Corona-Folgen

Hagen/EN-Kreis: Fitness-Studios mit dem Rücken zur Wand

Verwaister Kraftraum: Wie in allen anderen Fitnessstudios bleiben die Geräte im Come In in Hohenlimburg seit November ungenutzt.

Verwaister Kraftraum: Wie in allen anderen Fitnessstudios bleiben die Geräte im Come In in Hohenlimburg seit November ungenutzt.

Foto: Fabian Sommer

Hagen/Wetter/Gevelsberg  Die Fitnessstudios schlagen Alarm, ihre Lage in der Pandemie spitzt sich zu. So ist die Situation in Hagen, Wetter und Gevelsberg:

Die Fitnessstudios schlagen Alarm. In einem offenen Brief richtet sich der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) erneut an die Politik. „Wir haben bereits im November vergangenen Jahres als DSSV mittels unserer Forderung nach einem branchenspezifischen Nothilfeprogramm darauf aufmerksam gemacht, dass wir mit einem milliardenschweren Branchen-Verlust rechnen“, heißt es. Die Lage habe sich zugespitzt und sei „als äußerst prekär zu bewerten“, da die Branche nun seit mehr als fünf Monaten ohne echten Umsatz sei. Das können die heimischen Fitness-Studios in Hagen und dem Ennepe-Ruhr-Kreis nur bestätigen. „Es ist eine Katastrophe für alle Betriebe“, meint etwa Udo Pietruck von : „Viele Studios stehen mit dem Rücken zur Wand und werden nicht wieder öffnen.“ So ist die Lage in drei Fitness-Studios in Hohenlimburg, Gevelsberg und Wetter:

Keine Neukunden

Gerade die ersten beiden Monate des Jahres seien in der Fitnessbranche sonst die umsatzstärksten, erklärt der DSSV, es werden die meisten Neuverträge abgeschlossen. Das bestätigt Thorsten Kielmann, Geschäftsführer des , zu dem auch die beiden Come-In-Filialen in Hagen gehören: „Gerade der Januar ist unser erfolgreichster Monat“, kennt er die vielen Vorsätze, die um den Jahreswechsel gefasst werden. Das Injoy versucht aktuell, über ein Online-Angebot das Interesse der Mitglieder aufrecht zu halten: „Wir haben die Kursanzahl noch einmal erweitert und bieten an, Trainings- oder Ernährungspläne telefonisch mit den Mitgliedern auszuarbeiten.“ Eine dauerhafte Lösung sei das allerdings nicht, es fehlten die Neuanmeldungen: „Kündigungen kommen immer rein, das ist ja ganz normal. Aber kaum jemand meldet sich im Moment neu an.“ Bei einer Wiedereröffnung müsse das Studio somit mit einem deutlich kleineren Kundenstamm rechnen – bei gleichbleibenden Kosten.

„Viele Leute setzen sich am Anfang des Jahres das Ziel, sportlich aktiver zu sein. Daher ist es besonders schmerzhaft für uns, wenn wir in dieser Zeit keine neuen Kunden akquirieren können“, sagt auch Hannah Danowski, Inhaberin des Studios : „Wir haben eine gute Community und Kunden, die unser Online-Programm nutzen. Aber man weiß nie, wie es weitergeht. Wir müssen von Monat zu Monat bangen und machen uns schon Sorgen.“ Und FSW-Sports-Inhaber Udo Pietruck betont: „Unser Neukundengeschäft ist komplett weggebrochen. Wenn die Restaurants wieder aufmachen, haben die Leute wieder Lust darauf und kommen zurück. Wenn wir wieder aufmachen, ist da erstmal niemand.“

Keine Hilfszahlungen

Mit den von der Politik zugesicherten Hilfszahlungen ist der DSSV nicht zufrieden: „Die Gelder der November- und Dezemberhilfe sind bis dato gar nicht oder aber nur in geringen Maßen, als Abschlagszahlung, an die Unternehmen geflossen.“ Zudem seien die Hilfen aufgrund ständiger Erweiterungen und Änderungen zu komplex, die Antragsberechtigungen zu unübersichtlich. Das habe große Auswirkungen auf die Liquidität der meisten Betriebe, die nun aufgebraucht sei. „In der momentanen Situation zählt jeder Tag.“

Eine Aussage, die Thorsten Kielmann bestätigen kann: „Wir haben bisher nur Abschlagszahlungen erhalten, die in etwa ein Drittel abdecken.“ In Gevelsberg, so Hannah Danowski, habe man bisher noch keine Auszahlung der November- und Dezemberhilfen erhalten: „Obwohl wir sie dringend brauchen.“ Auch Udo Pietruck sagt, er habe bisher nur einen Bescheid, aber kein Geld bekommen: „Und für den Januar weiß ja auch keiner genau, ob Hilfe kommt. Die berühmte Bazooka ist nur eine Luftpistole.“ So fordert der DSSV nachdrücklich: "Wir möchten Sie daher nachdrücklich auffordern, die zugesagten Hilfsgelder umgehend auszuzahlen und den wirtschaftlichen Ruin unserer Betriebe zu stoppen!"

Keine Aussichten

Dass sich die Fitnessstudios angesichts auf eine schnelle Wiedereröffnung einstellen können, ist unrealistisch. "Eine Aussicht auf Wiedereröffnung wurde bis dato nicht gestellt", bemängelt der DSSV. „Wir wurden sehr früh geschlossen, weil Fitnessstudios angeblich ein Infektionsherd seien“, sagt Kielmann und ergänzt: „Wir wünschen uns natürlich schnell wieder aufmachen zu können, glauben es allerdings nicht.“ Die Studios seien geschlossen, weil die Gesundheit geschützt werden solle, allerdings sei Sport auch wichtig für das Immunsystem, hebt Hannah Danowski hervor: "Es wäre schön, wenn auch das berücksichtigt würde und wir mehr Unterstützung erhalten würden." Und bei den Finanzhilfen müsse genauer auf den Einzelfall geschaut werden. „Wir sind erst Anfang 2020 mit unserem Studio von Hattingen nach Gevelsberg umgezogen, das war mit außerplanmäßigen Kosten verbunden und hat uns zusätzlich belastet, als kurz danach der erste Lockdown kam“, sagt sie: „Aber dafür erhalten wir keine Unterstützung, weil nur Einnahme-Ausfälle im Vergleich zum Vorjahr berücksichtigt werden.“

Udo Pietruck wiederum ist grundsätzlich von der Politik arg enttäuscht. „Unsere Branche wird allein gelassen, die hat die Politik komplett vergessen. Entweder ein richtiger Lockdown, wo alles dicht ist, auch die großen Firmen und Steuerzahler – oder man lässt es bleiben“, sagt der FSW-Sports-Inhaber und fordert: „Man sollte im Einzelfall entscheiden, wer ein gutes Konzept hat. Ich behaupte, unser Studio ist in Wetter momentan der sicherste Ort.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben