Basketball-Schiedsrichter

Hagener Kult-Schiri Hüppop: „Wir müssen respektvoll bleiben“

Udo Hüppop (71) ist Basketballschiedsrichter und in der heimischen Sportszene Kult. 

Udo Hüppop (71) ist Basketballschiedsrichter und in der heimischen Sportszene Kult. 

Foto: Jörg-Lutz Schiffer

Hagen.  Udo Hüppop ist ein Hagener Schiri-Original. Ein Mann mit kleiner Rente, der mit 71 immer noch pfeift. Er appelliert an die heimische Sport-Szene.

700 Euro Rente hat Udo Hüppop (71) im Monat. „Schreibt das ruhig. Ich bin ehrlich zu mir selbst und auch zu anderen“, sagt er. Warum ist das so wichtig zu erwähnen, so eine sensible private Info? Weil es einer der drei wichtigen Gründe ist, warum der schlanke Mann mit dem streng-schelmischen Blick über den Brillenrand überhaupt zu einem der Basketball-Schiedsrichter in Hagen werden konnte, der einen gewissen Kult-Status genießt. Ein Gespräch zum Start der Basketball-Saison im Amateurbereich mit einem von jenen Menschen, die durch ihr Engagement dafür sorgen, dass Ligasport überhaupt funktionieren kann.

„Der Hüppop pfeift“. Ganz sicher, wer Basketball spielt in Hagen oder Kinder hat, die es tun, der wird diesen Satz schon mal gehört oder ausgesprochen haben. Udo, ein Original. Etwas kleiner, etwas älter, etwas eigen und ziemlich ausgefuchst.

Fouls zeigt er oft nicht in der üblichen Pose – eine Faust nach oben, einen ausgestreckten Arm auf den Foulenden – an, sondern mit Pfeife im Mundwinkel und Zeigefinger auf den Täter. Er rennt auch nicht zum Anschreibetisch, um die Fouls dort anzuzeigen: er schlendert. Und allen Handreichungen und Empfehlungen von Verbänden zum Trotz: Es hat 25 (!) Jahre gedauert, bis Hüppop einem aufmüpfigen Spieler ein so genanntes technisches Foul für eine Undiszipliniertheit verpasst hat. „Wofür auch? Mich interessiert das nicht, was die Motzer sagen. Wenn man diese Besserwisserei an sich ranlässt, ist man verraten und verkauft. Dann pfeift man nämlich nur, um es anderen recht zu machen. Und nicht mehr richtig.“

Interessant ist, dass das bei Hüppop nicht bedeutet, dass er ganz arrogant die Ohren auf Durchzug stellt und als Schiedsrichter glaubt, er sei unfehlbar. Aber er hat sich so eine altersmilde Gelassenheit zugelegt, mit der er die Schultern anhebt und gerne auch mal zum schimpfenden Spieler sagt: „Ja, was soll ich mit dir machen? Es ist nu’ ma’ Foul.“

Steht so in keinem Lehrbuch und wird auch nicht gecoacht. Sein Verhalten deeskaliert die Lage aber meistens ohne Ahndungen, ohne Zoff und am Ende gibt man sich die Hand. „Ich will doch eigentlich auch nur, dass die Leute ein schönes Spiel machen. Es braucht sich niemand aufzuregen“, sagt er. „Das ist es doch nicht wert.“

Viele Jahre als Einzelhändler

So viele wie ihn in der Hagener Sportszene kennen, genau so viele kennen den Menschen hinter dem orangefarbenen Schiedsrichterhemd auch nicht. Hüppop hat sein Leben lang gearbeitet. Selbstständig als Chef des Lebensmittelladens, den ihm sein Vater übergab. Bis die großen Discounter angriffen und das einst so persönliche Geschäftsmodell wegpusteten. Er fuhr Zigaretten aus für einen großen Tabakhändler, er führte einen Schulbedarfsladen. Am Ende dieses von viel Eigeninitiative geprägten Arbeitslebens steht das Schicksal, das viele Selbstständige ereilt. Eine fast schon symbolische Rente. „Machen wir uns nichts vor. Ich bin auf die 25 Euro, die es pro Spiel gibt, angewiesen. Ich pfeife 100 Spiele pro Saison. So finanziere ich mir den Alltag und kann auch mal in den Urlaub fahren. So ist das eben.“ Hüppop hat drei Kinder und lebt mit seiner langjährigen Partnerin zusammen.

Das Geld allein hat Hüppop aber nicht an die Pfeife gebracht. Mit 40 Jahren begann er erst Basketball zu spielen. Beim RSC Hagen. Er legte dann los, wenn anderen schon alles weh tut. „Das habe ich dann auch schnell gemerkt. Aber ich wusste, dass ich etwas brauche, wo ich die nächsten Jahre gezwungen sein werde, über eine bestimmte Dauer zu laufen und mich zu bewegen. Also habe ich einen Schiedsrichterschein gemacht.“ Auf Verbandsebene pfeift Hüppop bis in die Landesliga. Er pfeift auch Vorbereitungsspiele von Regionalligisten und zahlreiche Jugend- und Kreisligaspiele. „In der Sporthalle zu sein, ist Teil meines Lebens. Und ich glaube, dass ich zwar auch meine Kanten habe, aber überall, wo ich hinkomme, sind die Menschen nett und fair zu mir. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir das nicht auch ein bisschen wichtig ist.“

Das Spiel ergibt sich einfach

Ein Spiel muss gespielt werden. Von den Spielern. Wie einfach das eigentlich klingt. Wenn zwei große Center sich auch mal abseits des Regelwerkes bekämpfen und beide nicht daran zugrunde gehen, dann schaut Hüppop sich das gerne an. „Lass die Jungs doch machen. Wenn es im Lokalsport Derbys gibt, dann geht es zur Sache. Ich bin doch nicht so blöd und bin am Ende derjenige, der die Spiele entscheidet, weil er streng aufs Regelbuch geguckt hat. Das ergibt sich doch.“ Eine Sache aber, die scheint sich nicht wieder so leicht zu legen. Der Wandel hin zu weniger Respekt, zu weniger Fairness. „Wir haben im Fußball schon Probleme, dass Schiedsrichter angefeindet werden. Wir müssen aufpassen, dass der Basketballsport da nicht hinsteuert. Das ,Wie’ entscheidet. Wenn ein Spiel anfängt, dann haben wir doch alle ein Ziel. Wir wollen einen starken Nachmittag oder Abend haben. Das geht nur, wenn wir alle respektvoll zueinander sind.“

Wie lange kann ein 71-jähriger Schiedsrichter noch mithalten. „Ich denke nur noch von Saison zu Saison. Es wird immer schwerer, noch hinter das Spielfeld zu kommen. Schon in der Landesliga schalten manche Teams so schnell um, dass die einem schon wieder entgegenkommen können, wenn man nicht mehr schnell genug ist. Ich würde dann aufhören.“.

Und bis dahin? „Tja, bis dahin bleibe ich bei meinem Motto: „Lass die Spieler spielen und lass die Motzereien nicht an dich ran.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben