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Schalke-Fan Erlebach: „Wir Frauen brauchen mehr Mut“

Astrid Erlebach (46) ist seit Jahrzehnten glühende Schalke-Anhängerin.

Astrid Erlebach (46) ist seit Jahrzehnten glühende Schalke-Anhängerin.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Astrid Erlebach ist seit Jahrzehnten glühende Schalke-Anhängerin. Hier schildert sie ihre Erlebnisse von Sexismus im Fußball

Die Wortwahl war derb, die Sätze provokant, in einem Fußballstadion aber sicherlich nicht unbekannt. „Na, was ist Abseits?“, „Zum Ficken Ok – in der Gruppe oje“ oder „Rosa statt Weiß-Rot“ lauteten die Aufschriften auf Bannern, die die Fans des Bundesligisten SC Freiburg in der vergangenen Saison vor dem Spiel gegen den FC Bayern München präsentierten und mit denen sie die Problematik des Sexismus im Fußball aufgriffen.

Die Antwort war in großen Lettern und unter zwei Bildern einer jüngeren und einer älteren Dame abgebildet: „Das soll unser Fußball sein? Nein, setzt euch gegen Sexismus ein.“ Die Botschaft war klar: Auch in einer Männerdomäne wie dem Fußball, bei dem laut einer Studie immer noch 75 Prozent der Erstliga-Stadionbesucher männlich sind, ist für Sexismus kein Platz.

Astrid Erlebach war beeindruckt von der Freiburger Choreografie. „Das war eine richtig coole Aktion“, findet sie. Die 46-Jährige ist selbst glühende Schalke-Anhängerin, geht seit Jahrzehnten auf Schalke und hat eine Dauerkarte. Lange folgte sie den Königsblauen als Allesfahrerin quer durch Deutschland und Europa. „Mein Motto lautet: Atmen, Essen und dann kommt Fußball“, betont Erlebach lachend. Sie engagiert sich bei den Ultras Gelsenkirchen und der Fanzeitschrift „Schalke Unser“ und ist Mitgründerin eines Fanklubs, der die Schalker Juniorenmannschaften unterstützt.

In Saloniki von einer Ordnerin begrapscht

Solch provokante Sprüche wie die in Freiburg dargestellten, geschweige denn sexistische Handlungen, habe sie allerdings noch nicht erfahren. „Nein, ich kann mich nicht daran erinnern, dass mir bei uns auf Schalke so etwas passiert ist“, erzählt sie. „Als ich als Kind im Stadion war, gab es immer einen Schutzfaktor. Das heißt, dass immer ein Pulk von Männern um mich herum war, um auf mich aufzupassen. Grundsätzlich reinigt sich die Kurve aber von selbst. Die Fans achten also untereinander darauf.“

Einzig vor dem Schalker Auswärtsspiel beim griechischen Klub PAOK Saloniki 2017 habe es einen Vorfall gegeben: „Als ich in die Kontrolle vor dem Stadion gekommen bin, ist mir eine Frau des Sicherheitsdienstes bis in die Unterwäsche gegangen. Sie hat mich auch am BH angefasst. Da habe ich mich wirklich hilflos gefühlt. Die können dir den Zutritt zum Stadion verwehren, aber sie haben sicherlich nicht das Recht, dich überall anzufassen“.

Fünf Mitarbeiter – alle sind männlich

Mit solchen oder ähnlichen Erlebnissen von weiblichen Fußballfans beschäftigte sich auch die Wanderausstellung „fan.tastic females – football her story“, die in diesem Jahr im Schalker Vereinsmuseum gastierte. In über 80 Videoportraits erzählten weibliche Fans aus 21 Ländern, warum sie den Fußball so lieben, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind und was es bedeutet, sich als Frau im Männer-Fußball zu bewegen.

Am eigenen Leibe erlebt hat Erlebach solche Geschehnisse wie in Saloniki in Deutschland zwar noch nicht. Dennoch sieht sie noch viel Handlungsbedarf – auch im eigenen Verein. „Wir haben fünf ‚Fanbelange-Mitarbeiter‘, die alle männlich sind. Sie achten beispielsweise darauf, dass alles richtig abläuft, wenn man sich bei einer Kontrolle vor einem Auswärtsspiel mal bis auf die Unterwäsche ausziehen muss. Aber wen nehme ich in solchen Fällen mit in die Umkleide?“, fragt sie.

Auch die Tatsache, dass weiterhin nur wenige Frauen in Führungspositionen seien, stört sie: „Der Verein muss das eigentlich vorleben, schließlich orientiert sich der normale Fan am Außenbild des Klubs.“

Kompetenz hat nichts mit dem Geschlecht zu tun

Eine Aussage von Greta Rinast, die im Rahmen der Ausstellung über das Thema referierte, ist Erlebach dabei ganz besonders in Erinnerung geblieben: „Kompetenz hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Es gibt viele kompetente Männer, aber auch viele inkompetente Männer in Positionen, die sie niemals bekommen sollten. Wenn darunter eine inkompetente Frau wäre, würde das keinen Unterschied machen. Aber vielleicht können wir so 50 kompetente Frauen in Positionen bringen, die uns alle weiterhelfen.“

Auch die Frauen nimmt sie dabei in die Pflicht: „Wir Frauen brauchen mehr Mut, zu sagen, dass wir nicht weniger gut sind als Männer.“ Große Worte, die nun auch große Taten folgen lassen müssen.

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