Fußball

SC Hassel peilt einen Neuanfang in der Landesliga an

Jörg Böving glaubt an eine positive Zukunft des SC Hassel. In zwei Jahren wird der Verein sein 100-jähriges Jubiläum feiern.

Foto: Oliver Mengedoht

Jörg Böving glaubt an eine positive Zukunft des SC Hassel. In zwei Jahren wird der Verein sein 100-jähriges Jubiläum feiern. Foto: Oliver Mengedoht

Hassel.   Nach dem Rückzug vor einem Monat aus der Oberliga Westfalen wagt Fußball-Abteilungsleiter Jörg Böving im WAZ-Interview einen Blick in die Zukunft

Am Eingang des Stadions Lüttinghof in Hassel liegt ein alter Plastikstuhl, ein Stuhlbein ist abgebrochen. Es ist ungemütlich, Tristesse hat sich breitgemacht. Kaum vorstellbar, dass der SC Hassel hier vor gut einem Monat noch Fußball in der höchsten deutschen Amateurklasse gespielt hat. Seit dem Abend des 7. November ist beim Sportclub nichts mehr so, wie es einmal war. Die 1. Mannschaft ist aus finanziellen Gründen vom Spielbetrieb abgemeldet worden. Im Interview spricht Fußball-Abteilungsleiter Jörg Böving über alte Lasten und neue Chancen.

Herr Böving, ist Ihnen sonntags nicht langweilig?

Jörg Böving: Nein, langweilig ist mir nie. Ich habe drei Enkelkinder, die den Opa auf Trab halten. Außerdem spielt ja morgens unsere A-Jugend und nachmittags die 3. Mannschaft. Natürlich sind die Sonntage aber irgendwie doch leer. Dass aktuell keine 1. Mannschaft des SC Hassel mehr spielt, ist traurig.

Welche Resonanz haben Sie nach der Abmeldung erfahren?

Die Enttäuschung war bei allen riesig, auch bei mir. Es kam aber niemand und hat mich gefragt, was ich da für einen Scheiß fabriziert habe. Die Leute, die sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und Einblicke in den Verein haben, wissen schließlich, dass die Abmeldung alternativlos war.

Wieso alternativlos?

Nach dem Wechsel der Abteilungsleitung im Januar hat leider keine Übergabe stattgefunden. Wir mussten uns nach und nach durch einen Berg von Akten wühlen. Das hat sich lange hingezogen. Hätte ich die Zahlen schon früher gekannt, hätten wir den Schnitt schon im Mai gemacht und wären erst gar nicht mehr in der Oberliga angetreten. Dann wären wir jetzt zwei Schritte weiter.

Aber ist es nicht naiv, sich als Vorsitzender wählen zu lassen, ohne eine Vermutung zu haben, wie es finanziell um die Fußballabteilung bestellt ist?

Und wer hätte es dann gemacht? Es hat ja keiner hier geschrien. Glauben Sie mir: Es gab bessere Zeitpunkte, um sich beim SC Hassel zum Chef der Fußballabteilung wählen zu lassen.

Nach dem Rückzug aus der Oberliga haben Sie angekündigt, dass der SC Hassel in der nächsten Saison wieder überkreislich Fußball spielen wird.

Ja, davon bin ich überzeugt. Wir werden auf der Mitgliederversammlung im Januar beratschlagen, ob es sinnvoller ist, in der Landesliga oder in der Bezirksliga einen Neustart zu wagen. Die Landesliga trauen wir uns definitiv zu. Es wird aber nicht mehr so sein, dass allein in die 1. Mannschaft investiert wird. So ist es in der Vergangenheit leider gewesen. Die Jugend ist schlicht vernachlässigt worden.

Wäre der Etat für eine Saison in der Landesliga denn gesichert?

Um genau das zu gewährleisten, haben wir die Mannschaft ja schweren Herzens aus der Oberliga abgemeldet. Wie sagt man: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Wir gehen im nächsten Sommer doch lieber mit einem Plus als mit einem dicken Minus in die Saison – und es wäre auf ein Minus von rund 40 000 Euro hinausgelaufen. Die Westfalenliga hätten wir uns so oder so nicht leisten können.

Woran machen Sie das fest?

Ich habe viele Gespräche geführt. Für eine Landesliga-Mannschaft, die nicht sofort zu den Abstiegskandidaten zählt, bedarf es circa 40 000 Euro pro Saison. Ablösesummen sind in unserer Kalkulation inbegriffen. Eine Westfalenliga-Mannschaft ist deutlich teurer. Außerdem sind die Abgaben an den Verband in der Westfalenliga deutlich höher. Wenn wir im Sommer einen Neustart machen, haben wir den Schuldenberg abgebaut.

Ist der SC Hassel nach dem Chaos der vergangenen Monate für Spieler und auch für Trainer überhaupt noch interessant?

Der SC Hassel ist sogar sehr interessant. Ich bin zuversichtlich, dass wir nach der Jahreshauptversammlung zeitnah einen Trainer präsentieren können, der schon höherklassig gearbeitet hat und erfolgreich war. Die Gespräche laufen gerade intensiv. Der neue Trainer hat dann die Aufgabe, eine komplett neue Mannschaft aufzubauen.

Und was ist mit den langjährigen Fans, die durch unermüdliche ehrenamtliche Arbeit ihren Teil dazu beigetragen haben, dass der SC Hassel jahrelang im höherklassigen Amateurfußball bestehen konnte?

Ich bin sicher, dass wir genau diese Fans wieder ins Boot holen. Es hat sich niemand nach der Abmeldung aus der Oberliga von uns abgewendet. Im Gegenteil. Alle haben Bereitschaft signalisiert, beim Neuaufbau Hilfe zu leisten. Darüber bin ich sehr glücklich. Generell muss die Fußballabteilung des SC Hassel wieder mehr zu einer Familie zusammenwachsen. Es kann nicht sein, dass der Jugendraum abends leer ist, dass hier kein Austausch stattfindet. Die Identifikation der SC-Mitglieder mit ihrem Verein muss größer werden.

Wie sehen Ihre Planungen im Jugendbereich aus?

Wenn wir 2019 100 Jahre SC Hassel feiern, muss es unser Ziel sein, dass zumindest eine unserer Jugendmannschaften wieder überkreislich spielt. Die Kluft zwischen 1. Mannschaft und Jugendabteilung muss deutlich verkleinert werden. Warum sollte bislang ein Spieler in der A-Jugend oder in der B-Jugend zu uns wechseln? Er hatte doch sowieso keine realistische Chance, sich für die 1. Mannschaft zu empfehlen. Das wird sich ändern.

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