Fussball

Große Not: In Hagen fehlen schon 50 Schiedsrichter

Schiedsrichterin Sandra Föhrdes pfeift hier die Landesliga-Partie zwischen dem SSV Hagen und RW Erlinghausen. Von ihrer Sorte fehlen im Fußballkreis Hagen/Ennepe-Ruhr zurzeit 50 Unparteiische.

Schiedsrichterin Sandra Föhrdes pfeift hier die Landesliga-Partie zwischen dem SSV Hagen und RW Erlinghausen. Von ihrer Sorte fehlen im Fußballkreis Hagen/Ennepe-Ruhr zurzeit 50 Unparteiische.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Der Fußballkreis Hagen/Ennepe-Ruhr hat ein Schiedsrichter-Problem. Berichte über Angriffe in den unteren Amateur-Ligen sorgen für Verunsicherung.

Der Einsatz eines Fußball-Schiedsrichters könnte so angenehm sein: Mit Vorfreude erfolgt die frühzeitige Anreise zum Sportplatz, 90 Minuten lang so viel wie möglich richtig machen und gute Entscheidungen treffen. Danach wartet noch der Spielbericht und die verdiente Dusche, ehe es wieder nach Hause geht. Für die Unparteiischen im Kreis Hagen/Ennepe-Ruhr sieht die Realität allerdings anders aus.

Pro Spieltag gibt es im Jugend- und Seniorenbereich im heimischen Kreis etwa 170 Spiele, doch nur 130 aktive Schiedsrichter. Davon werden regelmäßig auch noch welche als Assistenten für Partien auf Verbandsebene abgestellt. Sprich: Hagen hat ein Schiedsrichterproblem. „Für viele Schiedsrichterkollegen geht es nach dem Abpfiff nicht unter die verdiente Dusche, sondern direkt weiter zum nächsten Spiel. Ein unglaublicher ehrenamtlicher Einsatz, damit möglichst viele Vereine ihre Spiele unter sportlich fairen Bedingungen mit einem neutralen und ausgebildeten Spielleiter durchführen können“, schildert Magnus Fischer, Lehrwart beim Kreisschiedsrichterausschuss.

Für zwei Spiele am Tag oder bis zu vier Spiele am Wochenende würden die Ansetzer Dirk Liermann und Robert Starke die Schiedsrichter des Kreises ansetzen, die dazu bereit sind. „Oft müssen trotzdem Spiele unbesetzt bleiben oder Schiedsrichter fallen kurzfristig aus“, erklärt Magnus Fischer.

Notdienste abgeschafft

Der Schiedsrichtermangel in Hagen zeichnet sich schon länger ab, wie der Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses, Patrick Lepperhoff, erklärt: „Das ist ein schleichender Prozess und schon lange ein Thema. Das verstärkt sich aber immer mehr. Wir haben aktuell insgesamt knapp 150 Schiedsrichter und laut Soll bräuchten wir eher 200.“ Daher wurde auch der Notdienst abgeschafft. Bei einem Schiedsrichterausfall in den Kreisligen A und B konnten Vereine bisher einen Notdienst anrufen, um Ersatz auf Abruf zu bekommen. Dieser war aufgrund von Schiedsrichtermangel aber nicht mehr bedienbar. Nun müssen dann Betreuer der Vereine pfeifen.

Schlagzeilen ein Dorn im Auge

Auch wenn Lepperhoff die Notwendigkeit der Berichterstattung nachvollziehen kann, sind ihm die aktuellen Medienberichte ein Dorn im Auge. Denn die Nachrichten über Unparteiische, die bei Fußballspielen in den unteren Amateur-Ligen gewalttätig angegangen werden, würden sich häufen. „Da überlegt man sich als Vater, ob man seinen 15-jährigen Sohn zu einem Schiedsrichter-Lehrgang schickt. Bei 99,9 Prozent der Partien passiert auch nichts, aber in den Medien werden die 0,1 Prozent dann natürlich wahrgenommen“, so Lepperhoff.

Die Frage ist nun, wie der Schiedsrichterausschuss neue Unparteiische dazugewinnen kann. Zum einen über Werbung in den Vereinen, aber auch über einen abgespeckten Lehrgang.

„Wir führen nur noch Kompaktlehrgänge durch, so dass man innerhalb von einem Wochenende Schiedsrichter werden kann. Es geht freitags los und dienstags ist dann Prüfung. Darüber hinaus sind kontinuierlich die Spesen erhöht worden“, erklärt Lepperhoff.

Nach dem Lehrgang geht es typischerweise erstmal in der C-Jugend auf Kreisebene los. Man könne aber schnell „Karriere“ machen: „Auf Kreisebene kommt man unkompliziert und schnell nach oben. Die Schiedsrichter werden die ersten Spiele von außen betreut und bei administrativen Tätigkeiten unterstützt. Dann werden sie von Zeit zu Zeit beobachtet und können dann bei guten Leistungen in höheren Klassen eingesetzt werden. Über die Kreisliga A hinaus müssen sie vom Kreis an den Verband gemeldet werden“, erklärt Lepperhoff.

Der nächste Kompaktlehrang findet am 15. November in der LenneArena in Hohenlimburg statt. Anmeldung und Information auf unter „Schiedsrichter werden“ oder über die Vereine. Man muss Mitglied in einem Verein sein. Die Vereine tragen die Kosten für den Lehrgang.

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