Schalke

„Zwei Piccolo, und ich rede jeden in Grund und Boden“

Richtig gezählt? Oscar Siebert (rechts) bei der Jahreshauptversammlung mit Ex-Vizepräsident Herbert Schmitz und Jürgen Möllemann

Richtig gezählt? Oscar Siebert (rechts) bei der Jahreshauptversammlung mit Ex-Vizepräsident Herbert Schmitz und Jürgen Möllemann

Foto: imago sportfotodienst / imago/Horstmüller

Gelsenkirchen.  Vor 31 Jahren, am 19. September 1988, trat Günter Siebert zum dritten Mal als Schalke-Präsident ab. Eine denkwürdige Versammlung.

Es waren keine schönen Zeiten im Herbst 1988. Schalke krebste nach dem Abstieg aus der Bundesliga auch in der 2. Liga auf einem Abstiegsplatz herum, Trainer Horst Franz stand kurz vor dem Rauswurf – und dann auch noch das: Nach der Jahreshauptversammlung waren die Königsblauen auf einmal führungslos. Günter Siebert, der Präsident, stellte den Mitgliedern die Vertrauensfrage und warf danach hin. Sein dritter und letzter Abschied vom Amt des Schalke-Präsidenten. Es war am 19. September 1988, genau heute vor 31 Jahren.

Siebert stellte die Vertrauensfrage

Die Versammlung fand im Sportzentrum Schürenkamp statt, und wer dabei war, wird es nie vergessen. Denn eigentlich war der Käse schon längst gegessen, die Mitglieder hatten den dreiköpfigen Schalke-Vorstand mit Siebert an der Spitze schon entlastet, als der Präsident plötzlich die Vertrauensfrage stellte. Per Akklamation sollten die Mitglieder entscheiden, ob „Oscar“ im Amt bleiben sollte. Die Hände gingen hoch, und Siebert zählte durch. Allem Anschein nach hatten genug Königsblaue für „Oscar“ votiert, doch der trat ans Rednerpult und verkündete: „Ich stelle fest, dass ich das Vertrauen der Mitglieder nicht mehr habe. Jetzt ist Schluss.“

„Oscar“ hinterließ eine völlig entgeisterte Gesellschaft. Sollte sich Siebert so getäuscht haben? Schließlich konnte er, der Meisterspieler von 1958, die Menschen und die königsblauen Massen doch eigentlich wie kein anderer lenken und beeinflussen. Unvergessen seine Einschätzung über sich selbst: „Zwei Piccolo, und ich rede jeden in Grund und Boden.“ Stimmt. Zwei Bier durften es aber auch sein.

Absichtlich verzählt

Was also war an jenem 19. September 1988 im Schürenkamp geschehen? Der Legende nach hatte sich „Oscar“ bei der Abstimmung absichtlich verzählt. Hinterher erzählte er: „Die Mehrheit hatte für mich gestimmt, aber ich hatte genug. Ich hatte meine Arbeit geleistet.“

„Oscar“ Siebert verließ den Schalker Schreibtisch und zog endgültig weiter auf seine Insel nach Gran Canaria, wo er eine Kneipe betrieb und seine Schalker Geschichten noch jahrelang erzählte. Zwei Piccolo...

Schalke war plötzlich führungslos, sein Nachfolger wurde zwei Monate später ein gewisser Michael Zylka, der sich aber nur drei Tage im Amt hielt. Horst Franz wurde als Trainer auch entlassen und durch Didi Ferner ersetzt, und irgendwann kam Schalke wieder auf die Beine.

Günter Siebert starb am 16. Juni 2017 im Alter von 86 Jahren. Auf Schalke hat er ein Leben lang und auch noch danach einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Personen der Neuzeit, wenn man bedenkt, wer heutzutage alles auf Schalke wichtig sein soll.

Oder wird Frau Kornelia Toporzysek auch solche Spuren hinterlassen?

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