzielte Sven Jubt mit dem Kopf den Anschlusstreffer, aber für mehr reichte es trotz einer dreiminütigen Nachspielzeit nicht mehr.

Sven Jubt verkürzt für Viktoria Resser auf 1:2

Im vierten Spiel unter Werner Kasper als Trainer kassierte die Viktoria ihre vierte Niederlage. Aber immerhin endete an diesem Sonntag die Serie der Torlosigkeit. Das 1:2 durch Sven Jubt war Resses erster Treffer nach zuvor 387 erfolglosen Minuten. „Wenn man nach so einem Spiel überhaupt davon sprechen darf, sich über etwas gefreut zu haben, dann war es dieser Torerfolg“, teilte Werner Kasper mit. „Die Mannschaft hat gemerkt, dass sie dafür belohnt wird, wenn sie entschlossener und im positiven Sinne aggressiver agiert. Dieses Tor kann ein Mutmacher für die nächsten Aufgaben sein.“

Der routinierte Trainer hat aber auch am Horster Schollbruch vor Augen geführt bekommen, dass auf ihn noch viel Arbeit wartet. „Bis zum Beginn der Schlussphase waren wir in der Offensive so giftig wie eine Kreuzotter“, stellte er kritisch fest. „Wir müssen uns künftig auch taktisch klüger verhalten. Als Trainer hat man immer die Hoffnung, dass der Entwicklungsprozess schneller geht. Aber wir werden noch unsere Punkte holen. Da können alle ganz sicher sein. Wie es aussieht, werden wir uns darauf einstellen müssen, gegen den Abstieg zu spielen.“

Grembowietz: „Spielerisch haben wir immer noch ganz viel Luft nach oben“

Trotz des knappen Sieges, der den Sprung auf Rang acht zur Folge hatte, konnte der Horster Coach Jens Grembowietz nur bedingt zufrieden sein. „Dass wir nach einem 2:0-Vorsprung noch einmal zittern mussten, darf uns gegen diesen Gegner einfach nicht passieren“, resümierte er. „Das Zittern in der Nachspielzeit hätten wir uns ersparen können. Auch mit jetzt drei Siegen aus sechs Spielen haben wir immer noch ganz viel Luft nach oben.“

Tore: 1:0 Murat Berberoglu (19.), 2:0 Norman Seidel (78.), 2:1 Sven Jubt (90.).

SV Horst 08: Kurt, Seidel, Melchner, Köppen, Köstekci, Serhan (82. Kriesten), Roith (89. Lantermann), Berberoglu, B. Meyer (75. Özdemir), O. Isleyen (39. Hoffmann, Wening.

Viktoria Resse: Hütsch, Svenßon (69. Krick), Birbir, Lücke, Kacar, Neumann, Jubt, Samson (84. Güzel), Gülnaz (64. Tomanek), Reydt (57. Güner), Sahin.

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