2. Judo-Bundesliga

Erst einmal ist der Gelsenkirchener Erstliga-Traum geplatzt

Christian Hellinger war als einziger Koriouchi-Kämpfer zweimal erfolgreich. Sowohl im ersten als auch im zweiten Durchgang besiegte er im Mittelgewicht (81 Kilo) Bonns Cedric Thyssen (unten).

Christian Hellinger war als einziger Koriouchi-Kämpfer zweimal erfolgreich. Sowohl im ersten als auch im zweiten Durchgang besiegte er im Mittelgewicht (81 Kilo) Bonns Cedric Thyssen (unten).

Foto: Olaf Ziegler

Erle.   Die Judoka des JC Koriouchi Gelsenkirchen verlieren den Spitzenkampf der 2. Bundesliga gegen den GJC Bonn. Olthoff und Falahatpisheh patzen.

Es war genau das, was viele Judo-Experten prophezeit hatten: eine ganz enge und spannende Kiste. Und für die Judoka des JC Koriouchi Gelsenkirchen, die den Aufstieg in die Eliteklasse nach ihrer 6:8-Niederlage im Spitzenkampf der 2. Bundesliga gegen den GJC Bonn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit abschreiben müssen, war es auch eine Lehrstunde.

Gelernt haben sie vor allem, dass sie sich eine unnötige Pleite eingehandelt haben. In beiden Siebener-Durchgängen war es jeweils ein Kampf, den die Gelsenkirchener eigentlich mehr hätten gewinnen können, ja müssen, um als 8:6-Sieger ins Ziel zu kommen. Ali Alimirzaie, der Koriouchi-Manager, sprach auch deutlich an, dass er die Punkte von Leichtgewichtler Jasper Olthoff (73 Kilo) im ersten sowie von Mittelgewichtler Mohammad Falahatpi­sheh (90 Kilo) im zweiten Durchgang fest eingeplant hatte.

Der 41-jährige Florin Petrehele holt den achten Bonner Punkt

„Damit hatten wir auf jeden Fall gerechnet“, sagte der 42-Jährige. „Jasper hätte stärker kämpfen können.“ Das wusste der 28-Jährige selbst am besten – und nach seiner Niederlage gegen Hans-Martin Kühn hockte er sich für einen kurzen Moment mit seiner Wasserflasche auch vor die Halle, schnappte ein bisschen nach Luft, senkte den Kopf und grübelte.

Und Mohammad Falahatpisheh? Der hatte ein fast schon traumatisches Erlebnis in seinem Kampf gegen Bonns Trainer, gegen Florin Petrehele, der immerhin schon 41 Jahre als ist. „Der konnte kaum noch kriechen“, sagte Koriouchi-Präsident Erhan Baz. Um genau zu sein: Eigentlich konnte Florin Petrehele auch nicht mehr kriechen. Aber er konnte gewinnen, weil sich der iranische Koriouchi-Mann ziemlich dämlich anstellte. Nachdem sich der Godesberger in die Verlängerung gerettet hatte, also in die Golden-Score-Wertung, zog er nach 17 Sekunden eine Maki-komi-Technik durch und holte den achten Punkt für sein Team, das beim 8:4 uneinholbar in Führung lag.

Sonst war an diesem Samstagabend in der kleinen Halle der Gesamtschule Berger Feld eigentlich alles planmäßig gelaufen, obwohl der Kampf für die Gelsenkirchener mit einem Schock begonnen hatte. Hendrik Haase, den Trainer Mohsen Ghaffar ins Schwergewicht (+100 Kilo) hochgeschickt hatte, zog sich bei seiner Niederlage gegen Valentin Radu eine schmerzhafte Verletzung des rechten Knies zu. Anschließend aber kamen die geplanten Punkte von Mauro Martin (66 Kilo), Lex Janssen (100 Kilo) und Christian Hellinger, dessen herausragende Konstanz im Halbmittelgewicht (81 Kilo) leider wegen vieler anderer Geschichten regelmäßig etwas untergeht.

U-20-Europameister Falk Petersilka lässt Lex Janssen keine Chance

3:4. Was nun? Dem GJC Bonn gelang mit seinen Veränderungen in der 90- und 100-Kilo-Klasse eine große Überraschung. „Damit hatten wir nicht gerechnet“, sagte auch Koriouchi-Manager Ali Alimirzaie. Auf ging die Rechnung der Godesberger nicht nur wegen des Sieges von Florin Petrehele, sondern auch wegen des Erfolges von Falk Petersilka, der ins Halbschwergewicht aufgerückt war. Der U-18-Weltmeister von 2015 und amtierende U-20-Europameister ließ Gelsenkirchens Niederländer Lex Janssen keine Chance. Punkte holten für den JC Koriouchi nur noch Axel Limberg (66 Kilo) sowie nach dem 4:8-Rückstand Christian Hellinger und Jasper Olthoff.

Gute Koriouchi-Aussichten für die kommende Saison

„Leider hat es nicht funktioniert, aber ich bin stolz auf euch“, sagte Präsident Erhan Baz seinen Judoka nach dem Kampf und sprach trotz der 6:8-Enttäuschung von einer ganz geilen Saison. „Es hat nicht sollen sein. Dafür versuchen wir’s nächstes Jahr. Wir werden noch stärker sein, und dann schlägt uns niemand.“

Das scheinen doch ausgezeichnete Aussichten zu sein.

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