Fußball

Alte Försterei statt Hembergstadion

André Juchum (li., mit Christian Hampel) fühlt sich wohl bei Union Berlin.

André Juchum (li., mit Christian Hampel) fühlt sich wohl bei Union Berlin.

Foto: Markus Wassmuth

Iserlohn.  André Juchum und sein neues Betätigungsfeld bei Union Berlin.

Eigentlich sollte in dieser Saison ja alles besser werden. Fußball-Westfalenligist FC Iserlohn hatte seinen Kader aufgestockt, um nicht wieder in personelle Engpässe zu geraten wie in der reichlich desaströsen letzten Serie. Mehr Betrieb im Training bedeutet jedoch auch mehr Arbeit für den Trainerstab, aber der wurde verkleinert. Chefcoach Christian Hampel steht nur noch Marco Nagel zur Seite, und das nicht einmal an jedem Trainingsabend.

André Juchum, ein Iserlohner Urgestein, ist seit der Vorbereitung nicht mehr dabei. Dass Hampel daher gelegentlich mit 20 und mehr Spielern allein auf dem Hemberg-Rasen steht, geht zwangläufig zu Lasten der Effizienz. Und es gibt nicht wenige, die davon überzeugt sind, dass auch der verkleinerten Trainerstab einen Beitrag zum bislang enttäuschende Abschneiden der Mannschaft geleistet hat.

Beim Fusionsverein einMann der ersten Stunde

Juchum, einst in Oestrich unter Oliver Ruhnerts Regie eine feste Größe im Team und im Fusionsverein ein Mann der ersten Stunde, hatte im Sommer kurzzeitig einen Standortwechsel nach Berlin erwogen. Beim Zweitligisten Union ist er fest angestellter Scout für den Profibereich und dabei national für den Westen und Südwesten sowie für die Nachbarländer Dänemark, Österreich, Niederlande und die zweite französische Liga zuständig. „Ich war voreilig, denn in diesem Job ist ein zentral gelegener Wohnort hilfreich, weil ich oft kurzfristig zu Spielbeobachtungen los muss“, erläutert Juchum.

Weil aber der Umzug nach Berlin im Raum stand, plante der sportliche Leiter Uli Sauerborn nicht mehr mit dem langjährigen Co-Trainer. „Dass sofort ein Schlussstrich gezogen wurde und offenbar kein Interesse da war, mich weiter einzubinden, hat mich schon getroffen“, räumt Juchum ein. In seiner Kritik am Vorgehen der Verantwortlichen nimmt er den Cheftrainer ausdrücklich aus. „Es hat total Bock gemacht, mit ihm zusammenzuarbeiten, und es tut mir leid für Christian, wenn er jetzt Probleme hat.“ Heute schaut André Juchum nur noch gelegentlich bei Spielen am Hemberg vorbei, der Kontakt zur Mannschaft ist nicht mehr sehr intensiv.

Von Iserlohn aus, wo er sich auch weiterhin für die Linken kommunalpolitisch engagiert, widmet er sich dem Scouting für Union, sein Vertrag läuft bis 2020. Zugang zu diesem Metier fand er einst über Oliver Ruhnert in der Knappenschmiede von Schalke 04, und nach dessen Ausscheiden lief auch Juchums Zeit in Gelsenkirchen ab. Schalkes Direktor Nachwuchs wechselte bekanntermaßen als Chefscout zu Union Berlin, stieg dort in diesem Jahr zum Geschäftsführer Sport auf und ließ die frühere Zusammenarbeit mit Juchum wieder aufleben. „Und es macht riesig Spaß“, beschreibt der Neu-Berliner Juchum sein Betätigungsfeld. Zum festen Programm gehören die Spielbeobachtungen von Freitag bis Montag, die Videoanalysen, detaillierte Berichte und alle drei Wochen ein Meeting in Berlin. „Dienstags und donnerstags bin ich aber meist in Iserlohn“, schwenkt er noch einmal zur Co-Trainerproblematik beim FCI um.

Als Scout für die Profis fast permanent auf Achse

Aktuell hat er keinerlei Ambitionen, irgendwo als Chefcoach in die Verantwortung zu gehen. „Ich wäre geradezu bescheuert, wenn ich diesen Job bei Union dafür aufgeben würde“. Er schwärmt von den „Eisernen“, von den Ambitionen des Vereins, vom Stadion an der Alten Försterei, von den Fans. „Dass zu unserem Pokalspiel in Dortmund über 8000 Leute aus Berlin mitgekommen sind, war schon außergewöhnlich.“ Juchum wirkt rundherum zufrieden mit seiner Aufgabe, dem Reiz des Profigeschäfts kann er sich nicht entziehen. Und bald wird man wohl auch Resultate seiner Arbeit sehen. „Ich bin ja erst seit Juli dabei, aber für die nächste Transferperiode kann ich sicher einige Spieler vorschlagen, die gut zu uns passen würden.“

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