Fußball

Darum hat Fußballkreis Hagen VIP-Karten beim VfL Bochum

Der Screenshot der Homepage des VfL Bochum zeigt es: Der FLVW-Kreis Hagen/Ennepe-Ruhr (Mitte rechts) ist im „Business-Klub 1848“ vertreten.

Der Screenshot der Homepage des VfL Bochum zeigt es: Der FLVW-Kreis Hagen/Ennepe-Ruhr (Mitte rechts) ist im „Business-Klub 1848“ vertreten.

Foto: Homepage VfL Bochum

Hagen.   Dass der Vorstand des Fußball-Kreises vier VIP-Karten beim VfL Bochum hat, erstaunt heimische Kicker. Warum das so ist, erklärt der Vorsitzende.

Gehört der heimische Fußball-Kreis zu den Sponsoren der Profis vom VfL Bochum? Diese Frage stellte sich Hagener Vereins-Vertretern beim Blick auf die Homepage des Bochumer Zweitligisten: Dort wird der „FLVW-Kreis 13 Hagen/Ennepe-Ruhr“ im „Business-Klub 1848“ aufgelistet, zwischen Gerüstbau-Firma, Druck-Unternehmen und Marketing-Büro. Die Antwort: Weil der Kreis seit zwei Jahren vier VIP-Karten für die VfL-Spiele im Bochumer Ruhrstadion habe, wie der Kreisvorsitzende Peter Alexander auf Nachfrage bestätigte: „Das ist vom Verband genehmigt“, betonte Alexander: „Gedacht war es als Belohnung für Ehrenamtliche, Staffelleiter oder Schiedsrichter, weil wir so kostengünstig arbeiten.“ Noch am letzten Sonntag waren Hagener Kreismitarbeiter beim VfL-Spiel gegen Greuther Fürth in Bochums VIP-Lounge zu Gast, stellten Selfies mit Pop-Star Herbert Grönemeyer in soziale Netzwerke.

Der alle drei Jahre stattfindende Kreistag Ende März in Ennepetal verlief harmonisch, Diskussionsbedarf angesichts der Vorstands-Berichte und Wahlen gab es nicht. In der Folge allerdings hatten einige Vereinsvertreter angesichts des Kassenberichts und umlaufender Gerüchte Fragen, die sie offiziell weder beim Kreisvorstand noch beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) stellen wollten. Weil sie, so die Begründung, „Benachteiligungen ihres Vereins befürchteten“. Auf Nachfrage der WP nahm der Kreisvorsitzende Peter Alexander nun dazu Stellung. Und bestätigte etwa, dass der Kreis seit zwei Jahren mit Genehmigung des FLVW über vier VIP-Saisonkarten beim VfL Bochum verfüge.

Nach zwei Jahren gekündigt

„Wir sind einer der wenigen Kreise ohne eigene Geschäftsstelle, haben kein Büro, zahlen dafür also keine Miete“, erklärt Alexander. Ehrenamtliche Mitarbeiter würden die notwendigen Arbeiten von zuhause aus erledigen, für sie seien diese Karten als Belohnung gedacht. Wobei stets ein Vorstands-Mitglied die Nutznießer der Bochumer VIP-Tickets, die Haupttribünen-Sitzplatz und Zutritt in die VIP-Lounge inklusive Buffet und Getränken vor und nach dem Spiel beinhalten, begleite. Auf etwa 9000 Euro pro Jahr schätzt Alexander die Kosten für die vier Dauerkarten, die vom Verband für zwei Jahre genehmigt worden seien. „Ohne Okay des Verbandes wäre das nicht gegangen“, erklärt der Kreis-Chef und ergänzt: „Jetzt ist damit erstmal Schluss, im September haben wir die Karten gekündigt.“

In diesem Zusammenhang betonte Alexander zudem, dass es entgegen anderslautender Mutmaßungen keine monatlichen Pauschal-Vergütungen für Kreisvorstands-Mitglieder gebe. Einzig Stellvertreter Volker Rabiega, der die Kreiskasse verantwortet und monatlich die Finanzbelege beim Verband zur Prüfung einreichen muss, nehme die Ehrenamtspauschale von 720 Euro im Jahr in Anspruch. Dessen beim Kreistag vorgelegter - und dort ohne Diskussion zur Kenntnis genommener - Geschäftsbericht warf im Nachgang die Frage auf, warum die „sonstigen Ausgaben“ von rund 24.000 Euro in den Jahren 2016 und 2017 auf 55.280 Euro im letzten Jahr gestiegen sind. Auf Nachfrage erläutert Rabiega dazu, dass 2018 angesichts der guten Kassenlage des Kreises zusätzlich 30.000 Euro in die vom FLVW gegründete „Westfalen Sport-Stiftung“ geflossen sind.

Keine Fragen beim Kreistag

„Als Unterkasse des Verbandes haben wir darauf wenig Einflussmöglichkeiten“, betont der Kreiskassierer. Der FLVW, so ist es in der Finanzordnung festgeschrieben, unterhält in den Kreisen unselbständige Finanzstellen, die im Auftrag des Verbandes unter der Verantwortung des jeweiligen Kreiskassierers geführt werden. Und deren Revision alljährlich nicht von heimischen Kassenprüfern, sondern durch eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erfolgt. „Da haben wir in all den Jahren stets ein Testat ohne Beanstandung erhalten“, sagt Rabiega, der wie Alexander betont: „All diese Fragen hätten doch beim Kreistag gestellt werden können. Wir hätten dazu Stellung genommen, denn wir haben nichts zu verbergen.“

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