Basketball

Eine Negativserie wie noch nie bei Phoenix Hagen

Bange Blicke in der Schlussphase: Phoenix-Cheftrainer Chris Harris mit den Spielern und Coaches auf der Bank.

Bange Blicke in der Schlussphase: Phoenix-Cheftrainer Chris Harris mit den Spielern und Coaches auf der Bank.

Foto: Jörg Laube

Hagen.  Zehn Heimpleiten in Folge, das hat es in der Phoenix-Historie noch nie gegeben. Aber nur einen Sieg in einer Saison, Niklas Geske war dabei.

Zehn Heimniederlagen in Folge wie aktuell in der 2. Basketball-Bundesliga ProA, das hat es in der Historie von Phoenix Hagen noch nicht gegeben. Schon aber eine gesamte Saison mit nur einem einzigen sportlichen Erfolg am Ischeland. In der Spielzeit 2014/15 war das unter dem jetzt von den Fans schon geforderten Trainer Ingo Freyer, dennoch schaffte man dank neun Auswärtssiegen damals den Bundesliga-Klassenerhalt. Mit dabei war damals schon Aufbauspieler Niklas Geske, der im Sommer zu Phoenix zurückgekommen ist. „Die Situation ist anders, denn in der Bundesliga wurden Heimsiege nicht automatisch erwartet“, sagt der 24-Jährige, „jetzt gibt es die Erwartung, dass wir jeden schlagen können. Und das ist ja auch unser Anspruch.“

Gleich die ersten sieben Heimspiele verlor Phoenix - damals mit David Bell, Larry Gordon, Dino Gregory und Keith Ramsey als Leistungsträgern, dazu Spielern wie Urule Igbavboa, Zamal Nixon oder Todd Brown - im Herbst 2014. Das Nichtantreten der Crailsheim Merlins brachte dann einen Sieg am Grünen Tisch, dem später gegen die Tigers Tübingen der einzige auf dem Parkett am Ischeland folgte, ehe man erneut achtmal daheim patzte. Eine vergleichbare Situation zur aktuellen Lage, räumt Geske ein, zumal das Phoenix-Team auch vor fünf Jahren regelmäßig auswärts überraschend siegte: „Aber damals waren die Heimniederlagen nicht so schlimm wie sie es heute sind.“

Das merkte der Rückkehrer nun schnell. „Mir war nicht bewusst, wie tief der Stachel der Heimniederlagen nach der letzten Saison bei den Fans noch saß“, räumt er ein. „Gegen Chemnitz nach unserer guten Leistung hat man es nicht gemerkt, aber schon nach dem Artland-Spiel hat sich das ja entladen.“ Die jüngste Partie gegen das Team Ehingen Urspring verfolgte Geske nach einer starken Erkältung („Ich bin immer noch nicht fit, nach 20 Minuten Bewegung geht der Husten los“) weitgehend von der Ersatzbank aus. „35 Minuten war das ja ganz gut, dann hat bei allen wieder der Kopf zugemacht, obwohl wir uns weiter freie Würfe erarbeitet haben“, beschreibt er seine Sicht: „Bei jedem Ehinger Treffer haben wir gedacht, oh, jetzt geht es wieder los. Und die ganze Halle leidet mit.“ Man spüre eine „Angst vor dem Verlieren“.

Eine Erklärung für das beständig wiederkehrende Phänomen, dass das Phoenix-Team in der Schlussphase von Heimspielen dem Druck nicht gewachsen ist, hat auch Geske nicht. „Ein schwieriges Thema. Aber es ist sicher nicht förderlich, wenn es den Spielern Tag für Tag in Erinnerung gerufen wird“, sagt er, „wir dürfen nicht den Heimfluch bezwingen wollen, sondern müssen ein normales Basketball-Spiel spielen.“ Das sieht auch Ehingens Coach Domenik Reinboth so, dessen Team am Samstag vom Hagener Einbruch profitierte: „Wenn man anfängt, darüber nachzudenken, wird es nicht besser.“

Auch angesichts des sich verstetigenden Heimkomplexes habe man einen Mental-Coach eingestellt, so Harris, seit der Vorbereitung ist Sportpsychologe Sebastian Altfeld projektbezogen eingebunden. „Wir bewaffnen die Jungs mit Werkzeugen, wie sie mit dem Druck umgehen können“, sagt Harris: „Die waren offensichtlich bisher nicht vorhanden.“ Er sei optimistisch, dass dies bald wirke.

Nasenbeinbruch bei Baumann

Das gilt auch für Geschäftsführer Patrick Seidel, der das Ehingen-Spiel wegen einer Schulter-OP nur am Bildschirm verfolgen konnte. „Das Stimmungsbild bei Sponsoren und Fans ist natürlich ganz schwierig“, weiß er, „aber die gleichen Spieler, die zuhause regelmäßig versagen, haben ja etwa in Trier komplett solide bis zum Ende gespielt.“ Die Mannschaft sei in der Lage, gegen gute Mannschaften zu gewinnen, ist er mit Blick auf die nächsten schweren Spiele überzeugt: „Sie tut sich ja immer leichter gegen Top-Teams, spielt da konstanter und fokussierter.“ Personelle Veränderungen, das betont er, seien „Stand heute“ nicht vorgesehen: „Das ist momentan auch nicht finanzierbar.“ Allenfalls nach Gesprächen mit den Klub-Gremien in den nächsten Wochen könne dies anders aussehen. Wobei Phoenix ein weiterer Ausfall droht: Center Javon Baumann erlitt in der Schlussphase einen Nasenbeinbruch, die Nase musste im Krankenhaus gerichtet werden. Ob und wie lange er ausfällt, ist noch offen.

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