Handball-WM

Schalke-Trainer: „Für Deutschland ist das Halbfinale drin“

Traut der deutschen Mannschaft bei der Heim-WM den Sprung ins Halbfinale zu: Schalkes Trainer Sebastian Hosenfelder.

Traut der deutschen Mannschaft bei der Heim-WM den Sprung ins Halbfinale zu: Schalkes Trainer Sebastian Hosenfelder.

Foto: Heinrich Jung

Gelsenkirchen.   Sebastian Hosenfelder traut Deutschland bei der Handball-WM viel zu. „Das Halbfinale ist drin“, sagt der Trainer des Oberligisten FC Schalke 04.

Die Oberliga-Handballer des FC Schalke 04 sind noch bis zum kommenden Sonntag in der Winterpause. Gut für das Team und für Trainer Sebastian Hosenfelder, denn dann bleibt wenigstens beim heutigen Auftaktspiel der WM zwischen Deutschland und Korea (18.15 Uhr/ZDF) ein wenig Zeit zum Zuschauen vor dem Bildschirm. Schließlich traut Hosenfelder der deutschen Mannschaft bei der WM eine Menge zu.

Herr Hosenfelder, heute beginnt die Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark. Wie verfolgt ein Handballtrainer die Spiele? Analytisch oder als Fan?

Die Spiele schaue ich mir als Fan an. Es ist jetzt nicht so, dass ich während der WM vor dem Bildschirm sitze und hin- und herscrolle. So wie bei der Videoanalyse vor unseren Spielen.

Werden Sie sich denn auch Spiele in der Halle angucken?

Nein, Karten habe ich mir nicht geholt. Aber vor dem Fernseher werde ich die WM natürlich intensiv verfolgen. Ein paar Spieler haben sich aber Tickets besorgt, von Nico Helfrich weiß ich das zum Beispiel. Und natürlich unser neuer Abwehrspieler Khalil Soussi.

Dessen Bruder mit der tunesischen Nationalmannschaft bei der WM mitspielt.

Ja, genau. Khalil hat mich und meinen Co-Trainer Mario Samija zum Spiel der Tunesier gegen Dänemark eingeladen. Aber das klappt zeitlich leider nicht.

Und die Spiele von Deutschland? Schaut die Mannschaft die zusammen, gibt es da das klassische Rudelgucken?

Nein, extra für die Spiele treffen werden wir uns wohl eher nicht. Aber wenn Deutschland vor oder nach unserem Training spielt, dann werden wir uns bestimmt zusammensetzen und das Spiel gucken.

Werden Sie viele deutsche Siege sehen? Was macht die deutsche Mannschaft für einen Eindruck auf Sie?

Ich habe den 32:24-Testspielsieg gegen Tschechien gesehen. Dass da noch nicht alles rund lief, war zu erwarten. So ist das nun mal mit Testspielen. Es wurde viel gewechselt, wodurch der Spielfluss etwas verloren ging. Aber es waren auch einige gute Phasen dabei. Vor der Europameisterschaft in Polen vor drei Jahren habe ich gesagt, dass wir eine Medaille holen. Da lag ich nicht so ganz falsch (lacht). Ich glaube, dass das Halbfinale drin ist für Deutschland. Zumal so ein Turnier im eigenen Land auch nochmal etwas anderes ist. Das sieht man ja auch bei uns in der Oberliga, auch wir sind zuhause stärker als auswärts.

Wo hat die deutsche Mannschaft denn ihre Stärken und Schwächen?

Als Schwachstelle sehe ich den Rückraum an. Da sind andere Nationen besser besetzt, da fehlen Deutschland die einfachen Tore von der Position aus. Ansonsten finde ich, dass das Team sehr gut besetzt ist. Am Kreis, auf Außen, und im Tor sowieso.

Was für einen Spielstil pflegt der Bundestrainer Christian Prokop? Kann man den mit einer Mannschaft aus der Oberliga Westfalen vergleichen?

Weil die leichten Tore aus dem Rückraum eben fehlen, muss Deutschland diese mit Tempospiel erzielen. Sie wollen Ballgewinne in der Abwehr und dann schnell umschalten. Insofern ähnelt das in etwa unserer Spielweise, auch wir haben ja unsere Stärke im Tempospiel.

Kann man sich da als Trainer was von Deutschland abgucken? Oder von anderen Mannschaften?

Ja, man kann schon Sachen erkennen. Es wäre jetzt aber zu viel, wenn ich sagen würde, dass man sich da Taktiken abgucken kann. Aber man kann schon gewisse Trends erkennen. Ich bin zum Beispiel gespannt, wie sich das Spiel mit dem siebten Feldspieler entwickelt (seit zweieinhalb Jahren darf man während des Spiels den Torwart gegen einen siebten Feldspieler austauschen, Anm. d. Red.). Das werde ich mir mal anschauen. Wir haben bei uns in der Oberliga zwei, drei innovativere Teams, die dieses Spiel schon komplett in ihr taktisches Programm aufgenommen haben. Wir aber nicht, ich bin da eher der konservative Trainertyp.

Wenn es einen Spieler der deutschen Nationalmannschaft gäbe, den Sie für Schalke verpflichten könnten - wer wäre das?

Da ich eher ein Abwehr-Liebhaber bin, würde ich mich glaube ich für Andi Wolff entscheiden. Nicht weil unsere Torhüter schlecht sind, nein, wir haben da zwei richtig gute Jungs. Aber so einen Andi Wolff im Tor zu haben, das ist natürlich nochmal was anderes.

War es denn die richtige Entscheidung von Christian Prokop, sich so früh und eindeutig auf Andreas Wolff als Nummer eins im deutschen Tor festzulegen?

So ganz nachvollziehen kann ich das nicht, wir machen es bei uns ja auch nicht so. Ich sehe die Not dazu beim Handball einfach nicht, eine klare Nummer eins zu haben. Allerdings bin ich natürlich nicht nah genug dran an der Nationalmannschaft, um das gut beurteilen zu können.

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