Schwimmen

Coronakrise: SG Ruhr ist nicht mehr in ihrem Element

Michelle Pschuk und die Schwimmer der SG Ruhr können im Moment nicht im Wasser trainieren.

Michelle Pschuk und die Schwimmer der SG Ruhr können im Moment nicht im Wasser trainieren.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Hattingen/Bochum/Herne/Witten.  Die Bäder haben geschlossen, weshalb der SG Ruhr Wasser zum Training fehlt. Manche Sportler haben aktuell aber besondere Möglichkeiten.

Auf dem trockenen zu sitzen, das kennen Schwimmer immer mal wieder, wenn Bäder aufgrund von Renovierungsarbeiten oder plötzlich auftretenden Schäden eine kurze oder auch längere Weile schließen müssen. Oft gibt es dann noch Alternativen. In der Coronakrise ist dies nicht so. Alle öffentlichen Bäder sind geschlossen. Die Schwimmer der SG Ruhr sind nicht mehr in ihrem Element. Dabei sind gerade sie es, die bei Wettkämpfen häufig neue persönliche Bestzeiten aufstellen und sich sichtbar steigern.

Die Zwangspause fällt für die Aktiven unterschiedlich aus. Je nach Möglichkeiten, die zuhause vorhanden sind. „Wir haben individuelle Trainingspläne durchgegeben, mit drei bis vier Ausdauereinheiten pro Woche“, erzählt Christoph Kreutzenbeck, der Trainer der ersten Mannschaft. Wichtig ist, dass seine Schützlinge in Form bleiben. Dabei stehen mögliche künftige Medaillen im Hintergrund. Denn: „Wenn unsere Schwimmer längere Zeit nicht auf dem Niveau trainieren, das ihr Körper gewohnt ist, könnten sie unter Umständen gesundheitliche Probleme bekommen“, merkt der Trainer an. Im Sommer haben die Sportler vier Wochen Pause am Stück, davor und danach ist der Körper aber Belastungen gewohnt.

Technik der Schwimmer leidet unter zu langer Pause

Das Wasser, also das Element, in dem sich die Schwimmer bewegen, fehlt ihnen sehr. „Wenn sie schon mal drei Tage wegen einer Krankheit ausfallen, merken sie, dass es nicht ganz rund läuft. Man fühlt sich nicht wohl“, erklärt Kreutzenbeck.

Vom Beckenrand sei nach einer längeren Pause auch anhand der Techniken sichtbar, wenn jemand eine Zeit lang nicht trainieren konnte. Je jünger die Sportler sind, desto weniger seien die Bewegungsmuster verfestigt. Je länger die Pause andauert, umso mehr Eingewöhnungszeit benötigen die Schwimmer hinterher.

SG Ruhr erzielt auf kleineren Wettkämpfen in Normalform Medaillenflut

Dabei ist das Ziel, vielfältig zu sein, für mehrere Disziplinen und auf mehreren Streckenlängen gute Leistungen zu bringen. Vor allem bei den kleinen Wettkämpfen erzielt die SG Ruhr so oft eine Medaillenflut. Und so gibt es immer wieder Möglichkeiten, sich auch neben den Paradedisziplinen für weitere Strecken auf höherer Ebene zu qualifizieren. „Teilweise verbessern sich die Schwimmer dabei enorm und es springen am Ende deutliche Bestzeiten heraus“, weiß Kreutzenbeck.

Nun müssen Alternativen für das Training her. Glück dabei haben die Brüder Lasse und Mika Dumke. Sie können in der Aktivpraxis in Hattingen trainieren. Denn sie musste wie alle Fitnessstudios geschlossen werden, ihr Vater Tilman betreibt sie allerdings (gemeinsam mit Silke Hestert), so haben die beiden einen Zugang zu verschiedenen Trainingsgeräten. „An sich macht es mir richtig Spaß, mal andere Reize zu setzen, aber das Wasser fehlt mir schon“, sagt Lasse Dumke, der außerdem Joggen geht.

Seltsame Situation für Bochumer Schwimmerin

Seltsam fühlt sich die Bochumerin Michelle Pschuk derzeit ohne Schwimmbecken. Sie macht viel Landtraining, geht laufen oder fährt Rad. „Das finde ich auch nicht schlecht, auch wenn Laufen absolut nicht meins ist. Dann merke ich immer, wie sehr ich das Schwimmen vermisse“, merkt sie an. Sie befürchtet, dass sie sich verschlechtert – auch wenn es den anderen genauso geht. Zudem vermisst sie ihre Trainingsgruppe. „Wir telefonieren regelmäßig abends über Skype, um uns wenigstens dort zu sehen. Sonst ist es schon sehr langweilig“, gesteht die Sportstudentin. Um die Gesundheit anderer zu schützen, verzichtet sie allerdings doch gerne auf den normalen Trainingsalltag.

Til Schmidt aus Herne hat einen Vorteil: er ist in Besitz eines Schwimmergometers und kann darauf die Bewegungen im Wasser simulieren. „Das nutze ich zweimal am Tag für ein schwimmspezifisches Krafttraining und gehe zusätzlich auf Crosstrainer und Fahrradergometer“, sagt der Schüler, der bedauert, dass kein normales Training im Wasser möglich ist.

Examen ist Wittenerin wichtiger als Training

Etwas zurück nimmt sich ohnehin zurzeit Dana Volmerhaus. „Im Moment bin ich sowieso in der Examensvorbereitung für mein erstes juristisches Staatsexamen im Mai“, erzählt die Wittenerin. Daher liege ihr Fokus aktuell weniger auf dem Schwimmen. „Es fehlt mir definitiv, aber das Examen ist nun wichtiger“, so Volmerhaus, die dennoch joggen geht und über Videos auf Youtube zuhause Workouts macht.

Einer der Schwimmer der SG Ruhr hat in den vergangenen Tagen dann doch mal im Wasser gelegen: Moritz Krümmel, der in Lippstadt wohnt. „Er hatte in der Nachbarschaft die Möglichkeit, in einen kleinen Pool zu gehen. Dort hat er sich mit einem Seilzug festgebunden und ist dann auf der Stelle geschwommen“, erzählt sein Trainer.

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