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Schalke-Elgert: Der Mensch steht nach wie vor im Vordergrund

„Der Mensch“, sagt Schalkes U-19-Trainer Norbert Elgert, „steht nach wie vor im Vordergrund.“

„Der Mensch“, sagt Schalkes U-19-Trainer Norbert Elgert, „steht nach wie vor im Vordergrund.“

Foto: firo Sportphoto / Volker Nagraszus

Gelsenkirchen.  „Wenn du in die Arena einläufst, dann musst du gut sein“, sagt Norbert Elgert, der 62-jährige Meisterschmied der Schalker Knappenschmiede.

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Klar: Wenn es darum geht, wo die zahlreichen Spieler herkommen, die aus der eigenen Nachwuchsabteilung den Sprung zu den Profis schaffen, fällt beim FC Schalke 04 unweigerlich ein Name: Norbert Elgert. Der 62-jährige Cheftrainer der königsblauen U-19-Fußballer ist sozusagen der Meisterschmied in der Knappenschmiede. Gerade erst wieder ist einer seiner Jungs, Levent Mercan, Profi geworden. Der sehr entscheidende Satz im ausführlichen Sport1-Interview fällt quasi mittendrin. „Der Mensch“, sagt Norbert Elgert, „steht nach wie vor im Vordergrund.“

Levent Mercan ist nach Nassim Boujellab und Ahmed Kutucu der dritte Elgert-Schüler, der kürzlich den Sprung zu den Profis der Königsblauen geschafft hat. „Es ist fast nicht möglich, immer wieder Spitzenjahrgänge zu haben. Ein Jahrgang, der im Durchschnitt sehr gut besetzt ist und der auch viele gute Einzelspieler mit Profi-Perspektive hat, kommt nicht immer vor“, sagt der Fußball-Lehrer. „Es gibt vollkommen unterschiedliche Jahrgänge, und deswegen ist es auch nicht möglich, permanent Spieler mit außergewöhnlicher Qualität nach oben zu bringen. Es ist uns trotzdem irgendwie gelungen.“ Wie? „Das hat sicherlich auch Gründe“, lautet die Elgert-Antwort.

Norbert Elgert: „Wenn du in die Arena einläufst, dann musst du gut sein“

Die Frage nach den Gründen muss unweigerlich folgen. Und? „Wir sehen den Fußball ganzheitlich“, sagt Norbert Elgert. Dass eben, siehe oben, der Mensch nach wie vor im Vordergrund steht. „Wir achten sehr darauf“, erzählt er, „dass wir Spieler ausbilden, die möglichst unter größtem Raum-, Gegner- und Zeitdruck den Ball beherrschen. Dann ist die Entwicklung der Spielintelligenz wichtig. Das Spiel ist immer schneller geworden. Du brauchst Spieler, die in der Lage sind, unter diesem großen Druck immer wieder Lösungen zu finden. Du musst athletisch unglaublich gut und mental stark sein.“

Elgert: "Du musst dein Ego zu Hause lassen"

Sehr entscheidend ist für Norbert Elgert: „Wenn du in die Arena einläufst, dann musst du gut sein, dein Ego zu Hause lassen.“ Dabei seien Einstellung, Anstrengungsbereitschaft, Willensstärke und Durchhaltevermögen eindeutig wichtiger als Talent.

Dabei holt Norbert Elgert sehr intensiv aus. „In unserer heutigen Gesellschaft wird Talent überbetont“, sagt er. „Du brauchst ein großes Talent als Grundvoraussetzung. Talent stellt dich an die Tür zum Profifußball, aber erst Einstellung, Willenskraft, Ausdauer, Anstrengungsbereitschaft und Charakter bringen dich durch diese Tür hindurch. Du brauchst vielmehr ein Talent dafür, Hindernisse und Schwierigkeiten zu überwinden, Probleme zu lösen. Bei uns ist es so, dass niemand den Sprung in den Profi-Kader schafft, ohne über einen ganz langen Zeitraum hart trainiert und gearbeitet zu haben.“

Die jungen Sportler sind in der heutigen Zeit viel zu sehr abgelenkt

Zur heutigen Gesellschaft gehört auch, dass sich viele junge Spieler, und nicht nur Fußballer, nicht mehr zu 100 Prozent auf ihren Sport konzentrieren (können). „Jeder Erfolg braucht eine Vorlaufzeit, circa zehn Jahre oder 10.000 Stunden intensives, intelligentes Training“, sagt Norbert Elgert, der sich einen Job im Schalker Aufsichtsrat vorstellen kann. „Da kommen viele Spieler gar nicht mehr hin, weil die Ablenkung in der heutigen Zeit viel größer ist als noch vor zehn, 20 Jahren.“

Durch Internet, die sozialen Medien, Spielkonsolen und Handys seien die Spieler viel mehr abgelenkt und bewegten sich eindeutig weniger auf dem Fußballplatz, meint er, als sie sollten. „Aber“, sagt Norbert Elgert, „du wirst ja nur besser durch entsprechendes Training, also brauchen sie entsprechend mehr Zeit. Wir versuchen, durch viel Training und viel Arbeit gegenzusteuern, aber auch durch intelligentes Training.“

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