Tischtennis

TTC Ruhrstadt Herne zieht sich aus der 3. Liga zurück

Eine Geste, die zur Nachricht vom Bundesliga-Aus des TTC Ruhrstadt passt: Petr Korbel (fünffacher Olympia-Teilnehmer) während eines Spiels der Herner gegen Borussia Düsseldorf. 2011 war das.

Eine Geste, die zur Nachricht vom Bundesliga-Aus des TTC Ruhrstadt passt: Petr Korbel (fünffacher Olympia-Teilnehmer) während eines Spiels der Herner gegen Borussia Düsseldorf. 2011 war das.

Foto: STEFAN AREND / WAZ

Herne.  Die Zeit, dass im heimischen Tischtennis auf Bundesliga-Ebene gespielt wird, ist vorbei. Der TTC Ruhrstadt Herne zieht sich aus Liga drei zurück.

Wie in allen anderen Sportarten ruht auch im Tischtennis der Ball. Noch gibt es keine Aussage des DTTB oder des Landesverbandes WTTV über die Dauer der Spielpause.

Ob die laufende Saison überhaupt zu Ende gespielt werden kann, wird davon abhängen, wie lange noch die Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus laufen.

Unabhängig davon ist aber eine Entscheidung darüber gefallen, ob es in der kommenden Saison noch weiter Tischtennis auf Bundesliga-Niveau in Herne geben wird.

Nachdem die Frist des DTTB für die Lizenzbeantragung am 15.3. abgelaufen ist, steht jetzt fest, dass diese Frage mit „Nein“ beantwortet werden muss.

TTC Ruhrstadt Herne hat die Frist verstreichen lassen

Der TTC Ruhrstadt Herne hat diese Frist verstreichen lassen, weil die finanziellen Voraussetzungen, für den Spielbetrieb in der 3. Bundesliga Nord nicht mehr gegeben sind. Über die Gründe spricht Vorsitzender Arthur Schemp im Interview hier.

Damit geht eine langjährige Tradition des Tischtennis-Sports in der Stadt auf höchstem Niveau zu Ende, die bereits 1981 ihren Anfang nahm.

1981 schafft der DSC Wanne den Aufstieg in die 2. Bundesliga

Damals schaffte der DSC Wanne-Eickel den Aufstieg in die neu gegründete, damals noch vierteilige 2. Bundesliga West.

Der erste Auftritt eines Herner Tischtennis-Vereins in der zweithöchsten deutschen Liga endete bereits nach einem Jahr.

Ihm folgten aber noch zwei weitere jeweils einjährige Gastspiele des DSC in den Saisons 84/85 und 86/87.

Auch Germania Holthausen spielt in der 2. Liga

Es sollte 15 Jahre dauern, bis mit der DJK Germania Holthausen ein weiterer Herner Tischtennis-Verein den Aufstieg in die 2. Liga Nord schaffte und dank des Engagements seines damaligen Vorsitzenden Peter Kukovic dort zu einer führenden Größe heranwuchs.

2008 wurde man erstmalig Meister, verzichtete aber auf den Aufstieg in die erste Liga. Im gleichen Jahr benannte sich der Verein in den TTC Ruhrstadt Herne um. Ein Jahr vorher war man in die in Eigenregie erbaute Ruhrstadtarena umgezogen.

TTC Ruhrstadt wagt 2010 den Schritt in die DTTL

2010 gelang erneut die Meisterschaft in der 2. Bundesliga und diesmal wagte man den Schritt in die DTTL, wie sich die 1. Liga im Tischtennis nennt. Von Anfang an aber stand das Abenteuer in der zweitbesten TT-Liga der Welt finanziell auf schwachen Beinen.

So konnte man mit den Eintrittsgeldern gerade einmal die Kosten decken, die vor jedem Heimspiel mit dem Einbau der Sitztribünen aufgewendet werden mussten und die Sponsorengelder reichten hinten und vorne nicht für die enormen Ausgaben, die mit einer konkurrenzfähigen Mannschaft und dem Spielbetrieb in der DTTL verbunden waren.

Erstliga-Aus kommt im Dezember 2012

Dennoch reichte es für den Klassenerhalt nicht nur im Aufstiegsjahr auf Rang acht, sondern auch in der folgenden Spielzeit, die man auf Platz sieben beendete. Das Aus kam im Dezember 2012, als der Verein sich nicht mehr in der Lage sah, die vom Verband angekündigten Auflagen zu erfüllen und freiwillig den Gang in die zweite Liga antrat.

Dort spielte der TTC Ruhrstadt bis zur Saison 2015/16 und danach bis heute in der 3. Bundesliga Nord. Dort steht die Mannschaft zurzeit auf dem drittletzten Tabellenplatz und hätte rein sportlich gute Chancen, die Klasse auch im nächsten Jahr zu halten.

Tischtennis auf diesem Niveau gehört in Herne damit auf unbestimmte Zeit der Vergangenheit an.

Viele großartige Spieler traten für Ruhrstadt an

Ebenso wie die Namen der großartigen Spieler, die in den letzten Jahren hier zu bewundern waren, wie z.B.: David Daus (Deutscher Meister im Doppel), Jun Mizutani (ehemaliger Dritter der Weltrangliste), Seiya Kishikawa (Jugend-Weltmeister), Ricardo Walther (Anfang März dieses Jahres Deutscher Meister im Einzel geworden), Petr Korbel (fünffacher Olympiateilnehmer), Lars Hielscher (aktuell Co-Trainer Nationalteam), Jakub Kosowski (mehrf. Polnischer Meister), Anton Källberg (Schwedischer Meister), Kanak Jha (jüngster USA Olympia-Teilnehmer aller Zeiten) und noch viele, viele mehr.

Ex-Herner Walther ist gerade Deutscher Meister geworden

Mit Ricardo Walther (Borussia Düsseldorf) ist gerade ein früherer Herner Spieler Deutscher Tischtennis-Meister im Einzel geworden.

Vor wenigen Wochen gewann er in Chemnitz mit 11:8 das Finale in Chemnitz gegen Benedikt Duda (TTC Schwalbe Bergneustadt) und gewann seinen ersten Deutschen Einzeltitel.

Mit dem TTC Ruhrstadt Herne war Walther 2009/2010 Meister der 2. Bundesliga Nord geworden, war dabei der beste Spieler im mittleren Paarkreuz der Liga. In der ersten Liga spielte der damals 18-Jährige dann nicht mehr für die Herner, sondern blieb in der zweiten Liga, wechselte zum TTC indeland Jülich.

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