Verein und Schule

Gemeinsam für ein stärkeres Bismarck

Bismarcker Mannschaftsfoto: Hendrik, Nils, Fynn und Dogan (unten v. li.) mit Valentin Zimmermann (Westfalia 04), Martin Weyer-von Schoultz (Gesamtschule) und Tennis-Trainer Benjamin Knepper (oben v. li.).

Bismarcker Mannschaftsfoto: Hendrik, Nils, Fynn und Dogan (unten v. li.) mit Valentin Zimmermann (Westfalia 04), Martin Weyer-von Schoultz (Gesamtschule) und Tennis-Trainer Benjamin Knepper (oben v. li.).

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bismarck.  Der Verein Westfalia 04 und die Evangelische Gesamtschule haben beschlossen, ihre Zusammenarbeit für den Stadtteil Bismarck zu intensivieren.

Die Nachricht ist nicht neu: Bismarck ist wahrlich kein Stadtteil, mit dem Gelsenkirchen protzen kann. Das wissen vor allem auch die Verantwortlichen von Westfalia 04 und der Evangelischen Gesamtschule, und deshalb haben sie jetzt beschlossen, ihre Zusammenarbeit für ihren 16.000-Einwohner-Stadtteil zu intensivieren. Erstmals werden sie am kommenden Samstag (7. Dezember, 12 bis 18 Uhr) auf dem dann 23. Bismarcker Weihnachtsmarkt auch einen gemeinsamen Stand haben.

Sie wollen ein Signal senden, und zwar so: Schaut, wir arbeiten zusammen! „Das ist echt ein schwieriger Stadtteil. Manche Bismarcker Straßenzüge sehen verheerend aus“, sagt Martin Weyer-von Schoultz, der Didaktische Leiter der Gesamtschule, die fast 1300 Kinder sowie Jugendliche besuchen und die einen enormen Zulauf verzeichnet. „Halb Bismarck geht dahin“, sagt Viktor Krause. Der 31-Jährige ist gemeinsam mit dem 30-jährigen Valentin Zimmermann, einem ehemaligen Schüler dieser Lehranstalt, für den es eine kleine Herzensangelegenheit ist, für die Geschäftsführung bei Westfalia 04 verantwortlich.

Das Ziel der Gesamtschule und des Vereins ist es, Ideen und Konzepte zu entwickeln, um die Heranwachsenden, „die verloren sind, zu stärken“, wie Martin Weyer-von Schoultz sagt. „Wir tauschen unsere Erfahrungsschätze aus und suchen gemeinschaftlich nach Lösungen, dass sich Kinder und Jugendliche einbringen können, dass sie Gemeinschaft erleben und versuchen, zusammenzubleiben.“ Immerhin spricht der 57-Jährige da auch von 90, ja vielleicht sogar von 100 unterschiedlichen Nationen.

Und wie soll das funktionieren? Es geht der Schule und dem Verein, der rund 400 Mitglieder hat, nicht darum, etwa die Gesamtschule Berger Feld zu kopieren, also Top-Sportler zu suchen und zu kreieren sowie eine Elite-Förderung anzubieten. Eine Talentsichtung ist für den kommenden Sommer allerdings dennoch geplant. „Aber nicht leistungsorientiert“, sagt Westfalia-Geschäftsführer Viktor Krause. „Es geht um einfache, um normale Talente. Wir haben in der vergangenen Saison, als unsere A-Junioren noch in der Bezirksliga gespielt haben, auch niemanden aussortiert, weil er zu schlecht war.“

Ganz entscheidend – und eben verdammt wichtig für einen Stadtteil wie Bismarck – ist der soziale Aspekt, die Kinder und Jugendlichen zum Sport zu ermutigen. Und: Die Betreuung an der Ganztagsschule dauert nur bis 16 Uhr, aber viele Eltern arbeiten in den Stunden danach noch. Besuchte ein Kind, ein Jugendlicher der Gesamtschule also das Westfalia-Training, wäre es, wäre er zwei Stunden länger in guter Obhut.

Es geht überhaupt nicht nur um Fußball, schließlich bietet Westfalia 04 zum Beispiel auch Tennis und Gymnastik an – wobei Gymnastik wahrscheinlich bei Fünft- bis Zehntklässlern nur recht wenig Leidenschaft entfacht. Aber die Tennis-Arbeitsgemeinschaft, die es seit dem Sommer gibt. „Der Verein“, erzählt Martin Weyer-von Schoultz, „versieht diese mit einem Jugend-Trainer, und im Winter wird dann in unserer Halle gespielt. Das ist ein Geben und Nehmen.“ Benjamin Knepper heißt dieser ehrenamtliche Jugend-Trainer. Und das sei am Rande auch erwähnt: In dieser Halle hat einst unter anderem schon Olaf Thon gekickt. „Die sind mit dem Mannschaftsbus vorgefahren“, sagt der Didaktische Leiter der Gesamtschule und lacht. „Da hatten wir einen Ausnahmezustand, da war an Unterricht nicht zu denken.“

Taschengeld und Bewegung

Ein anderes Projekt der Zusammenarbeit ist eine Schiedsrichter-Arbeitsgemeinschaft, die im kommenden zweiten Schulhalbjahr angeboten wird, und zwar für Acht-, Neunt- und Zehntklässler. „Wenn da nicht ein Lehrer vor der Gruppe steht, ist das ein ganz anderer Umgang“, sagt Martin Weyer-von Schoultz. Nicht zu verachten ist auch das mögliche Ergebnis dieser AG: Der Klub käme eventuell zu neuen Unparteiischen, und diese „bekämen ein bisschen Taschengeld und bewegten sich noch ein bisschen“, sagt Westfalia-Geschäftsführer Viktor Krause. „Und wenn ein, zwei übrig blieben“, meint Martin Weyer-von Schoultz, „wäre das schon ein Erfolg.“

Und all dies tun die Verantwortlichen des Vereins Westfalia 04 und der Evangelischen Gesamtschule Bismarck, um ihren Kindern und Jugendlichen in diesem sehr komplizierten Stadtteil Gelsenkirchens angenehmere und bessere Möglichkeiten zu bieten. Damit diese ein gute Zukunft vor Augen haben.

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